Warum guter Schlaf wichtig ist
Die Auswirkungen von Schlafstörungen, insbesondere von Schlaflosigkeit, auf das Immunsystem wurden bereits in zahlreichen Studien dokumentiert. Schlaflosigkeit führt zu einer Dysregulation des Immunsystems. Wenn das Abwehrsystem des Körpers so geschwächt wird, dass eine Infektion auftritt, kann dies schwerwiegende systemische Folgen haben und im schlimmsten Fall zu einer Sepsis führen. Eine Sepsis ist eine systemische Infektion, bei der die Immunreaktion des Körpers überschießend ist und das eigene Gewebe sowie die Organe schädigt. Sie stellt eine lebensbedrohliche Komplikation dar, die die Morbidität und Mortalität erhöht. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und auch entsprechend behandelt, kann es zu einem Multiorganversagen und letztlich zum Tod des Patienten kommen.
Zusammenhang zwischen Insomnie und Sepsis
In einer kürzlich durchgeführten Beobachtungsstudie wurde ein Zusammenhang zwischen Schlaflosigkeit und systemischen Infektionen festgestellt. Es bleibt jedoch schwierig, einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Schlaflosigkeit und einem erhöhten Sepsisrisiko nachzuweisen. Gründe dafür sind verbleibende Störfaktoren, wie in etwa gemeinsame Ursachen von Sepsis und Insomnie, und eine mögliche umgekehrte Kausalität.
Forscher aus dem Gemini Center for Sepsis Research and Institute of Circulation and Medical Imaging in Trondheim (Norwegen) führten daher eine Mendelsche Randomisierungsstudie durch [1]. Die Mendelsche Randomisierung ermöglicht es, in gewissem Maße eine randomisierte kontrollierte Studie zu simulieren und somit einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Exposition (hier Insomnie) und einem Outcome (hier Sepsis) herzustellen.
Diese Analysemethode basiert auf den Prinzipien der Mendelschen Vererbungsregeln und nutzt die zufällige Verteilung genetischer Varianten. Durch sie ist es möglich, Störfaktoren so gut wie möglich zu reduzieren und eine umgekehrte Kausalität zu vermeiden.
Eine Mendelsche Randomisierungsstudie: Die Methodik
Im ersten Schritt wurde mithilfe einer genomweiten Assoziationsstudie (GWA) ein genetischer Marker identifiziert, der signifikant mit Insomnie assoziiert war. Dieser Marker beeinflusste ausschließlich die Exposition. So wurden insgesamt 593.724 Teilnehmer mit einer Insomnie gefunden.
Weitere Risikofaktoren für Sepsis berücksichtigt
Im nächsten Schritt wurde die Assoziation dieses genetischen Markers mit dem Outcome (Sepsis) in einer von der Exposition (Insomnie) unabhängigen anderen Kohorte untersucht. Die Kohorte stammte aus der UK-Biobank und umfasste 10.154 Sepsisfälle und 452.764 Kontrollen. Darüber hinaus wurden auch genetische Varianten von weiteren Risikofaktoren für eine Sepsis, wie Body-Mass-Index (BMI), Diabetes mellitus Typ II, Nikotinkonsum und kardiovaskulären Erkrankungen aus den relevanten GWA-Daten herausgefiltert. Dies ermöglichte es den Forschern zu untersuchen, wie stark der Einfluss dieser Risikofaktoren auf den Zusammenhang zwischen Schlaflosigkeit und Sepsis ist.
Um eine direkte Kausalität zwischen der Exposition (Insomnie) und dem Outcome (Sepsis) zu belegen, muss eine Assoziation zwischen dem genetischen Merkmal und sowohl der Exposition als auch dem Outcome unabhängig voneinander nachgewiesen werden.
Eine Mendelsche Randomisierungsstudie: Die Ergebnisse
Diese Mendelsche Randomisierungsstudie zeigte, dass bei einer genetisch vorhergesagten verdoppelten Prävalenz von Insomnie ein um 37% erhöhtes Risiko für Sepsis besteht. Ein Drittel dieses bedeutsamen Zusammenhangs wurde zwar durch die oben erwähnten weiteren Risikofaktoren für Sepsis vermittelt. Allein der BMI zeigte dabei jedoch signifikante Werte. Dies lässt die Forscher daher stark vermuten, dass ein potenzieller kausaler Zusammenhang zwischen Insomnie und Sepsis besteht. Interessanterweise wiesen die Daten auch darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Insomnie und Risiko einer Sepsis stärker bei Frauen ausgeprägt war als bei Männern.
Angesichts der Erkenntnisse dieser Studie stellt sich letztlich die Frage, ob Insomnie möglicherweise einen vermeidbaren Risikofaktor für die Entstehung von Sepsis darstellen könnte.





