Behandlung von Komorbiditäten bei Vorhofflimmern

Im Rahmen des EHRA-PATHS Projekt wurde eine Software entwickelt, die Ärzte bei der evidenzbasierten und integrierten Behandlung von Komorbiditäten bei Vorhofflimmern unterstützen soll. Die Software wurde auf dem EHRA Kongress 2023 in Barcelona präsentiert.

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Komorbiditäten bei Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und betrifft mehr als 40 Millionen Menschen weltweit [1]. Patienten mit Vorhofflimmern leiden im Durchschnitt unter fünf Komorbiditäten, wie Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Adipositas und chronische Nierenerkrankung [2]. Diese Komorbiditäten können die Lebenserwartung der Patienten verkürzen [3]. Dreiviertel der Patienten mit Vorhofflimmern nehmen darüber hinaus mindestens fünf Medikamente ein [4].

EHRA-PATHS Projekt

Das internationale EHRA-PATHS Projekt hat eine integrierte Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern und mindestens einer weiteren chronischen Erkrankung zum Ziel. Das multidisziplinäre Programm wird an verschiedenen Zentren erarbeitet und von der European Society of Cardiology (ESC) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) koordiniert. Eine EHRA-PATHS Umfrage unter medizinischen Fachkräften erbrachte, dass ein integriertes Versorgungsmodell fehlt und Patienten daher zu selten an Spezialisten für die Behandlung von Komorbiditäten bei Vorhofflimmern überwiesen werden [5].

Entwicklung einer standardisierten Vorgehensweise

In einer Pressemitteilung anlässlich der Präsentation eines Updates zu der Entwicklung der EHRA-PATHS Software auf dem EHRA 2023 Kongress in Barcelona erklärte der wissenschaftliche Koordinator des Projekts Prof. Dr. Hein Heidbuchel von der Universität Antwerpen: „EHRA-PATHS entwickelt eine standardisierte Vorgehensweise, die sicherstellen soll, dass die Komorbiditäten, die einem Vorhofflimmern zugrunde liegen oder dieses komplizieren, evidenzbasiert behandelt werden.“ [6]

Präzise Versorgungspfade für jede Erkrankung

EHRA-PATHS Wissenschaftler haben 22 Komorbiditäten definiert, die bei Patienten mit Vorhofflimmern relevant sind. Für jede Erkrankung hat das Konsortium präzise Versorgungspfade entwickelt, um zu prüfen ob eine bekannte Komorbidität aktuell ist oder nicht, um die weitere Evaluation anzuleiten und das Management sicherzustellen. Die Versorgungspfade wurden nun in einer Software integriert, die das medizinische Personal dabei unterstützt, Patienten mit Vorhofflimmern systematisch und umfassend zu evaluieren.

Evaluation der Software in Multicenterstudie ist geplant

Die Software soll in einer Studie evaluiert werden, an der 65 Kliniken in 14 europäischen Ländern teilnehmen. Um ein Bild von Baseline Situation zu erhalten, werden die Forscher in ersten Teil der Studie das Management (Assessment und Behandlung) von Risikofaktoren und Komorbiditäten bei etwa 1.300 Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern im Alter von ≥65 Jahren evaluieren. Im zweiten Teil findet eine kontrollierte Studie statt, in der die Patienten softwaregestützt oder ohne Software gemanagt werden. Dieser Teil der Studie soll zeigen, ob die Software das Management gegenüber der herkömmlichen Versorgung verbessert.

Software als Grundstein für die Verbesserung der Versorgung

Mit der Entwicklung der Versorgungspfade und ihrer Integration in eine Software hat EHRA-PATHS eine Basis geschaffen, wie Heidbuchel erklärt: „Damit ist ein Grundstein zur Erreichung des Gesamtziels des Projekts gesetzt, nämlich die Verbesserung des Outcomes von Patienten mit Vorhofflimmern, indem zugrundeliegende Komorbiditäten durch multidisziplinäre Überweisungen und Kollaborationen systematisch detektiert und gemanagt werden, wo immer das nötig ist.“

Autor:
Stand:
08.05.2023
Quelle:
  1. Hindricks et al. (2020) ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation developed in collaboration with the European Association of Cardio-Thoracic Surgery (EACTS). Eur Heart J.42:373–498. DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa612
  2. Chamberlain et al. (2017) Multimorbidity and the risk of hospitalization and death in atrial fibrillation: A population-based study. Am Heart J. 185:74–84. DOI: 10.1016/j.ahj.2016.11.008
  3. Jani et al. (2018) Multimorbidity and co-morbidity in atrial fibrillation and effects on survival: findings from UK Biobank cohort. Europace. 2018;20:f329–f336. DOI: 10.1093/europace/eux322
  4. Shaikh et al. (2018): Addressing multimorbidity and polypharmacy in individuals with atrial fibrillation. Curr Cardiol Rep. 20:32 DOI: 10.1007/s11886-018-0975-x
  5. Lee et al. (2022): The challenge of managing multimorbid atrial fibrillation: a pan-European European Heart Rhythm Association (EHRA) member survey of current management practices and clinical priorities. Europace.24:2004–2014. DOI: 10.1093/europace/euac136
  6. European Society of Cardiology (2023): Patients with atrial fibrillation have an average of five additional medical conditions. Pressemitteilung 18. April 2023
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