Schlechteres Outcome bei Frauen mit PAVK
Mehr als 200 Millionen Menschen leiden weltweit unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK). Die PAVK erhöht das Risiko für Myokardinfarkte und Schlaganfälle und ist einer der führenden Gründe für Beinamputationen. Es gibt Hinweise, dass mindestens ebenso viele Frauen wie Männer an einer PAVK erkrankt sind. Bei Frauen wird dabei ein schlechterer Ausgang der Erkrankung als bei Männern beobachtet [1].
Genderspezifische Unterschiede
Ein Review von Autoren um Prof. Dr. Mary Kavurma, Leiterin der Gruppe Vaskuläre Komplikationen am Heart Research Institute der Universität Sydney, beleuchtet die Gründe, warum die PAVK bei Frauen möglicherweise häufig übersehen wird und Frauen schlechter auf die üblichen Therapien ansprechen als Männer. Um genderspezifische Ungleichheiten im Gesundheitswesen zu verstehen, ist es wichtig, über die traditionellen biologischen Treiber von Geschlechtsunterschieden hinaus zu forschen. Sozial konstruierte Geschlechterrollen und Beziehungsmuster müssen bei der Ursachenforschung miteinbezogen werden [2].
WHO-Modell für genderspezifische Bedürfnisse
Für ihre Bewertung und Einordnung der verfügbaren Evidenzen nutzten die Autoren das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Modell zur Analyse genderspezifischer Bedürfnisse im Gesundheitswesen. Das Modell unterscheidet biologische, klinische und soziale Mechanismen, die die genderspezifischen Unterschiede im Gesundheitswesen verursachen. So ist zum Beispiel der global schlechtere sozioökonomische Status von Frauen gegenüber Männern auch bei der PAVK mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung und einer Hospitalisation verbunden [3].
Biologische und klinische Merkmale der PAVK bei Frauen
Frauen haben im Vergleich zu Männern kleinere Blutgefäße und ein höheres Thromboserisiko, das durch Komplikationen während der Schwangerschaft und hormonelle Kontrazeption verstärkt wird. Eine PAVK äußert sich bei Frauen häufig in geringgradigen Schmerzen oder Unbehagen sowohl in Bewegung als auch in Ruhe. Die bei Männern typische Claudicatio intermittens im Stadium II der PAVK tritt bei Frauen seltener auf. Dafür leiden sie doppelt so häufig wie Männer bereits unter einer chronischen gliedmaßenbedrohenden Ischämie (chronic limb threatening ischemia [CLTI]), wenn sie die Diagnose PAVK erhalten.
Behandlung der PAVK bei Frauen
Selbst wenn die Diagnose gestellt wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen die bei PAVK empfohlene Medikation erhalten, geringer als bei Männern. Die Rate an offenen Operationen ist bei Frauen niedriger als die Zahl endovaskulärer Eingriffe und ihre Sterberate nach Amputationen oder offenen chirurgischen Eingriffen höher als bei Männern.
Wenig Bewusstsein für PAVK bei Frauen
In der Öffentlichkeit und auch Fachkreisen wird die PAVK bei Frauen kaum als Risiko wahrgenommen, geschweige denn diskutiert. Da Frauen mit PAVK seltener unter der „typischen“ Claudicatio intermittens leiden und sie selbst häufig dazu neigen, ihre Beschwerden zu verharmlosen, ist das Risiko von Fehldiagnosen groß. Darüber hinaus sind Frauen in der klinischen PAVK-Forschung unterrepräsentiert: In den letzten zehn Jahren stellten Frauen nur ein Drittel der Teilnehmer in klinischen Studien zur PAVK-Therapie.
Mehr Frauen in der Gefäßmedizin
Den Mangel an Bewusstsein für die PAVK bei Frauen führen die Autoren unter anderem darauf zurück, dass es nur sehr wenige Fachärztinnen für Gefäßchirurgie gibt und Frauen in den Leitlinienteams unterrepräsentiert sind. Koautorin Prof. Dr. Sarah Aitken sagt: „…, der aktuelle Mangel (an Fachärztinnen) bedeutet, dass es unwahrscheinlich ist, dass Patientinnen von einer Fachärztin behandelt werden und, dass in der Forschung, in den Veröffentlichungen und in der Politik die weibliche Perspektive nicht ausreichend vertreten wird.“
Mehr Forschung
Kavurma sieht beim Thema PAVK noch enormen Forschungsbedarf, unter anderem zu folgenden Fragen: Warum sind viele Frauen asymptomatisch? Wie unterscheidet sich die Krankheit bei Männern und Frauen, insbesondere vor der Menopause? Warum sprechen Frauen schlechter auf Therapien an? Dafür ist es unerlässlich, dass mehr Frauen in entsprechende Studien eingeschlossen werden.







