Post-Covid – Keine Apheresetherapie außerhalb von Studien

Eine Apheresetherapie bei Post-Covid soll laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie derzeit nur im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden. Bislang gäbe es keine Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweise für diese Behandlungsform bei Post-Covid-Beschwerden.

Apherese

Hintergrund

Laut Studien könnten bis zu 10% aller Covid-19-Erkrankten von länger andauernden Beschwerden in Form von Post-Covid betroffen sein. Diese gehen mit einer Vielzahl an neurologischen Beschwerden einher: Von Kopfschmerzen über Konzentrationsschwäche („brain fog“) bis hin zum Fatigue-Syndrom ist alles beschrieben. Kausale Therapieansätze gibt es bislang nicht. Ein häufig diskutierter Behandlungsansatz ist die Apheresetherapie. Diese kann nach derzeitigem Kenntnisstand aber nicht empfohlen werden, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Pressemitteilung [1].

Apheresetherapie noch ohne Sicherheits- und Wirksamkeitsnachweis bei Post-Covid

Eine Apheresetherapie kann auf zweifache Weise erfolgen. Bei der Lipidapherese werden primär Blutfette entfernt, bei der Immunadsorption (Auto-)Antikörper. Beide Therapieformen werden bei Post-Covid diskutiert und praktiziert, obwohl es noch keine randomisierten kontrollierten Studien zu einem der beiden Apherese-Verfahren gibt. Solche Studien seien aber zwingend erforderlich, um die Wirkung und Sicherheit der Therapien nachzuweisen, so die DGN.

Mit der Immunadsorption wurden in der Neurologie bereits gute Erfahrungen gemacht, etwa als Therapieform bei Neuromyelitis optica, Myasthenia gravis oder dem Guillain-Barré-Syndrom. Hier werden pathogene Autoantikörper aus dem Blut gefiltert, was nachweislich die Symptome verbessert und die Erkrankungsdauer verkürzt. Das würde aber nicht bedeuten, dass diese Therapie auch bei Post-Covid hilft, sagt DGN-Generalsekretär und -Pressesprecher Prof. Dr. Peter Berlit.

Ursache von Post-Covid muss noch geklärt werden

Bislang ist noch gar nicht erwiesen, ob Autoantikörper tatsächlich für die neurologischen Post-Covid-Symptome verantwortlich sind. Neben der Autoimmuntheorie werden beispielsweise eine Viruspersistenz, die Aktivierung anderer Viren, ein Kortisonmangel oder eine psychische Erschöpfung als Krankheitsursachen diskutiert. In diesen Fällen könnte eine Apherese wenig ausrichten, womöglich sogar schaden, heißt es in der Pressemitteilung.

Selbst wenn Post-Covid autoantikörpervermittelt sein sollte, müsse zunächst untersucht werden, ob die Immunadsorption wirkt und einer medikamentösen Immuntherapie überlegen ist. Hier sind randomisierte, placebokontrollierte Studien erforderlich. Diese Studien sind aufwendig, wurden aber bereits an verschiedenen neurologischen Zentren initiiert. „Solange die Ergebnisse dieser Studien nicht vorliegen, können wir die Immunadsorption nicht empfehlen“, so Berlit.

Die Apheresetherapie ist ein invasives Verfahren, das nicht risikofrei ist. Die Gabe von Heparin könnte zu Blutungskomplikationen führen, überdies sind allergische Reaktionen nicht ausgeschlossen. „Selbst bei neuroimmunologischen Krankheiten, bei denen Studien einen Wirkungsnachweis erbracht haben, wägen wir Nutzen und Risiken immer sorgfältig ab. Die Immunadsorption stellt auch bei einigen dieser Indikationen nicht immer die erste Therapie der Wahl dar, sondern kommt oft erst dann zum Einsatz, wenn die Betroffenen auf andere Behandlungen nicht angesprochen haben“, erklärt der DGN-Generalsekretär und -Pressesprecher.

Autor:
Stand:
20.03.2023
Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Pressemitteilung, 14. März 2023.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: