DGN 2025: Autofahren trotz Parkinson-Krankheit

Für Patienten mit neurologischen Erkrankungen bedeutet Autofahren Mobilität, Unabhängigkeit und Teilhabe. Autonomes Fahren verspricht Unterstützung beim Fahren. Es ist aber noch ein weiter Weg, bis Autofahren bei eingeschränkter Fahreignung möglich ist.

Autofahrer Auto

Die Parkinson-Krankheit schränkt Betroffene in ihrer Mobilität ein. Deshalb ist Autofahren ein wesentlicher Bestandteil für ihre Unabhängigkeit. Querschnittstudien zeigen: 60 % der Patienten mit Parkinson-Krankheit fahren Auto, bei Patienten mit tiefer Hirnstimulation sind es 50 %, berichtete Professor Dr. Kathrin Brockmann vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen am Universitätsklinikum Tübingen. Verkehrstests in der Innenstadt und auf Schnellstraßen zeigten, dass die von einer Parkinson-Krankheit Betroffenen alleine etwas mehr Fahrfehler machen als mit einem Assistenzsystem. Insbesondere auf Schnellstraßen fuhren sie deutlich langsamer als üblich.

Nicht-kommerzielles Fahren nicht ausgeschlossen

Nach Diagnose einer Parkinson-Krankheit ist die Fahreignung für Kraftfahrzeuge der Gruppe 2 (Lkw, Bus, Taxi, Personenbeförderung) in der Regel nicht gegeben. Das Führen eines Kraftfahrzeugs Gruppe 1 (Pkw, Krafträder, landwirtschaftliche Zugmaschinen) ist dagegen nicht völlig ausgeschlossen. Patienten mit Parkinson-Krankheit im frühen bis mittleren Stadium sind zwar unsicherer als altersgleiche Gesunde, können aber unter bestimmten Bedingungen ein Auto dennoch ausreichend sicher fahren, erläuterte Brockmann. Besonders zu berücksichtigen sind Nebenwirkungen der Medikation wie Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Impulskontrollstörungen, Wirkungsfluktuationen und Dyskinesien.

Wichtige Tests

Die aktuell gültige Leitlinie zur Parkinson-Krankheit empfiehlt, für die Einschätzung der Fahrtauglichkeit nicht nur die Motorik (z.B. anhand der Unified Parkinson Disease Rating Scale [UPDRS III] im Off) zu untersuchen, sondern auch neuropsychologische Tests durchzuführen, um visuell-räumliche Aufmerksamkeitsleistungen, geteilte Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen und visuelle Wahrnehmungsleistungen zu erfassen. Kognitive Screeningverfahren sind ungeeignet, betonte Brockmann. Gegebenenfalls sollte ein Test im Fahrsimulator erfolgen. Neuropsychologische Tests und Simulator identifizierten als relevante Prädiktoren für die Fahrtauglichkeit Aufmerksamkeit und exekutive Funktionen. Nach den Vorgaben der Bundesanstalt für Straßenwesen sollten je nach individuellen Gegebenheiten nach ein, zwei oder vier Jahren Folgeuntersuchungen erfolgen. Der Fahrsimulator kann nicht nur Aufschluss geben über die Fahreignung, er kann auch zum Training genutzt werden. Patienten mit Parkinson-Krankheit, Schlaganfall oder Hirntrauma verbesserten sich durch das Simulatortraining insbesondere in Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen im Verkehr.

Keine Fahreignung

Von einer fehlenden Fahreignung ist auszugehen bei schwerer motorischer Beeinträchtigung und/oder unvorhersagbaren ausgeprägten motorischen On/Off-Fluktuationen sowie höhergradigen Störungen der visuellen Funktion, Kognition, Aufmerksamkeit, Psychomotorik, Impulskontrolle oder Halluzinationen. Außerdem sollten Patienten mit tiefer Hirnstimulation in den ersten drei Monaten nach der Implantation kein Kraftfahrzeug führen.

Automatisiertes Fahren als Lösung?

In den letzten Jahren haben sich viele Faktoren eines unterstützten Fahrens für Neuwagen etabliert. Und die Entwicklung geht weiter, berichtete Dr. Mihiar Ayoubi, Ingenieur und Leiter Entwicklung Fahrerlebnis der BMW-Gruppe in München. Die Neuerungen setzen aber immer noch die Mitwirkung und Aufmerksamkeit des Fahrers voraus. Auf Level 3 eines hochautomatisierten Fahrens kann die Aufmerksamkeit des Fahrers zwar auch woanders sein, er muss aber grundsätzlich anwesend und potenziell fahrbereit sein. Auch auf dieser Automatisierungsstufe ist eine 100 %ige Fahreignung erforderlich, betonte Ayoubi. Erst ein noch höheres Level der Automatisierung, in dem der Fahrer zum Beifahrer wird, könnte ein Fahren unabhängig von der Fahreignung möglich machen. Entsprechende Systeme werden weltweit entwickelt. Bis ein solches Automatisierungsniveau des Autofahrens in eine Massenproduktion geht, sodass ein solches Auto auch für den Individualgebrauch finanzierbar ist, wird es noch dauern. „Aktuell ist es ist billiger, sich ein Taxi zu rufen“, sagte der Automobilexperte.

Autor:
Stand:
27.11.2025
Quelle:
  1. Prof. Dr. Kathrin Brockmann: „Fahreignung be Demenz und Parkinson“, 15. November 2025. DGN-Kongress 2025, Berlin + digital, 12.-15. November 2025.
  2. Höglinger G et al. (2023): S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit, Version 8.1. Stand 25. Oktober 2023. AMWF-Registernummer 030 - 010.
  3. Classen S et al. (2024): A Randomized Controlled Trial on Automated Vehicle Technologies for Drivers With Parkinson's Disease. OTJR: Occupational Therapy Journal of Research. DOI: 10.1177/15394492241271115.
  4. Trost W et al. State-of-the-art applications of driving simulators in neurorehabilitation: A scoping review. Clinical Rehabilitation. DOI: 10.1177/02692155251393560.
  5. Dr. Mihiar Ayoubi: „Autonomes Fahren bei eingeschränkter Fahreignung – wo stehen wir?“ 15. November 2025. DGN-Kongress 2025, Berlin + digital, 12.-15. November 2025.
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