Neueinführung von Adzynma zur Behandlung der kongenitalen thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (cTTP)

Mit Adzynma kommt zum 1. September 2024 ein neues Medikament zur Behandlung der kongenitalen thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (cTTP) auf den deutschen Markt. Adzynma ist eine Enzymersatztherapie, die fehlendes ADAMTS13 ersetzt, um Mikrothromben und thrombotische Ereignisse zu verhindern.

Blutgerinnsel Thrombus

Die kongenitale thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (cTTP), auch bekannt als Upshaw-Schulman-Syndrom, ist eine seltene, genetisch bedingte Form der thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP). Sie wird durch einen angeborenen Mangel des von-Willebrand-Faktor-spaltenden Proteins ADAMTS13 verursacht, welches eine essenzielle Rolle im Blutgerinnungssystem spielt. Patienten zeigen oft Symptome wie Thrombozytopenie, neurologische Störungen und Nierenprobleme, die bereits im Kindesalter auftreten können. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis einer stark reduzierten ADAMTS13-Aktivität und genetische Tests auf Mutationen im ADAMTS13-Gen.

Traditionell wird cTTP durch regelmäßige Plasmainfusionen behandelt, um den ADAMTS13-Mangel zu kompensieren. Mit der Einführung von Adzynma kommt nun eine vielversprechende Alternative auf den Markt, die direkt das fehlende ADAMTS13-Enzym ersetzt. Durch diese gezielte Therapie wird die Bildung von Mikrothromben verhindert und das Risiko thrombotischer Ereignisse deutlich reduziert.

Was ist Adzynma und wofür wird es angewendet?

Adzynma ist eine Enzymersatztherapie zur Behandlung eines ADAMTS13-Mangels bei Kindern und Erwachsenen mit cTTP.

Wie wird Adzynma angewendet?

Adzynma wird intravenös verabreicht. Die Behandlung erfolgt unter der Aufsicht eines Facharztes, der Erfahrung in der Behandlung hämatologischer Erkrankungen hat. Es gibt zwei Hauptanwendungsbereiche: die prophylaktische Therapie, bei der das Medikament alle zwei Wochen verabreicht wird, und die bedarfsorientierte Therapie, die bei akuten TTP-Episoden durchgeführt wird.

Adzynma wird in folgenden Darreichungsformen auf dem Markt erhältlich sein:

Dosierung

Die Dosierung von Adzynma richtet sich nach dem Körpergewicht des Patienten:

  • Prophylaktische Therapie: 40 I.E./kg Körpergewicht einmal alle zwei Wochen. Bei Bedarf kann die Dosierung auf einmal pro Woche angepasst werden.
  • Akute TTP-Episoden: An Tag 1 40 I.E./kg Körpergewicht, an Tag 2 20 I.E./kg und ab Tag 3 täglich 15 I.E./kg bis zwei Tage nach Abklingen der Symptome.

Wie wirkt Adzynma?

Der Wirkmechanismus von Adzynma (rADAMTS13) basiert auf seiner Funktion als Zink-Metalloprotease im Plasma, die für die Regulation des von Willebrand-Faktors (VWF) verantwortlich ist. ADAMTS13 spaltet große und ultragroße VWF-Multimere in kleinere Einheiten, wodurch deren Bindung an Thrombozyten und die Bildung von Mikrothromben vermindert wird. Bei Patienten mit cTTP, die unter einem ADAMTS13-Mangel leiden, ersetzt rADAMTS13 das fehlende Enzym und verhindert die unkontrollierte Bildung von Mikrothromben. Dadurch wird der Verbrauch von Thrombozyten in den Thromben reduziert, was die Thrombozytopenie lindert.

Gegenanzeigen

Adzynma darf nicht angewendet werden bei Patienten mit einer Überempfindlichkeit gegen rADAMTS13 oder einen der sonstigen Bestandteile des Medikaments.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Adzynma gehören Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Infektionen der oberen Atemwege. In seltenen Fällen können schwerwiegende allergische Reaktionen auftreten, einschließlich anaphylaktischer Schock.

Wechselwirkungen

Es wurden keine spezifischen Studien zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten durchgeführt. Allerdings sollte Adzynma nicht mit anderen Medikamenten gemischt werden, um Inkompatibilitäten zu vermeiden.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Adzynma zu beachten:

  • Rückverfolgbarkeit: Die Bezeichnung und Chargennummer des Medikaments müssen genau dokumentiert werden.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Allergische Reaktionen, einschließlich schwerer anaphylaktischer Reaktionen, können auftreten. Patienten sollten über Anzeichen wie Tachykardie, Brustenge, Atemnot, Urtikaria und Juckreiz informiert werden. Bei Auftreten solcher Reaktionen ist die Behandlung sofort abzubrechen und eine Therapie einzuleiten.
  • Immunogenität: Es besteht das Risiko, dass Patienten Antikörper gegen rADAMTS13 entwickeln, was die Wirksamkeit der Therapie vermindern kann. Bei Verdacht auf Antikörperbildung sollten alternative Behandlungsstrategien in Betracht gezogen werden.

Studienlage

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Adzynma wurden in zwei laufenden Studien untersucht:

Studie 281102: Diese Phase-III-Studie verglich Adzynma mit plasmabasierten Therapien bei Patienten mit schwerer cTTP. Die Studie zeigte, dass Adzynma über alle Altersgruppen hinweg effektiv war, indem es die Häufigkeit akuter und subakuter TTP-Ereignisse sowie TTP-Manifestationen reduzierte.

Studie 3002 (Fortsetzungsstudie): Diese Langzeitstudie bestätigte die Ergebnisse der vorherigen Studie, indem sie die Wirksamkeit und Sicherheit von Adzynma bei einer größeren Patientengruppe über einen längeren Zeitraum bekräftigte.

Kinder und Jugendliche: Die Ergebnisse bei Kindern und Jugendlichen waren vergleichbar mit denen bei Erwachsenen.

Außergewöhnliche Umstände: Adzynma wurde unter besonderen Bedingungen zugelassen, da die Seltenheit der Erkrankung eine vollständige Datenerhebung erschwerte. Die EMA überprüft regelmäßig neue Daten und passt die Medikamenteninformation bei Bedarf an.

Autor:
Stand:
30.08.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Adzynma
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