Wenn von Hypertonie-Patienten die Rede ist, denken viele an gestresste Manager in den 50ern. Und tatsächlich: in der Altersgruppe unter 50 Jahren sind mehr Männer als Frauen von Hypertonie betroffen. Doch das ändert sich. Ab einem Alter von 65 Jahren überwiegen die Frauen bei den Hochdruckpatienten – jede Zweite ist betroffen.
ESH benennt typisch weibliche Risikofaktoren
Welche Risikofaktoren dazu führen, werden in der neuen Leitlinie der European Society of Hypertension (ESH) erstmals benannt [1]. Damit verbindet sich nicht nur der Hinweis, diese Patientinnen regelmäßig auf Hypertonie zu screenen, sondern auch diese Bevölkerungsgruppe für eine Hypertonie und die damit verbundenen Risiken zu sensibilisieren, so der Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga, Prof. Markus van der Giet [2].
Präeklampsie, Fehlgeburten...
Als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Hypertonie bei Frauen im höheren Lebensalter nennt die EHS-Leitlinie Hypertonie-Episoden während der Schwangerschaften oder Präeklampsie. Das gilt auch für Frauen, die während der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes entwickelt haben. Des Weiteren sind auch Frauen mit häufigen Früh- oder Fehlgeburten im Alter von einer Hypertonie bedroht.
Diese Patientengruppe sollte regelmäßig – und nicht erst ab 60 Jahren – auf Hypertonie gescreent werden. „Wichtig ist nur, dass die betroffenen Frauen ihren Blutdruck im Blick behalten und erhöhte Werte (140/90 mmHg oder mehr) rechtzeitig behandelt werden, bevor Folgeschäden an den Organen, allen voran Herz, Nieren und Gefäße, entstehen,“ so van der Giet weiter.
… und frühe Menopause
Ein weiterer Risikofaktor, der erst später relevant wird, ist eine vor dem 50. einsetzende Menopause. Auch diesen Frauen sollte empfohlen werden, regelmäßig ihren Blutdruck kontrollierten zu lassen.
Unter Hormontherapie besser Blutdruck kontrollieren
Immer wieder in der Diskussion ist die Frage, ob eine Hormon-(Ersatz)-Therapie (HRT) ebenfalls einer Hypertonie Vorschub leistet. Hier ist die Studienlage uneinheitlich, so van der Giet. Die Leitlinie empfiehlt während einer HRT regelmäßig den Blutdruck zu kontrollieren und bei Bedarf Blutdrucksenker einzunehmen. Haben diese keinen ausreichenden blutdrucksenkenden Effekt, soll die Hormontherapie abgebrochen werden.
Transgender-Personen auf Hypertonie-Risiko hinweisen
Auch bei hochdosierten Hormontherapien, wie sie beispielsweise von Menschen mit Transidentität eingenommen werden, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob diese das Risiko für Bluthochdruck bzw. das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. Die EHS empfiehlt, die Patienten bei geschlechtsangleichenden Hormontherapien auch auf diese Risiken hinzuweisen und ihnen ans Herz zu legen, regelmäßig den Blutdruck zu kontrollieren.








