Risikofaktoren für die Entstehung der postpartalen Depression

Es gibt Hinweise dafür, dass sich nicht-persistierende Umweltchemikalien wie Phenole, Phthalate, Parabene und Triclocarban auf die Entstehung von postpartaler Depression und die damit einhergehenden Symptome auswirken können.

Schwangerschaft Chemikalien

Was ist eine postpartale Depression?

Die postpartale Depression (PPD,Postpartale Depression) betrifft bis zu 20% der Frauen im gebärfähigen Alter. Sie ist damit die häufigste Schwangerschaftskomplikation, die nach der Entbindung auftritt.

Es kommt bei der sogenannten Wochenbettdepression im Zeitraum von einem Jahr zu verschiedenen Symptomen wie depressiven Verstimmungen, Ängsten, Zwängen sowie körperlichen Beschwerden.

Darüber hinaus kann sich die PPD langfristig negativ auf die Gesundheit der Mutter und des Kindes auswirken und die Entstehung einer schlechten Bindung zwischen Mutter und Kind begünstigen.

Risikofaktoren für die Entstehung von PPD

Die Entstehung der PPD ist mit diversen Risikofaktoren assoziiert, deren genaue pathophysiologische Mechanismen weiterhin Gegenstand intensiver Forschung sind. Von besonderer Bedeutung scheint hierbei das endokrine System und insbesondere die Schwankungen der Sexualsteroidhormone während der Perinatalperiode zu sein.

Aktuell wird der abrupte Rückgang von Östrogen und Progesteron nach der Geburt als potenzieller biologischer Trigger für PPD betrachtet, wobei auch endokrin aktive Chemikalien, welche den Hormonhaushalt beeinflussen können, als zusätzliche Risikofaktoren in Erwägung gezogen werden.

Prospektive Kohortenstudie in den USA

Eine prospektive Kohortenstudie die in JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde, untersuchte die Daten bezüglich des Zusammenhangs von nicht-persistierenden Umweltchemikalien und dem Auftreten von PPD-Symptomen.

Hierzu wurden Daten von 2174 schwangeren Frauen aus fünf US-Geburtskohorten des National Institutes of Health Environmental Influences on Child Health Outcomes (ECHO) im Zeitraum von 2006 bis 2020 analysiert. Das ECHO-Programm, welches über 65 Geburtskohortenstudien umfasst, zielt darauf ab, pränatale und frühkindliche Umweltexpositionen in Bezug auf die kindliche Entwicklung und Gesundheit zu erforschen. Die Urinproben der Teilnehmerinnen wurden auf Konzentrationen von Chemikalien wie Phenolen, Phthalat-Metaboliten, Parabenen und Triclocarban untersucht und in Relation zu nachfolgenden PPD-Symptomen gesetzt, um mögliche kausale Zusammenhänge zu evaluieren.

Ergebnisse der Studie

Anhand der Urinanalyse konnten bei mehr als 99% der Teilnehmerinnen nachweisbare Werte verschiedener Phthalat-Metaboliten und Parabene nachgewiesen werden.

Obwohl 519 Teilnehmerinnen ein positives PPD-Screening aufzeigen, konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang von chemischen Expositionen und der Entstehung von PPD nachgewiesen werden.

Einige Modelle, die verschiedene Phthalate untersuchten, zeigten jedoch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für PPD bei bestimmten Substanzen auf.

Konsequenzen der Ergebnisse

Da die Ergebnisse Grund zur Annahme geben, dass Phthalate, die vor allem als Weichmacher und in Körperpflegeprodukten eingesetzt werden, in Verbindung mit der Entstehung von PPD stehen könnten, ist es erforderlich, diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen.

In der Umwelt vorkommende Chemikalien könnten ein wichtiges modifizierbares Ziel für präventive Maßnahmen in Bezug auf PPD darstellen.

Zudem hebt die Studie die Relevanz der Schwangerschaft als kritisches Expositionszeitfenster für Chemikalien hervor, die potenziell nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind haben können.

Autor:
Stand:
23.10.2023
Quelle:

Jacobson et al. (2023): Prenatal Exposure to Nonpersistent Environmental Chemicals and Postpartum Depression. JAMA Psychiatry, DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2023.3542

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