Vergleich von Reteplase mit Alteplase bei ischämischen Schlaganfall

Unter der Lysetherapie mit Reteplase erreichten mehr Schlaganfall-Patienten ein sehr gutes funktionelles Ergebnis nach 90 Tagen als unter Alteplase. Bei den Patienten unter Reteplase traten aber mehr intrakranielle Blutungen und andere unerwünschte Ereignisse auf.

Antikoagulantien-Therapie

Der rekombinante Gewebe-Plasminogen-Aktivator Alteplase wirkt fibrinolytisch und ist derzeit das international zugelassene Standard-Thrombolytikum zur Wiederherstellung der Blutversorgung bei akutem ischämischem Schlaganfall. Wenn die intravenöse Lysetherapie in einem Zeitfenster von maximal 4,5 Stunden nach dem Einsetzen der Symptome durchgeführt wird, bestehen gute Chancen bleibende Schäden durch den ischämischen Schlaganfall zu vermeiden. Neuere Studien haben gezeigt, dass auch Tenecteplase, eine gentechnisch veränderte Form von Alteplase, ähnliche klinische Vorteile bietet wie Alteplase, jedoch in der Anwendung teurer ist.

Neue Studien zu Reteplase

Chinesische Wissenschaftler haben nun den bereits seit vielen Jahren bekannten rekombinanten Gewebe-Plasminogen-Aktivator Reteplase zur Lysetherapie bei Schlaganfall ins Gespräch gebracht. Eine Phase-II-Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit von Reteplase gegenüber Alteplase lieferte vielversprechende Ergebnisse. Diese konnten jedoch nicht abschließend bewertet werden.

Daher veröffentlichten die Wissenschaftler um Dr. Shuya Li, stellvertretende Chefärztin am Department of Neurology des Beijing Tiantan Hospitals, die Ergebnisse der Phase-III-Studie RAISE, in der sie die Sicherheit und Wirksamkeit von Reteplase gegenüber Alteplase bei rund 1.400 Patienten erneut untersucht hatten. RAISE wurde als prospektive, Open-Label Studie mit verblindeter Endpunktbewertung an mehr als 62 Zentren in China durchgeführt.

Auswahlkriterien für die Studienpopulation

Eingeschlossen wurden Patienten mit ischämischem Schlaganfall, die für eine Thrombolyse im Zeitfenster von maximal 4,5 Stunden nach Einsetzen der Symptome infrage kamen. Der Gesundheitsstatus und die neurologische Funktion der Patienten waren vor Auftreten des Schlaganfalls bekannt und als gut bewertet worden. Die ausgewählten Patienten wurden 1:1 in eine Reteplase- und Alteplase-Gruppe randomisiert.

Doppelbolus-Dosierschema aus Phase-II-Studie übernommen

In der vorangegangenen Phase-II-Studie  erzielten mehr Patienten eingutes funktionelles Ergebnis bei einer Dosierung von Reteplase in zwei Boli von je 18-mg imAbstand von 30 Minuten als mit zwei 12-mg-Dosen Reteplase oder mit einer Dosis von 0,9 mg pro Kilogramm Körpergewicht Alteplase.. Die höhere Reteplase-Dosis war dabei nicht mit einem erhöhten Risiko für tödliche Blutungen verbunden.Aufgrund dieser Ergebnisse wurde die Reteplase Doppelbolus-Dosierung  die Phase-III-Studie RAISE übernommen. Alteplase wurde in einer Dosierung von 0,9 mg pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht.

Mehr Patienten mit ausgezeichnetem funktionellem Ergebnis unter Reteplase 

Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war ein ausgezeichnetes funktionelles Ergebnis nach 90 Tagen definiert als ein Wert von 0 oder 1 auf der modifizierten Rankin-Skala, wobei 0 für kein neurologisches Defizit, keine Symptome oder eine vollständige Genesung und 6 für den Tod steht. Der primäre Sicherheitsendpunkt war eine symptomatische, intrakranielle Blutung innerhalb von 36 Stunden nach Auftreten der Symptome.

Insgesamt wurden 707 Patienten mit Reteplase und 705 mit Alteplase therapiert. Die Reteplase-Gruppe erreichte mit knapp 80% häufiger ein ausgezeichnetes funktionelles Ergebnis als die Alteplase-Gruppe. 

Höhere Inzidenz intrakranieller Blutungen trübt gutes Ergebnis

Symptomatische intrakranielle Blutungen innerhalb von 36 Stunden nach Krankheitsbeginn waren zwar in beiden Gruppen selten, traten aber in der Reteplase-Gruppe etwas häufiger auf.

Nach 90 Tagen zeigte die Reteplase-Gruppe außerdem eine höhere Inzidenz intrakranieller Blutungen sowie eine höhere Rate unerwünschter Ereignisse im Vergleich zur Alteplase-Gruppe.

Aufgrund des Open-Label-Designs der Studie , sind Verzerrungen des Ergebnisses jedoch nicht auszuschließen, und somit weitere Studien nötig, um das Studienergebnis zu bestätigen.

Autor:
Stand:
12.08.2024
Quelle:
  1. Li et al. (2024): Safety and efficacy of reteplase versus alteplase for acute ischemic stroke: A phase 2 randomized controlled trial. Stroke 55: 366-75 DOI: 10.1161/STROKEAHA.123.045193
  2. Li et al. (2024): Reteplase versus Alteplase for Acute Ischemic Stroke. New England Journal of Medicine 390:2264-2273. DOI: 10.1056/NEJMoa2400314
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