Frühzeitige Erkennung von Multipler Sklerose bei Kindern und Jugendlichen

Eine neue Studie zeigt, dass verschiedene Symptome und Krankheiten bis zu fünf Jahre vor der Diagnose von Multiple Sklerose auftreten können. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Ansätze zur Frühdiagnose und Prävention bei Kindern und Jugendlichen.

Frauenarzt Mädchen

Multiple Sklerose bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig erkennen

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die meist im frühen Erwachsenenalter auftritt. Bei etwa 10 % der Patienten manifestiert sich die Erkrankung jedoch vor dem 18. Lebensjahr. Diese früh beginnenden Formen stellen nicht nur diagnostische, sondern auch therapeutische Herausforderungen dar. Zunehmend verdichten sich Hinweise auf eine prodromale Phase, in der unspezifische Symptome wie neurologische oder metabolische Beschwerden auftreten können. Die vorliegende Studie untersucht systematisch diese Symptome bei Kindern und Jugendlichen, um Ansatzpunkte für eine frühzeitige Diagnose zu identifizieren.

Fall-Kontroll-Studie zu Prodromalphase von MS bei Kindern und Jugendlichen

Die im Fachblatt „JAMA Network Open“ publizierte Studie wurde als populationsbasierte Fall-Kontroll-Analyse unter Nutzung bundesweiter deutscher Krankenkassendaten von 2010 bis 2020 durchgeführt. Die Probanden umfassten 1.091 Jugendliche mit MS, 10.910 Kontrollpersonen ohne MS und 1.068 Kontrollpersonen mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA). Analysiert wurden ICD-10-GM-Diagnosen, die in den fünf Jahren vor der MS-Diagnose dokumentiert wurden. Die JIA-Gruppe diente dazu festzustellen, ob bestimmte Symptome spezifisch für MS sind oder ebenfalls bei anderen Autoimmunerkrankungen auftreten.

Neun Symptome und Erkrankungen als Frühwarnzeichen für MS bei Kindern und Jugendlichen

Die Auswertungen ergaben insgesamt neun Diagnosen bzw. Symptome, die signifikant häufiger bei Kindern und Jugendlichen mit MS im Vergleich zur Kontrollgruppe auftraten: Missempfindungen auf der Haut (adjustierte Odds Ratio [aOR]: 12,93); Anomalien des Herzschlags (aOR: 1,94); Adipositas (aOR: 1,70); Schwindel (aOR: 1,52); Patellaprobleme (aOR: 1,47); Flatulenz (aOR: 1,43); Gastritis und Duodenitis (aOR: 1,35); Sehstörungen (aOR: 1,31); Störungen der Refraktion und Akkommodation der Augen (aOR: 1,26).

Insbesondere Sensibilitätsstörungen zeigten ein hohes Risiko und könnten ein zentraler Indikator für die prodromale Phase sein.

Frühe Krankheitsanzeichen und Risikofaktoren bei Kindern und Jugendlichen berücksichtigen

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die prodromale Phase der MS durch eine Vielzahl unspezifischer Symptome gekennzeichnet ist. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder und Jugendliche mit MS unterschiedliche metabolische, okuläre, muskuloskelettale, gastrointestinale und kardiovaskuläre Symptome und Erkrankungen innerhalb von fünf Jahren vor der ersten MS-Diagnose zeigen können. Adipositas und visuelle Störungen stehen im Fokus, da sie potenziell modifizierbare Risikofaktoren darstellen.

Klinische Relevanz der Studienergebnisse

Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer Sensibilisierung von Haus- und Kinderärzten für unspezifische, aber potenziell wegweisende Symptome bei Jugendlichen. Frühzeitige Überweisungen an neurologische Spezialisten könnten den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Künftige Forschung sollte die pathophysiologischen Mechanismen hinter diesen Symptomen weiter beleuchten und Möglichkeiten zur Prävention entwickeln.

Autor:
Stand:
24.01.2025
Quelle:

Akmatov et al. (2024): Symptoms Prior to Diagnosis of Multiple Sclerosis in Individuals Younger Than 18 Years. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.52652.

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