Alternative Injektionsstellen für Langzeit-Buprenorphin

Eine neue Studie zeigt, dass die Bioverfügbarkeit, Wirksamkeit und Sicherheit der monatlichen Buprenorphin-Depotinjektion an vier Injektionsstellen vergleichbar sind.

Injektion

Opioidabhängigkeit in den USA

Opioidabhängigkeit ist eine chronische Erkrankung mit hohem Rückfallrisiko. In den USA litten 2022 etwa 6,1 Millionen Menschen unter dieser Erkrankung, die für mehr als 76.000 Todesfällen im Jahr verantwortlich sein soll. Die Kombination medikamentöser Therapie, z. B. mit Buprenorphin, Methadon oder Naltrexon, mit psychosozialer Unterstützung gilt als Standardversorgung bei Opioidabhängigkeit. In den USA beginnen nur etwa 15 % der Patienten eine Therapie, oft aufgrund von Zugangshürden, Stigmatisierung und mangelnder Aufklärung.

Substitutionstherapie mit Buprenorphin

Aufgrund seiner langsamen Anflutung besitzt Buprenorphin im Vergleich zu anderen Opioiden wenig Suchtpotential. In der Substitutionstherapie trägt die langsame, reversible Bindung von Buprenorphin an µ-Opioidrezeptoren darüber hinaus dazu bei, das Craving der Patienten nach Opioiden über einen längeren Zeitraum stark zu reduzieren.  Als partieller Agonist am μ-Opioidrezeptor weist Buprenorphin ein geringeres Risiko für Atemdepression auf als Vollagonisten wie Methadon. 

In den USA wird Buprenorphin im Rahmen der Substitution häufig als Sublingualtablette verordnet. Die Depotinjektionslösung BUP-XR (SUBLOCADE®) mit verlängerter monatlicher Wirkstofffreisetzung ist für die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Opioidabhängigkeit für die subkutaner Injektion in den Bauchbereich zugelassen. In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie führte die Behandlung mit dem Medikament über sechs Monate zu einer höheren Abstinenzrate, besserer Therapietreue und einer Verringerung von Craving und Entzugssymptomen.

Bioverfügbarkeit und Sicherheit an anderen Injektionsstellen

Ein Team um Dr. Celine Laffont, Head of Quantitative Clinical Pharmacology, Modeling and Stimulation beim Arzneimittelhersteller Indivior in Richmond, Virginia, USA, hat nun die Bioverfügbarkeit und Sicherheit von BUP-XR an alternativen Injektionsstellen (Oberarm, Oberschenkel, Gesäß) im Vergleich zur Bauchregion untersucht. Ziel der Studie war es, den Patienten mehr Flexibilität bei der Verabreichung zu ermöglichen, um die Behandlung langfristig attraktiver zu gestalten.

Ablauf der offenen Einzeldosis-Parallelgruppenstudie 

Die multizentrische, randomisierte, offene Einzeldosis-Parallelgruppenstudie wurde von März bis November 2023 an sechs Zentren in den USA mit Teilnehmern mit mittelschwerer bis schwerer Opioidabhängigkeit durchgeführt. Nach einer Screening-Phase traten alle in Frage kommenden Teilnehmer in eine Einführungsphase ein, in der sie mit 12/3 mg Buprenorphin/Naloxon Sublingualtabletten einmal täglich für mindestens sieben Tage bis maximal 14 Tage vor der BUP-XR-Injektion stabilisiert wurden. Anschließend wurden die Teilnehmer für eine einzelne Injektion von 300 mg BUP-XR an einer der vier möglichen Injektionsstellen randomisiert. Die Blutplasmakonzentrationen von Buprenorphin wurden über 28 Tage gemessen, um die Pharmakokinetik zu analysieren. Nebenwirkungen und lokale Verträglichkeit wurden dokumentiert.

Therapeutische Wirkstoffspiegel wurden gehalten

Nach der Einführungsphase nahmen noch 88 Patienten an der Studie teil und wurden in etwa gleich große Gruppen für die Injektionsstellen randomisiert. Von diesen Teilnehmern schlossen 81 die Studie ab. Keiner der Teilnehmer wurde wegen unerwünschten Wirkungen während der Einführungsphase oder der BUP-XR-Behandlung aus der Studie genommen. 

Die Studie zeigte, dass therapeutische Wirkstoffspiegel (≥2 ng/mL) bei allen Injektionsorten über den gesamten Beobachtungszeitraum erreicht und gehalten wurden. Die Spitzenkonzentrationen waren bei Injektionen in den Oberarm und Oberschenkel um 39 % bzw. 52 % höher als bei Injektionen in die Bauchregion. Sie führten jedoch nicht zu einer höheren Rate an Nebenwirkungen. Die Verträglichkeit war an allen Injektionsorten ähnlich, schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Lokale Reaktionen wie Schmerzen oder Rötungen waren mild und vorübergehend.

Alle vier Injektionsstellen sind vergleichbar

An allen vier Injektionsstellen erreichte und hielt BUP-XR die therapeutische Buprenorphin-Plasmakonzentration über das monatliche Dosierungsintervall. Es bestanden keine klinisch bedeutsamen Unterschiede in Bezug auf Sicherheit oder Verträglichkeit. Die nach subkutaner Injektion von BUP-XR in den Oberarm und den Oberschenkel höheren Buprenorphin-Plasmakonzentrationen führten nicht zu einer erhöhten Inzidenz von unerwünschten Ereignissen. Die Ergebnisse der Studie unterstützen die zusätzliche Nutzung von Oberarm, Oberschenkel und Gesäß als Injektionsstellen für die monatliche subkutane Verabreichung von BUP-XR zur Substitution bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Opioidabhängigkeit.

Die Studie wurde von Indivior Inc. gesponsort und ist auf ClinicalTrials unter der Nummer NCT05704543 einzusehen.

Autor:
Stand:
06.12.2024
Quelle:
  1. Haight et al. (2019): Efficacy and safety of a monthly buprenorphine depot injection for opioid use disorder: a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. The Lancet 393(10173):778–90 DOI: 10.1016/S0140-6736(18)32259-1
  2. Laffont et al. (2024): A Single‐Dose Study to Evaluate the Relative Bioavailability, Safety, and Tolerability of Monthly Extended-Release Buprenorphine at Alternative Injection Locations in Adult Participants with Opioid Use Disorder. Clinical Drug Investigation (2024). DOI: 10.1007/s40261-024-01406-7
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