Definition
Das Liposarkom ist ein maligner Tumor des Fettgewebes. Es stellt eine Unterform der Weichteilsarkome dar. Es ist nicht zu verwechseln mit den benignen Lipomen.
Liposarkome sind maligne adipozytäre Tumore und stellen die häufigste Form der Weichgewebssarkome dar. Sie werden in fünf Subtypen unterteilt, die sich wesentlich in ihrer Malignität und Prognose unterscheiden. Eine vollständige Resektion ist die optimale Therapie.
Liposarkom: Übersicht
Das Liposarkom ist ein maligner Tumor des Fettgewebes. Es stellt eine Unterform der Weichteilsarkome dar. Es ist nicht zu verwechseln mit den benignen Lipomen.
Liposarkome machen etwa 20% aller malignen Weichgewebstumoren aus. Der Erkrankungsgipfel liegt bei über 50 Jahren.
Das Liposarkom entsteht aus adipozytärer Differenzierung. Es finden sich subtypenspezifische genetische Aberrationen, die jedoch noch nicht vollständig charakterisiert sind.
Liposarkome sind meist deutlich größer als Lipome und befinden sich im tiefen Weichgewebe. Die Lokalisation unterscheidet sich je nach Subtypen. Lokalisationen in absteigender Häufigkeit sind:
Myxoide Liposarkome befinden sich dabei besonders häufig in den unteren Extremitäten während der gering differenzierte Subtyp häufiger im Retroperitoneum anzutreffen ist. Eine sehr seltene Lokalisation stellt der Gastrointestinaltrakt z. B. Ösophagus dar.
Klinisch sind Liposarkome primär meist indolent. Symptome treten sekundär erst nach Erreichen einer bestimmten Größe durch die Verdrängung benachbarter Strukturen auf. Zu den möglichen Symptomen gehören:
Bei der Diagnostik sollte zunächst eine klinische Untersuchung des Tumors durchgeführt werden. Dabei sollte auf Größe, Lokalisation, Konsistenz, Verschieblichkeit gegenüber dem umliegenden Gewebe, Druckdolenz und Vergrößerung regionaler Lymphknoten geachtet werden.
Das bildgebende Verfahren der ersten Wahl ist das MRT. Weitere radiologische Verfahren wie CT, Bariumbreischluck, Ösophagogastroduodenoskopie können je nach Lokalisation des Tumors indiziert sein. Ein hoher Fettgehalt im CT oder MRT spricht eher für ein benignes Lipom, während ein geringerer Fettgehalt auf ein atypisches Lipom oder Sarkom hinweisen kann.
Die definitive Diagnose erfolgt mittels Biopsie bzw. kompletter Resektion und pathohistologischer Befundung.
Die Stadieneinteilung erfolgt nach dem Enneking Staging System. Die Klassifikation berücksichtigt den Grad der Differenzierung, die lokale Ausbreitung, und das Vorhandensein von Metastasen.
Die Einteilung erfolgt nach der aktuellen WHO-Klassifikation für Weichteiltumore aus 2020. Demnach werden Liposarkome in fünf Subtypen eingeteilt: hoch differenziert, gering differenziert, myxoid, pleomorph und myxoid-pleomorph. Dabei werden hoch differenzierte Liposarkome weiter in den lipoma-like, sklerosierenden und entzündlichen Typ eingeteilt. Die Subtypen unterscheiden sich in ihrer Molekulargenetik und Pathophysiologie und dadurch auch in ihrem biologischen Verhalten sowie der gezielten Therapie.
Das hoch-differenzierte Liposarkom ist der häufigste Subtyp und geht i. d. R. mit einer indolenten Symptomatik, häufigen Lokalrezidiven und einem geringen Ansprechen auf Radio- und/oder Chemotherapie einher.
Das gering-differenzierte Liposarkom entsteht vermutlich aus der hoch-differenzierten Form und ist ebenfalls chemo- und strahlenunsensibel. Dieser aggressive Subtyp ist meist im Retroperitonealraum lokalisiert und mit hohen lokalen Rezidiv- und Metastasierungsraten assoziiert. Die Mortalität ist im Vergleich zum hoch-differenzierten Liposarkom sechsfach erhöht.
Das myxoide Liposarkom findet sich typischerweise an den proximalen Extremitäten, insbesondere im Oberschenkel. Regelmäßig metastasiert es in Knochen, in das Retroperitoneum und in die kontralaterale Extremität. Im Gegensatz zum hoch und gering differenzierten Liposarkom weist es eine erhöhte Chemo- und Strahlensensibilität auf.
Das aggressive pleomorphe Liposarkom macht <10% der Liposarkome aus ist mit einer schlechten Prognose assoziiert. Es trifft häufiger an den Extremitäten auf und entwickelt in 30-50% der Fälle Fernmetastasen.
Beispiele für benigne und maligne Neoplasien, die sich ähnlich zu Liposarkomen präsentieren können, sind im Folgenden aufgeführt:
Diese Erkrankungen können mithilfe von immunohistochemischen Färbungen voneinander differenziert werden.
Hauptbestandteil der Therapie ist die vollständige chirurgische (R0) Resektion des Tumors. Abhängig von dem Subtyp kommen des Weiteren ggf. adjuvante oder neoadjuvante Therapieoptionen in Frage. Nach S3-Leitlinie sollte bei Weichteilsarkomen mit hohem Rezidivrisiko eine neoadjuvante oder adjuvante Chemotherapie mit einer Anthrazyklin-basierten Kombinationstherapie erwogen werden.
Die wichtigste systemische Therapie stellen Doxorubicin/Ifosfamid-haltige Regime dar. Zudem sind Trabectedin und Eribulin in der Zweit-/Drittlinientherapie zugelassen. Insbesondere das myxoide Liposarkom zeigte in Studien ein gutes Ansprechen auf eine neoadjuvante Strahlentherapie mit deutlicher Tumorregredienz.
Ein besseres Verständnis der molekularen Eigenschaften der verschiedenen Subtypen hat in den letzten Jahren zur Entwicklung neuer Therapie-Strategien geführt. Gegenstand aktueller Forschung sind unter anderem CDK4/6-Inhibitoren und Immun-Checkpoint-Inhibitoren in der Therapie des hoch und gering differenzierten Liposarkoms.
Die Prognose des Liposarkoms ist abhängig vom histologischen Subtyp, der Lokalisation des Tumors, seinem Differenzierungsgrad, und dem Ausmaß der Resektion. Gut differenzierte Tumore haben keine Tendenz der Metastasierung und haben exzellente fünf-Jahres-Überlebensraten (5-JÜR) von 75%-100%. Das myxoide und das gering differenzierte retroperitoneale Liposarkom hingegen haben Rezidivraten von bis zu >80%. Das pleomorphe Liposarkom hat mit einer 5-JÜR von 20% eine schlechte Prognose.