Aspirin (Wirkstoff Acetylsalicylsäure) wird weltweit häufig zur sekundären Prävention atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankungen eingesetzt. Die blutverdünnende Wirkung des Medikaments geht jedoch mit potenziellen Nebenwirkungen, wie einem erhöhten Blutungsrisiko, einher.
Dosierung wirkt sich nicht auf Blutungsrisiko aus
Die ADAPTABLE-Studie (Aspirin Dosing: A Patient-Centric Trial Assessing Benefits and Long-term Effectiveness) von 2021, die die Sicherheit und Wirksamkeit von Hoch- und Niedrigdosis-Aspirin bei 15.076 Patienten mit atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung untersuchte, ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Dosen in Bezug auf das Auftreten schwerer Blutungen.
Schützt eine magensaftresistente Beschichtung vor gastrointestinalen Blutungen?
Die magensaftresistente Beschichtung verlangsamt den Tablettenabbau bis zum Duodenum und hat sich in der Verringerung von Magenerosionen bewährt.
Eine post-hoc-Sekundäranalyse der ADAPTABLE-Studie bewertete die Assoziation der Aspirin-Formulierung (magensaftresistent vs. nicht magensaftresistent) mit der Wirksamkeit und Sicherheit in der sekundären Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen.
Retrospektiv wurden die Daten von über 10.000 Patienten analysiert, die entweder täglich 325 mg oder 81 mg Aspirin in magensaftresistenter oder nicht magensaftresistenter Form einnahmen. Die Beobachtungsperiode erstreckte sich über 26 Monate.
Magensaftresistentes Aspirin bevorzugt
Die Teilnehmer zeigten eine Präferenz für magensaftresistentes Aspirin. In der 81-mg-Gruppe wurde vermehrt magensaftresistentes Aspirin und in der 325-mg-Gruppe weniger im Vergleich zu unbeschichtetem Aspirin verwendet.
Unbeschichtetes Aspirin war zudem bei Rauchern, Diabetespatienten und im Falle von Personen mit positiver Blutungsanamnese häufiger und magensaftresistentes Aspirin wurde bei Personen mit Hyperlipidämie mehr genutzt.
Zum Studienstart nahmen 22% in beiden Gruppen zusätzlich P2Y12-Inhibitoren ein.
Kein Unterschied im Wirksamkeitsprofil
Die Bioverfügbarkeit von Aspirin kann durch die magensaftresistente Formulierung eingeschränkt sein, was in der Vergangenheit die Wirksamkeit bezweifeln ließ. Studien zeigen, dass enterisch beschichtetes Aspirin möglicherweise weniger effektiv ist als unbeschichtetes Aspirin.
Insgesamt nahmen 69% der Patienten magensaftresistentes und 31% der Patienten unbeschichtetes Aspirin ein. Hinsichtlich des magensaftresistenten Aspirins zeigte sich im Vergleich zu unbeschichtetem Aspirin, unabhängig von der Dosis, kein signifikant höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod.
Blutungsereignisse als primärer Endpunkt der Untersuchung des Sicherheitsprofils
Es gab keine klare Reduktion des Blutungsrisikos durch die Einnahme von magensaftresistentem Aspirin.
Die Kombination von magensaftresistentem Aspirin mit säurereduzierenden Medikamenten zeigte in dieser Analyse keine klinische Wechselwirkung bezüglich schwerer Blutungen oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt.
Pharmakodynamik unbeeinträchtigt durch Beschichtung
Frühere pharmakodynamische Studien hatten darauf hingewiesen, dass magensaftresistentes Aspirin die zeitliche Auflösung des Arzneimittels im Dünndarm beeinträchtigen kann. Diese Studie widerspricht diesen Erkenntnissen jedoch und betont die Notwendigkeit weiterer Diskussionen über eine patientenindividuelle Auswahl der Formulierung und Dosis.
Mehr Selbstbestimmung für Patienten möglich
Die Ergebnisse der vorliegenden Analyse deuten darauf hin, dass magensaftresistentes Aspirin in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit mit unbeschichtetem Aspirin vergleichbar ist. Dies lässt schlussfolgern, dass die magensaftresistente Beschichtung von Aspirin keine signifikanten Auswirkungen auf Wirksamkeit oder Sicherheit bei der sekundären Prävention kardiovaskulärer Ereignisse hat. Patienten könnten somit künftig ihre bevorzugte Aspirin-Formulierung selbst wählen.
Weitere Forschung ist notwendig, um die langfristigen Auswirkungen verschiedener Aspirin-Formulierungen und Dosierungen zu klären und optimale, patientenindividuelle Empfehlungen zu entwickeln.








