Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen

Die Ernährung spielt bei der Versorgung von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Insbesondere mediterrane und pflanzenbetonte Ernährungsmuster zeigen Potenzial, pauschale Empfehlungen sollten jedoch vermieden werden.

Ernährungsempfehlung

Für viele Patienten mit rheumatischen Erkrankungen ist Ernährung ein relevantes Thema, insbesondere mit Blick auf Schmerzen, Entzündung und Krankheitsaktivität. Dabei stützen sie sich sowohl auf Informationen von medizinischem Fachpersonal als auch aus dem Internet. Auf dem diesjährigen EULAR-Kongress stellte Dr. Konstantinos Gkikas aktuelle Daten zu Ernährung und Entzündung bei rheumatischen Erkrankungen vor.

Ernährung und Erkrankungsrisiko: Evidenz bleibt uneinheitlich

Die epidemiologische Evidenz ist insgesamt uneinheitlich. Den vorgestellten Daten zufolge gibt es die konsistentesten Hinweise auf einen möglichen protektiven Zusammenhang zwischen mediterran geprägten Ernährungsmustern bzw. einzelnen Komponenten wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Ballaststoffen, ungesättigten Fettsäuren und polyphenolreichen Lebensmitteln.

Dies ist auch mit Blick auf kardiometabolische Komorbiditäten klinisch relevant, die bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen häufig zur Krankheitslast beitragen. Bei rheumatoider Arthritis wurde eine inverse Assoziation zwischen dem Verzehr von Obst und Getreideprodukten beziehungsweise von Obst und Gemüse und dem Erkrankungsrisiko gezeigt.

Für rotes und verarbeitetes Fleisch sowie hochverarbeitete Lebensmittel ergaben sich hingegen ungünstige Zusammenhänge. Bei Frauen war ein proinflammatorisches Ernährungsmuster in prospektiven Kohorten mit einem höheren Gichtrisiko assoziiert.

Methodische Grenzen erschweren die Interpretation

Wie Dr. Gkikas betonte, müssen diese Daten mit Vorsicht interpretiert werden. Viele Studien beruhen auf Ernährungserhebungen, die anfällig für Erinnerungsfehler, ungenaue Angaben und Verzerrungen sind. Hinzu kommen mögliche Confounder und eine begrenzte Übertragbarkeit von Daten aus großen Kohorten wie der UK Biobank oder der Nurses’ Health Study.

Dies wurde besonders deutlich am Beispiel hochverarbeiteter Lebensmittel. Zwar zeigen Beobachtungsdaten eine Assoziation mit einem erhöhten Risiko für den Beginn einer rheumatoiden Arthritis. Die Erfassung über klassische Food-Frequency-Fragebögen bleibt jedoch schwierig, da Lebensmittel derselben Kategorie hinsichtlich Nährstoffgehalt, Verarbeitungsgrad und metabolischer Wirkung stark variieren können.

Neue Methoden zur präziseren Ernährungserfassung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf neuen Methoden zur Erfassung der Ernährung. Vorgestellt wurden dabei unter anderem objektive Biomarker, Food-DNA-Analysen, fäkale Metabolomik sowie Shotgun-Metagenomik. Mithilfe dieser Verfahren könnte die tatsächliche Aufnahme bestimmter Lebensmittel oder Ernährungsbestandteile genauer abgebildet werden.

Dr. Gkikas nannte als Beispiel den Nachweis glutenimmunogener Peptide im Stuhl. Damit lässt sich eine kurzfristige Glutenaufnahme erfassen, die in konventionellen Ernährungsfragebögen unter Umständen unentdeckt bleibt. Solche Ansätze könnten künftig dazu beitragen, Zusammenhänge zwischen Ernährung, Mikrobiom und Krankheitsaktivität besser zu untersuchen.

Ernährung als unterstützender Therapiebaustein

Ob sich die Krankheitsaktivität bei rheumatischen Erkrankungen durch Ernährung verbessern lässt, ist bislang nur begrenzt belegt. Es wurden Daten zu pflanzenbasierten Interventionen, mediterranen Ernährungskonzepten, intermittierendem Fasten, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und weiteren Nahrungsergänzungsmitteln vorgestellt.
Die robustesten Signale betreffen derzeit multimodale Lebensstilinterventionen. Im „Plants for Joints“-Konzept wurden pflanzenbasierte Ernährung, körperliche Aktivität und Psychoedukation kombiniert. 

Bei rheumatoider Arthritis verbesserten sich die Parameter der Krankheitsaktivität. Bei Arthrose, die mit dem metabolischen Syndrom assoziiert ist, verbesserten sich die Schmerzen und die Funktion. Langzeitdaten sprechen dafür, dass diese Effekte bei fortgesetzter Umsetzung anhalten können.

Pauschale Ausschlussdiäten vermeiden

Für die Versorgung ergibt sich daraus die Bedeutung einer individualisierten Ernährungsberatung. Unnötige diätetische Restriktionen sollten vermieden werden. So sollte eine glutenfreie Ernährung bei chronisch entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ohne gesicherte Zöliakie nicht zur Kontrolle der Krankheitsaktivität empfohlen werden. Auch Fasten, eine vegane Ernährung oder der Ausschluss von Milchprodukten sollten nicht pauschal empfohlen werden.

Zudem ist das Risiko restriktiven Essverhaltens relevant. Bei Patienten mit systemischer Sklerose und gastrointestinaler Beteiligung können selbst initiierte Einschränkungen ohne professionelle Begleitung das Risiko für Mangelernährung erhöhen.

Ernährung praxisnah in die Versorgung integrieren

Das bedeutet für die Praxis, dass Menschen mit rheumatischen Erkrankungen, für die es keine spezifischen, individuell begründeten Ernährungsempfehlungen gibt, den lokalen Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung folgen sollten. Dabei sind Kosten, Lebensmittelverfügbarkeit, Zeit, Kochkompetenz und kulturelle Faktoren zu berücksichtigen.

Die Ernährung sollte somit als unterstützender Baustein der Versorgung ernst genommen werden, ohne den wissenschaftlichen Beleg zu überdehnen. Mediterrane und pflanzenbetonte Ernährungsmuster können eine sinnvolle Orientierung bieten. Entscheidend bleibt eine fachlich begleitete, realistisch umsetzbare und an Komorbiditäten angepasste Beratung.

Autor:
Stand:
10.06.2026
Quelle:

Gkikas et al.: „Nutrition and inflammation in rheumatic diseases“, EULAR-Kongress, London, 04.06.2026.

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