Hochverarbeitete Nahrung und neurologische Risiken

Eine Ernährung, die zu großen Teilen aus hochverarbeiteten Lebensmitteln wie Süßgetränken, fett-, salz- und zuckerreichen Fertiggerichten besteht, ist mit erhöhten Risiken für kognitiven Abbau, etwa Denk- und Gedächtnisproblemen, und Schlaganfall assoziiert.

ungesundes Essen

Hoher Gehalt an Salz, Zucker, Fett und Zusatzstoffen

Hochverarbeitete Lebensmittel. wie z. B. Süßgetränke, salzige und süße Snacks, Fertiggerichte und Frühstückszerealien, müssen nicht aufwendig zubereitet werden und können sofort verzehrt werden. Im Vergleich zu Fleisch, Gemüse oder Obst, die nicht oder nur wenig verarbeitet wurden, enthalten hochverarbeitete Nahrungsmittel häufig große Mengen an Zucker, Salz, Fett und Zusatzstoffen, um ihre Haltbarkeit zu verbessern und ihre Schmackhaftigkeit zu erhöhen. In der Regel sind sie ärmer an Proteinen, Ballaststoffen und gesundheitlich wertvollen sekundären Pflanzenstoffen.

Krankheitsrisiken im Zusammenhang mit hochverarbeiteter Nahrung

In vorangegangen Studien wurde bereits festgestellt, dass ein hoher Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln mit Adipositas, Diabetes mellitus, kardiometabolischen Krankheiten und auch neurologischen Erkrankungen wie kognitivem Abbau und Schlaganfall assoziiert sind. Unklar blieb bislang, ob diese Zusammenhänge unabhängig von den Ernährungsmustern der Individuen bestehen. Wissenschaftler des Massachusetts General Hospital (MGH) und der Harvard Universität haben sich mit dieser Frage beschäftigt und auch untersucht, welche Effekte die Adhärenz zu allgemein empfohlenen Diäten auf die neurologischen Risiken hat.

Analyse von Daten der REGARDS-Studie

Die Analyse wurde mit zwei Kohorten der prospektiven REGARDS-Studie, an der mehr als 30.000 Menschen teilnahmen, durchgeführt. Die Kohorte, die auf die Entwicklung kognitiver Beeinträchtigungen untersucht wurde, bestand aus 14.175 Teilnehmer und die Schlaganfallkohorte aus 20.243 Teilnehmern. Die Personen in beiden Kohorten waren zu Studienbeginn mindestens 45 Jahre alt und wiesen weder kognitive Beeinträchtigungen auf noch hatten sie einen Schlaganfall erlitten. Alle Teilnehmer identifizierten sich selbst als schwarz oder weiß.

Teilnehmerbefragung zu Essgewohnheiten

Die Teilnehmer gaben in Fragebögen an, was sie aßen oder tranken. Die Forscher klassifizierten die angegebenen Nahrungsmittel nach dem NOVA-System in vier Gruppen (unverarbeitet, verarbeitete Zutaten, verarbeitet, hochverarbeitet). Danach ermittelten sie anhand des Gewichts der Nahrungsmittel gleicher Klassifikation den prozentualen Anteil dieser Verarbeitungsstufe an der Ernährung des Teilnehmers. Darüber hinaus wurde die Adhärenz der Teilnehmer zu empfohlenen Diäten mit entsprechenden Scores bewertet und mit den Inzidenzen von Schlaganfällen oder kognitiver Beeinträchtigungen abgeglichen. Bei den Diäten handelte es sich um die Mediterrane Diät, den diätetischen Ansatz zum Stopp von Hochdruck (DASH) und eine Mischung dieser beiden Diäten mit dem Ziel einer Verzögerung der Neurodegeneration, der sogenannten MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay).

Assoziationen zwischen Verarbeitungsstufen und Outcomes

Zu Studienende nach einem Beobachtungszeitraum von im Durchschnitt elf Jahren wurde bei 768 Personen eine kognitive Beeinträchtigung diagnostiziert und bei 1.108 Personen ein Schlaganfall. Nach Adjustierung um Alter, Geschlecht, Bluthochdruck und anderen wichtigen Faktoren, zeigte sich, dass ein Anstieg des Verzehrs von hochverarbeiteten Lebensmitteln um 10% das Risiko für kognitive Beeinträchtigung um 16% erhöhte. Das adjustierte Risiko für Schlaganfall stieg bei erhöhtem Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln um 8% an. Die Aufnahme von mehr unverarbeiteten Lebensmitteln hingegen verringerte das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen um 12% und das Schlaganfallrisiko um 9%.

Mediterrane Kost, DASH und MIND mit geringeren Risiken verbunden

Die Assoziation zwischen dem Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln und dem Schlaganfallrisiko war bei Teilnehmern mit schwarzer Hautfarbe um etwa 15% stärker als bei Hellhäutigen. Dieser Unterschied ist möglicherweise einer höheren Hypertonieinzidenz in dieser Bevölkerungsgruppe geschuldet. Diäten wie mediterrane Kost, DASH oder MIND waren unabhängig von anderen Faktoren mit einem geringeren Risiko sowohl für Schlaganfall als auch für kognitive Beeinträchtigungen verbunden.

Wie bei vielen Ernährungsstudien stellt die Selbstauskunft der Teilnehmer als Basis der Datenerhebung und die mangelnde Möglichkeit der Kontrolle eine wichtige Limitation dar. Darüber hinaus können in diesen Studien nur Assoziationen und keine Kausalitäten festgestellt werden.

Autor:
Stand:
31.07.2024
Quelle:
  1. American Academy of Neurology (AAN) Pressemeldung 22.Mai.2024
  2. Massachusetts General Hospital Pressemeldung 23. Mai 2024 
  3. Bhave et al. (2024): Associations Between Ultra-Processed Food Consumption and Adverse Brain Health Outcomes. Neurology, DOI: 10.1212/WNL.0000000000209432
  4. Monteiro et al. (2018): The UN Decade of Nutrition, the NOVA food classification and the trouble with ultra-processing. Public Health Nutrition 21: 5–17. DOI10.1017/S1368980017000234
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