Neueinführung Cystohipp: Methenamin zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfektionen

Cystohipp (Methenaminhippurat) ist zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfektionen zugelassen. Der Wirkstoff wirkt als Harnantiseptikum durch Formaldehydfreisetzung im sauren Urin und wird zweimal täglich oral eingenommen.

Hinweis zur Markteinführung

Nach Angaben des Herstellers erfolgt die Markteinführung von Cystohipp nicht wie ursprünglich angenommen zum 1. März 2026, sondern erst zum Mai 2026.

Harnwegsinfekt

Einleitung

Rezidivierende Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen und betreffen insbesondere Frauen. Wiederkehrende Infektionen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und erfordern häufig langfristige prophylaktische Strategien.

Mit Cystohipp steht nun ein Arzneimittel zur Verfügung, das zur Prophylaxe unkomplizierter Infektionen der unteren Harnwege eingesetzt wird. Das Präparat enthält 1 g Methenaminhippurat pro Tablette und wird oral angewendet. Es ist die einzige in Deutschland registrierte Methenaminhippurat-Option zur Prophylaxe, die als Alternative zu Antibiotika eingesetzt werden kann, ohne das Risiko der Entwicklung antibiotikaresistenter Bakterien zu erhöhen.

Die Marktzulassung wurde durch die deutschen Gesundheitsbehörden erteilt; die Markteinführung in Deutschland ist für Mai 2026 vorgesehen.

Indikationen

Cystohipp ist zur prophylaktischen oder suppressiven Behandlung rezidivierender bakterieller Infektionen der Harnwege indiziert, insbesondere bei Patienten, bei denen eine langfristige Prävention erforderlich ist.

Die Anwendung erfolgt zur Verhinderung erneuter bakterieller Infektionen des Harntrakts und nicht zur Behandlung akuter Infektionen.

Anwendung und Dosierung

Als empfohlene Dosierung sollten Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren eine Tablette mit 1 g Methenaminhippurat zweimal täglich einnehmen.
Bei Katheterpatienten kann auf 3× täglich 1 g erhöht werden.
Kinder 6–12 Jahre: 0,5 g zweimal täglich. Für die Anwendung bei <6 Jahren: liegen keine Daten vor.

Bei alkalischem Urin pH kann Zufuhr eines Säuerungsmittels erforderlich sein.

Die Einnahme erfolgt mit oder ohne Nahrung. Die antibakterielle Wirkung ist abhängig vom sauren Urin-pH-Wert, weshalb alkalinisierende Substanzen vermieden werden sollten.

Das Arzneimittel ist für die Langzeitprophylaxe vorgesehen.

Das Präparat wird als Cystohipp 1 g Tabletten angeboten.

Anwendungshinweise

Die prophylaktische Therapie sollte erst begonnen werden, nachdem eine bestehende Infektion durch geeignete antibakterielle Therapie eliminiert wurde. Während der Anwendung wird eine regelmäßige Kontrolle mittels Urinkulturen empfohlen, um die Wirksamkeit zu überwachen.

Sollte das Schlucken nicht möglich sein, können die Tabletten halbiert oder zerkleinert werden.

Wirkmechanismus

Methenaminhippurat ist ein Harnantiseptikum, dessen antibakterielle Wirkung auf der Freisetzung von Formaldehyd im Urin beruht. Nach oraler Einnahme wird Methenamin rasch resorbiert und im sauren Urin hydrolysiert, wobei Formaldehyd entsteht. Dieses denaturiert bakterielle Proteine und Nukleinsäuren und wirkt dadurch bakterizid.

Die antibakterielle Aktivität ist abhängig vom sauren Urin-pH-Wert, da die Freisetzung von Formaldehyd unter diesen Bedingungen erfolgt. Der Wirkstoff zeigt Aktivität gegen typische uropathogene Erreger wie Escherichia coli, Enterokokken und Staphylokokken.

Die Wirksamkeit ist reduziert bei alkalischem Urin oder bei bestimmten ureasebildenden Bakterien, sofern keine ausreichende Urinansäuerung vorliegt.

Gegenanzeigen und besondere Vorsichtsmaßnahmen

Methenaminhippurat ist kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Methenaminhippurat oder Bestandteile des Arzneimittels
  • schwerer Niereninsuffizienz oder Nierenversagen
  • schwerer Leberinsuffizienz
  • schwerer Dehydratation
  • metabolischer Azidose
  • Niereninfektionen
  • Gicht

Besondere Warnhinweise

Besondere Vorsicht ist erforderlich, da die Wirksamkeit vom Urin-pH-Wert sowie von der Empfindlichkeit der Erreger abhängt. Bei Auftreten einer akuten Infektion sollte die prophylaktische Behandlung unterbrochen und eine geeignete Therapie eingeleitet werden.

Nebenwirkungen

Methenaminhippurat ist im Allgemeinen gut verträglich. Zu den berichteten Nebenwirkungen zählen:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • gastrointestinale Reizung
  • Diarrhö
  • Abdominalschmerz
  • Hautausschlag oder Pruritus
  • Dysurie

Bei hohen Dosierungen wurden Albuminurie, Hämaturie und Blasenreizungen berichtet.

Weitere, seltenere Nebenwirkungen sind der Fachinformation zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Einfluss alkalisierender Arzneimittel

Alkalisierende Arzneimittel und Antazida können die antibakterielle Wirkung von Methenamin vermindern, da sie den Urin-pH erhöhen und dadurch die Freisetzung von Formaldehyd reduzieren.

Gleichzeitige Anwendung mit Sulfonamiden

Die gleichzeitige Anwendung mit Sulfonamiden sollte vermieden werden, da ein erhöhtes Risiko für Kristallbildung im Urin besteht.

Einfluss auf labordiagnostische Untersuchungen

Methenamin kann zudem bestimmte labordiagnostische Untersuchungen beeinflussen, insbesondere die Bestimmung bestimmter Metaboliten im Urin.

Studienlage

Methenaminhippurat ist ein seit vielen Jahren international eingesetzter Wirkstoff zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfektionen und wurde in klinischen Studien untersucht.

In einer randomisierten, doppelblinden Cross-over-Studie mit Patienten mit rezidivierender Zystitis wurden insgesamt 52 Episoden akuter Infektionen beobachtet. Davon traten elf Episoden unter Methenaminhippurat und 41 Episoden unter Placebo auf.

Schwangerschaft, Stillzeit und Fertilität

Schwangerschaft

Für Methenamin(benzamidoacetat) liegen moderate Daten aus 300–1.000 dokumentierten Schwangerschaften vor; dabei zeigten sich keine Hinweise auf Missbildungen oder fetale bzw. neonatale Toxizität. Tierexperimentelle Daten zur Reproduktionstoxizität sind jedoch nicht ausreichend aussagekräftig. 

Als Vorsichtsmaßnahme sollte Cystohipp während der Schwangerschaft vermieden werden.

Stillzeit

Methenamin geht in die Muttermilch über; bei therapeutischen Dosierungen werden jedoch keine Auswirkungen auf gestillte Neugeborene oder Säuglinge erwartet.
Cystohipp kann während der Stillzeit angewendet werden.

Um die Exposition des gestillten Kindes weiter zu reduzieren, sollte das Stillen für 4 Stunden nach der Einnahme pausiert werden.

Fertilität

Humanstudien zur Fertilität liegen nicht vor. Tierstudien zeigen keine direkten oder indirekten schädlichen Wirkungen auf die Fertilität oder Reproduktion.

Zusammenfassung und Ausblick

Mit Cystohipp steht in Deutschland erstmals ein zugelassenes Fertigarzneimittel mit dem Wirkstoff Methenaminhippurat zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfektionen zur Verfügung. Der Wirkstoff entfaltet seine antibakterielle Wirkung durch Freisetzung von Formaldehyd im sauren Urin und wirkt gegen typische uropathogene Erreger.

Das Präparat ist zur langfristigen Prophylaxe vorgesehen und stellt eine Therapieoption zur Prävention rezidivierender Harnwegsinfektionen dar.

Autor:
Stand:
26.02.2026
Quelle:
  1. EQL Pharma, Pressemitteilung, 14. November 2025.
  2. Chronische Blaseninfektion Deutschland, FAQ Methenaminhippurat (Hiprex), abgerufen am 23. Februar 2026. 
  3. Drugs, Hiprex, abgerufen am 23. Februar 2026.
  4. Rote Liste, PatientenInfo-Service, abgerufen am 23. Februar 2026.

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