WHO warnt vor Ausbreitung einer neuen Mpox-Variante

Die Ausbreitung einer neuen Form des Mpox-Virus hat die Weltgesundheitsorganisation dazu veranlasst, den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen.

Affenpockenvirus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Mittwoch, dem 14. August 2024, die Mpox-Ausbrüche in Afrika zur „Gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite“ erklärt. Konkrete Folgen hat dies nicht.

Mpox-Erkrankungen wurden bei Kindern und Erwachsenen in mehr als einem Dutzend Ländern bestätigt, wobei eine neue Virusvariante für die Ausbreitung verantwortlich gemacht wird. Das Problem: Auf dem afrikanischen Kontinent sind nur wenige Impfstoffdosen verfügbar. Um die Ausbreitung des Monkeypox-Virus (MPXV) zu stoppen, haben die afrikanischen Behörden internationale Unterstützung gefordert. Die Europäische Kommission hat bereits die Lieferung von 215.000 Impfstoffdosen an die afrikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (Africa CDC) angekündigt.

„Das ist etwas, das uns alle beunruhigen sollte … Das Potenzial für eine weitere Ausbreitung innerhalb Afrikas und darüber hinaus ist sehr besorgniserregend“, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in einer Sitzung des Notfallausschusses.

Rasanter Anstieg der Mpox-Fälle: Ausbreitung in 13 afrikanischen Ländern

Den Angaben der Africa CDC zufolge begann der aktuelle Mpox-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) und hat sich von dort auf benachbarte Staaten ausgebreitet. In diesem Jahr wurde das Virus bereits in 13 Ländern registriert, wobei mehr als 96% aller Krankheits- und Todesfälle im Kongo verzeichnet wurden.

Bisher wurden im Jahr 2024 über 14.000 Infektionen und 524 Todesfälle erfasst. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg der Fallzahlen um 160% und einem Zuwachs der Todesfälle um 19%. 

Experten warnen vor Ausbreitung und hoher Sterblichkeitsrate der neuen Mpox-Variante

Sorgen bereitet den Experten vor allem eine neue Virusvariante – eine Sublinie der Mpox-Klade I namens Ib. In den vergangenen Wochen gab es erstmals auch Meldungen aus Uganda, Ruanda, Burundi und Kenia. Die Variante Ib könnte ansteckender sein als bisherige Varianten und schwerere Krankheitsverläufe auslösen. Detaillierte Studien dazu gibt es aber bislang nicht.

„Wir befinden uns jetzt in einer Situation, in der Mpox ein Risiko für viele weitere Nachbarländer in und um Zentralafrika darstellt“, sagt Salim Abdool Karim, ein südafrikanischer Infektionskrankheitsexperte und Leiter der Notfallgruppe der Africa CDC. Besorgniserregend sei vor allem, dass die neue Variante von Mpox eine Sterblichkeitsrate von etwa 3–4% aufweist.

Professor Dimie Ogoina, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Niger Delta-Universität und Vorsitzender des WHO-Notfallausschusses, erklärte: „Der derzeitige Anstieg der Mpox-Erkrankungen in Teilen Afrikas und die Verbreitung eines neuen sexuell übertragbaren Stammes des Affenpockenvirus sind ein Notfall, nicht nur für Afrika, sondern für die ganze Welt.“

Schwere Verläufe durch neue Mpox-Variante Ib bestätigt

Die Klade I des Mpox-Virus zirkuliert vermutlich schon seit September 2023 und hat sich zunächst über sexuelle Netzwerke (Sexarbeiterinnen) verbreitet. Inzwischen werden jedoch auch Infektionen unabhängig von sexuellen Kontakten beobachtet.

Laut Gesundheitsexperten der DRC verlaufen Infektionen mit der neuen Mpox-Variante Ib schwerer als bei vorherigen Varianten. Der Ausschlag breitet sich über den gesamten Körper aus, ist intensiver und geht mit länger anhaltenden Symptomen einher.

Erster Fall in Schweden registriert

Schweden meldete am Donnerstag, dem 15.08.2024, den ersten Fall der neuen Mpox-Variante. Damit ist diese Virusform nun auch in Europa angekommen. „Im Laufe des Nachmittags wurde bestätigt, dass in Schweden ein Fall der schwereren Mpox-Variante, der sogenannten Klade I, aufgetreten ist“, erklärte der schwedische Gesundheits- und Sozialminister Jakob Forssmed auf einer Pressekonferenz. Demnach infizierte sich die betroffene Person während eines Aufenthalts in einer afrikanischen Region, in der derzeit besonders viele Mpox-Fälle der Klade I registriert werden.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland bisher keine Infektionen mit der Klade I bekannt. In den hierzulande gemeldeten Fällen wurde ausschließlich die Klade IIb festgestellt. Das RKI überwacht die Situation weiterhin und aktualisiert seine Informationen entsprechend dem neuesten Kenntnisstand.

Wissenswertes über Mpox

Mpox wird durch ein Orthopoxvirus verursacht und wurde erstmals 1970 in der Demokratischen Republik Kongo beim Menschen nachgewiesen. Die Krankheit gilt in den Ländern Zentral- und Westafrikas als endemisch.

Im Jahr 2022 erklärte die WHO Mpox zur globalen Notlage, nachdem sich das Virus auf mehr als 70 Länder ausgebreitet hatte, die zuvor keine Fälle gemeldet hatten. Hauptsächlich betroffen waren Männer, die Sex mit Männern hatten (MSM). Bei diesem Ausbruch lag die Sterblichkeitsrate unter 1%. Im Mai 2023 wurde der Notstand aufgehoben, nachdem die weltweiten Fallzahlen deutlich zurückgegangen waren.

Autor:
Stand:
16.08.2024
Quelle:
  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO), Pressemitteilung, 14. August 2024.
  2. Ministerium für soziale Angelegenheiten (Schweden), Pressemitteilung, 15. August 2024.
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