Lebensqualität von betreuenden Angehörigen

Betreuungslast, psychische Gesundheit und Selbstwertgefühl haben großen Einfluss auf die Lebensqualität von betreuenden Angehörigen psychisch kranker Menschen. Um ihre Lebensqualität zu verbessern, benötigen die Betreuer möglicherweise psychologische Unterstützung.

Alter Multimorbidität

Bedeutung betreuender Angehöriger

Im taiwanesischen Gesundheitssystem spielen Menschen, die ein Familienmitglied mit schwerer psychischer Erkrankung betreuen, eine wichtige Rolle. Insbesondere bei der Rehabilitation und sozialen Reintegration der Patienten sind sie gefordert. Die betreuenden Angehörigen leisten dabei unentgeltlich eine schwere, andauernde und herausfordernde Arbeit, die sie physisch und psychisch belasten und ihre Lebensqualität verringern kann.

Eine geringe Lebensqualität der betreuenden Angehörigen kann das Funktionieren der Familie, zum Beispiel hinsichtlich der Entscheidungsfindung oder der emotionalen Unterstützung, stören. Das hat indirekt auch Einfluss auf die Gesundheit der psychiatrischen Patienten. Daher ist die Lebensqualität der Betreuer ein wichtiges Thema für die professionelle Versorgung von Menschen mit psychiatrischer Erkrankung (people with mental illness [PWMI]).

Was beeinflusst die Lebensqualität der Betreuer?

In einer Studie des Chi Mei Medical Centers in Tainan, Taiwan, in Zusammenarbeit mit verschiedenen taiwanesischen Kliniken und der International Gaming Research Unit der Nottingham Trent University untersuchten Wissenschaftler um den Psychiater Dr. Chih-Cheng Chang die Faktoren, die mit der Lebensqualität (quality of life [QoL]) betreuender Angehörigen von PWMI assoziiert sind.

Befragung der Angehörigen

Die Multicenter-Querschnittstudie wurde mit Angehörigen von Patienten mit Schizophrenie, schwerer Depression (major depressive disorder [MDD]) und bipolarer Störung durchgeführt. Die Teilnehmer wurden zu ihrer Lebensqualität, Depressionen, Angst und ihrem Selbstwertgefühl befragt. Zusätzlich bearbeiteten die Teilnehmer eine Reihe psychometrischer Skalen darunter Rosenberg Self-Esteem Scale (RSES), Taiwanese Depression Questionnaire (TDQ), Beck Anxiety Inventory (BAI) und World Health Organization Quality of Life Instrument Short Form (WHOQOL). 

Als Betreuungslast definierten die Autoren der Studie die Belastung infolge der Betreuung, die der betreuende Angehörige in den Phasen, in denen er das psychisch kranke Familienmitglied betreut, subjektiv empfindet. Die subjektive Belastung wird dabei von vielfältigen Faktoren, wie beispielsweise physischen, psychischen, sozialen und finanziellen Problemen, beeinflusst. Die Betreuungslast wurde über den Caregiver Burden Inventory (CBI) erhoben.

Umfassende, signifikante Effekte der Betreuungslast

Insgesamt wurden 459 Dyaden aus Betreuer und PWMI rekrutiert. Die meisten Teilnehmer waren im mittleren Alter. Rund die Hälfte der PWMI befand sich mindestens einmal in stationärer Behandlung. Etwa ein Fünftel wurde in eine Akutbehandlung zwangseingewiesen. Die durchschnittliche Betreuungszeit durch die Angehörigen betrug 10,3 Jahre.

Schizophrenie belastet am schwersten

Betreuende Angehörige von Patienten mit Schizophrenie hatten eine schlechtere Lebensqualität als Angehörige von Patienten mit MDD oder bipolarer Störung. Die soziodemographischen Faktoren von Angehörigen und PWMI hatten einen geringeren Einfluss auf die Lebensqualität der Betreuer als die psychologischen. Ein geringes Selbstwertgefühl, starke psychische Belastung und eine hohe Belastung durch die Betreuung verschlechterten die Lebensqualität der Angehörigen.

Die Effekte der Belastung durch die Betreuung auf den QoL waren dabei umfassend und signifikant. Selbstwertgefühl und psychologische Belastung waren signifikante Mediatoren für die Lebensqualität.

Selbstwertgefühl der Betreuer stärken

Die Befunde zeigen, dass sowohl die psychische Gesundheit als auch die Betreuungslast die Lebensqualität der Angehörigen beeinflussen. Interventionen, die das Selbstwertgefühl der Angehörigen stärken und ihre psychologische Belastung durch Depressionen und Ängste verringern, könnten möglicherweise die Effekte der Betreuungslast abmildern und so die Lebensqualität der Betreuer verbessern. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um die Studienergebnisse zu bestätigen und die Effekte psychologischer Interventionen bei den Betreuern zu evaluieren.

Die Studie wurde vom Chang Gung Memorial Hospital gesponsort.

Autor:
Stand:
31.07.2023
Quelle:

Cheng et al. (2022): Quality of life and care burden among family caregivers of people with severe mental illness: mediating effects of self-esteem and psychological distress. BMC Psychiatry, DOI: 10.1186/s12888-022-04289-0

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