Frauenherzgesundheit im Defizit: Prävention entscheidet über Lebensjahre

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen. Dennoch bleiben Prävention und Versorgung defizitär. Neue Studiendaten verdeutlichen den Handlungsbedarf – ein zentrales Anliegen des #GoRed-Aktionstags 2026.

Frau roter Pullover gelb-oranger Hintergrund

Frauenherzgesundheit: Ein strukturelles Versorgungsproblem

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen die führende Todesursache. Trotzdem werden kardiovaskuläre Risiken bei Frauen häufig unterschätzt, Symptome später erkannt und präventive Maßnahmen weniger konsequent umgesetzt als bei Männern. Diese Diskrepanz ist kein Randphänomen, sondern Ausdruck struktureller Defizite in Prävention, Diagnostik und Versorgung.

Vor diesem Hintergrund rückt die Frauenherzgesundheit zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Initiativen. Der bundesweite Aktionstag #GoRed am 6. Februar 2026 greift diese Problematik auf und zielt darauf ab, Bewusstsein für Prävention, frühe Diagnostik und geschlechtersensible Versorgung zu schaffen. Der GoRed-Aktionstag ist eine gemeinsame Initiative der Healthcare Frauen (HCF) e.V. und der HerzHirnAllianz.

Prävention bleibt ungenutzt – trotz klarer Evidenz

Fünf modifizierbare Risikofaktoren – arterielle Hypertonie, Hyperlipidämie, Unter- oder Übergewicht einschließlich Adipositas, Diabetes mellitus und Rauchen – sind für etwa die Hälfte aller kardiovaskulären Erkrankungen verantwortlich. Obwohl diese Faktoren seit Jahrzehnten bekannt sind, werden sie bei Frauen seltener systematisch erfasst, kontrolliert und behandelt. Vorsorgeangebote werden weniger genutzt, und geschlechterspezifische Risiken finden in Leitlinien und Versorgungspfaden nur begrenzt Berücksichtigung.

Vor diesem Hintergrund liefert die aktuelle Analyse von Prof. Christina Magnussen, Direktorin der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und Erstautorin der Studie des Global Cardiovaskular Risk Consortiums, eine zentrale Evidenzgrundlage, um bestehende Defizite klar zu benennen.

Studiendesign: Globale Daten, klare Aussagen

Die Studie basiert auf Daten von über zwei Millionen Erwachsenen aus 39 Ländern. Analysiert wurde, wie sich das Vorhandensein oder Fehlen der fünf Risikofaktoren im Alter von 50 Jahren auf Lebenszeitrisiken und krankheitsfreie Lebensjahre auswirkt.

Besonderes Augenmerk galt geschlechtsspezifischen Unterschieden und der Frage, ob Prävention auch in der Lebensmitte noch relevante Effekte entfaltet.

Frauen profitieren besonders – werden aber schlechter erreicht

Die Ergebnisse zeigen: Frauen profitieren überdurchschnittlich von einem günstigen Risikoprofil. Frauen ohne Risikofaktoren lebten im Mittel 14,5 Jahre länger als Frauen mit allen fünf Risikofaktoren. Auch die kardiovaskulär krankheitsfreie Lebenszeit war deutlich verlängert.

Gleichzeitig bleibt dieses Potenzial in der Versorgung vielfach ungenutzt. Selbst bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren werden Frauen seltener intensiv behandelt oder präventiv beraten. Die Studie macht damit nicht nur den Nutzen, sondern auch die Konsequenzen unzureichender Prävention sichtbar.

Bekanntes Risiko, bekannte Lücken und Frauenherzgesundheit

Die arterielle Hypertonie erwies sich erneut als stärkster Einzelrisikofaktor. Dennoch wird Bluthochdruck bei Frauen häufiger später diagnostiziert oder weniger konsequent behandelt. Dabei zeigte die Studie, dass selbst eine Modifikation zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr mit relevanten Lebenszeitgewinnen verbunden ist.

Die Studienergebnisse liefern eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für zentrale Forderungen des Vereins Healthcare Frauen (HCF) e. V. Prof. Christina Magnussen betonte im Rahmen der Pressekonferenz zum #GoRed-Aktionstag 2026:

„Diese Ergebnisse zeigen, dass wir einen Paradigmenwechsel brauchen: weg von der reinen Behandlung, hin zu konsequenter Prävention.“

Dr. Lena Marie Seegers, Gründerin und Leiterin des ersten universitären Frauenherzzentrums am Universitätsklinikum Frankfurt, verwies ergänzend auf den weiblichen Lebensverlauf als bislang zu wenig berücksichtigte Dimension: Zyklus, Schwangerschaft und Menopause beeinflussen das kardiovaskuläre Risiko und erfordern eine engere Verzahnung von Gynäkologie, Kardiologie und hausärztlicher Versorgung.

Klinische Realität: Fehldeutung, Verzögerung, Unterversorgung

Die Defizite beschränken sich nicht auf Prävention. Frauen zeigen bei akuten koronaren Ereignissen häufiger unspezifische Symptome. Übelkeit, Erschöpfung oder Oberbauchschmerzen werden seltener als kardiale Warnzeichen erkannt. In der Notfallversorgung führt dies zu Verzögerungen und schlechteren Behandlungsergebnissen.
Nicola Winter, Rettungssanitäterin, brachte es im Rahmen der #GoRed-Pressekonferenz auf den Punkt: „Aufklärung rettet Leben – genau dann, wenn entschieden wird, ob gehandelt wird.“

Fehlende Daten verstärken die Versorgungslücke

Neben individuellen Risikofaktoren machen die Initiatorinnen von #GoRed die strukturellen Defizite sichtbar. Frauen profitieren nicht nur weniger von standardisierten Präventionsprogrammen und werden im Notfall seltener reanimiert, sie erhalten auch seltener diagnostische Untersuchungen. 

Ein weiteres zentrales Problem ist somit der Mangel an geschlechterspezifischen Versorgungsdaten. Analysen zeigen, dass bei Frauen seltener diagnostische Maßnahmen wie Lipidbestimmungen durchgeführt werden. Ohne valide Daten bleiben Defizite unsichtbar und gesundheitspolitische Maßnahmen unscharf.

Dr. Vanessa Conin-Ohnsorge, HCF-Ehrenpräsidentin, betonte: „Was nicht gemessen wird, wird nicht gesehen.“ Die systematische Erhebung geschlechterspezifischer Daten ist daher Voraussetzung für eine evidenzbasierte Verbesserung der Versorgung. Die Bereitstellung geschlechterspezifischer Versorgungsdaten soll künftig helfen, diese Lücken systematisch zu identifizieren und zu schließen.

Konsequenzen für Praxis und Forschung

Die vorliegenden Studiendaten machen deutlich: Nicht nur fehlendes Wissen, sondern unzureichende Umsetzung ist das zentrale Problem der Frauenherzgesundheit. Prävention wirkt – besonders bei Frauen –, wird aber zu selten konsequent genutzt.

Für die klinische Praxis bedeutet dies, Risikofaktoren früher, strukturierter und lebensphasenorientiert zu erfassen. Für die Forschung ergibt sich der Auftrag, geschlechterspezifische Mechanismen stärker zu untersuchen und Präventionsstrategien gezielt zu evaluieren. Initiativen wie #GoRed tragen dazu bei, diese Lücke zwischen Evidenz und Versorgung sichtbar zu machen und zu schließen.

Autor:
Stand:
02.02.2026
Quelle:
  1. Magnussen C et al. Global Effect of Cardiovascular Risk Factors on Lifetime Estimates. N Engl J Med 2025;393:125–138. DOI: 10.1056/NEJMoa2415879.
  2. Martínez R, Nölke M. Über eine Dekade mehr Lebenszeit bei günstigem Risikoprofil. Redaktion: Herzmedizin.de (31.03.2025). Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz‑ und Kreislaufforschung e.V.. Verfügbar online. (Abgerufen am 28.01.2026).
  3. Healthcare Frauen e.V. Presseinformation: Frauenherzen schlagen anders. Zeit zu handeln. Bundesweiter #GoRed‑Aktionstag: Freitag, 6. Februar 2026.
    Berlin (20. Januar 2026). Verfügbar online. (Abgerufen am 28.01.2026).

Hinweis: Dieser Artikel wurde unter Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und anschließend redaktionell geprüft und freigegeben. Zur Gewährleistung inhaltlicher Richtigkeit und Aktualität wurden die angegebenen Quellen berücksichtigt. 

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