Auswirkungen der Zöliakie auf das Herz

Zöliakiekranke weisen eine geringere Prävalenz an kardiovaskulären Risikofaktoren auf, tragen aber insgesamt ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Deshalb ist es wichtig, ihre kardiovaskuläre Gesundheit zu fördern.

Patient mit Zöliakie

Die Prävalenz von Zöliakie steigt vor allem durch eine stetig verbesserte Diagnostik an, in Großbritannien betrifft die Erkrankung etwa ein Prozent der Bevölkerung. Die Betroffene haben neben den typischen Symptomen wie Durchfall, Gewichtsverlust, Anämie, chronische Müdigkeit auch ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und verschiedene Krebsarten, darunter Non-Hodgkin-Lymphome und Adenokarzinome im Dünndarm, sowie für weitere Autoimmunerkrankungen wie Dermatitis herpetiformes.

Aus Querschnitts- und Längsschnittstudien geht hervor, dass die Zöliakie mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einschließlich ischämischer Herzkrankheiten und Schlaganfall assoziiert ist. Man weiß aber nicht, welche kardiovaskulären Risikofaktoren zugrunde liegen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bislang nicht als eine Komplikation der Zöliakie angesehen.

Herz-Kreislauferkrankungen eine Komplikation bei Zöliakie?

Wissenschaftler der Universität Oxford in Großbritannien untersuchten nun weiter, ob Menschen mit Zöliakie ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, einschließlich ischämischer Herzkrankheiten und Schlaganfälle, haben.

In ihre prospektive Studie schlossen sie 469.095 Teilnehmer aus der UK Biobank im Alter zwischen 40 bis 69 Jahren ein. Alle Studienteilnehmer hatten zu Studienbeginn keine diagnostizierte kardiovaskuläre Erkrankung. Eine Zöliakie lag bereits bei 2.083 Teilnehmern vor und wurde bei weiteren 1.435 Teilnehmern (0,3%) während der Studie diagnostiziert. Zwischen Teilnehmern mit und ohne Zöliakie wurde das relative Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen, ischämischen Herzkrankheiten, Myokardinfarkten und Schlaganfällen ermittelt. Die kardiovaskulären Ereignisse und Erkrankungen wurden über stationäre Krankenhausdokumentationen und Sterbeurkunden erfasst.

Idealer kardiovaskulärer Risikoscore bei Zöliakie-Betroffenen

Teilnehmer mit Zöliakie hatten einen geringeren Body-Mass-Index (BMI) und einen niedrigeren systolischen Blutdruck, konsumierten weniger Alkohol und waren seltener Raucher.  Mehr von ihnen hatten einen idealen kardiovaskulären Risikoscore als Studienteilnehmern ohne Zöliakie (23,3% vs. 14,3%), weniger einen schlechten Risikoscore (5,0% vs. 8,6%). Allerdings gab es etwas häufiger kardiovaskuläre Erkrankungen in der Familienanamnese der Zöliakiekranken (44,1% vs. 41,6%)

Erhöhte Inzident an kardiovaskulären Erkrankungen trotz geringerer Risikofaktoren

Im medianen Nachbeobachtungszeitraum von 12,4 Jahren gab es 40.687 neue Fälle kardiovaskulärer Erkrankungen, 218 betrafen Teilnehmer mit Zöliakie.  Im Einzelnen traten 33.556 ischämische Herzerkrankungen, 8.859 Schlaganfälle und 12.853 Myokardinfarkte auf.

Trotz eines besseren kardiovaskulären Risikoscores zeigten Zöliakiekranke mit 9,03 Fällen pro 1.000 Personenjahre eine höhere Inzidenz an kardiovaskulären Erkrankungen als Teilnehmer ohne Zöliakie mit 7,37 Fällen pro 1.000 Personenjahren (p<0,001).

Es bestand eine Assoziation zwischen Zöliakie und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen mit einer Hazard Ratio (HR) von 1,27 (95%-Konfidenzintervall (KI): 1,11 bis 1,45), die nicht durch Lebensstilfaktoren beeinflusst war. Wurden jedoch weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren berücksichtigt, verstärkte sich die Assoziation noch weiter (HR: 1,44; 95%-KI: 1,26 bis 1,65).
Nach Krankheiten aufgeschlüsselt betrugen die HR für ischämische Herzkrankheiten 1,30 (95%-KI: 1,12 bis 1,50; p<0,001) und für Myokardinfarkte 1,34 (95%-KI: 1,06 bis 1,70; p<0,01). Keine signifikante Assoziation fand sich zwischen Zöliakie und dem Schlaganfallrisiko (HR: 1,13; 95%-KI: 0,85 bis 1,52; p=0,39).

Ursachensuche geht weiter

Die Ursache, weshalb Zöliakiepatienten ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben, bleibt weiter unklar. Es ist jedoch bekannt, dass bei einer Reihe von Autoimmunkrankheiten ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko besteht, was wohl auf systemische Entzündungensreaktionen zurückzuführen ist.

Unklar ist auch die Rolle einer glutenfreien Ernährung. Einigen Studien zufolge, kann die glutenfreie Ernährung Entzündungen und das damit verbundene kardiovaskuläre Risiko verringern, während andere Studien darauf hinweisen, dass eine glutenfreie Ernährung das Risiko erhöht. Begründet wird dies damit das glutenfreie Produkte mehr gesättigte Fette, Zucker und Salz enthalten und der Verzehr von Vollkornprodukten eingeschränkt ist. In jedem Fall sollten Ärzte Betroffene über das erhöhte Risiko aufklären und gemeinsam mit ihnen an der Optimierung des kardiovaskulären Profils arbeiten.

Autor:
Stand:
11.04.2023
Quelle:

Conroy  et al. (2023): Association between coeliac disease and cardiovascular disease: prospective analysis of UK Biobank data. BMJ Medicine. DOI: 10.1136/ bmjmed-2022-000371

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