Diffuse Mittelliniengliome (DMG), insbesondere das diffuse intrinsische Ponsgliom (DIPG), zählen zu den aggressivsten pädiatrischen Hirntumoren. Die Inzidenz beträgt weltweit wenige Hundert Fälle pro Jahr, doch die Prognose ist verheerend: Die mediane Überlebenszeit liegt bei etwa zwölf Monaten, die Fünfjahresüberlebensrate bei unter 1 %. Chirurgische Entfernung ist nicht möglich, Chemotherapien zeigen keine Wirkung, und die palliative Bestrahlung bringt nur vorübergehende Linderung.
Im Kontext dieser therapeutischen Sackgasse gewinnen immunonkologische Ansätze an Bedeutung. Eine Besonderheit von H3K27M-mutierten DMGs ist die homogene Überexpression des Gangliosids GD2 – ein potenzielles Ziel für chimeric antigen receptor (CAR)-modifizierte T-Zellen.
Erste klinische Studie zu GD2-spezifischen CAR-T-Zellen bei DIPG und sDMG
In einer Phase-I-Studie an der Stanford University wurden elf Kinder und junge Erwachsene mit DIPG oder spinalem DMG (sDMG) mit autologen GD2-CAR-T-Zellen behandelt. Nach einer vorangegangenen Chemotherapie erhielten alle Patienten zunächst eine intravenöse Infusion, neun davon im Anschluss multiple intrazerebroventrikuläre (ICV) Gaben.
Klinische Verbesserungen und Tumorrückgang bei Mehrheit der Patienten
Insgesamt zeigten neun von elf Patienten klinischen oder radiologischen Nutzen. In vier Fällen reduzierte sich das Tumorvolumen um mehr als 50 %, bei einem Patienten kam es zu einer vollständigen Remission, die bei Studienende seit über 30 Monaten anhielt. Auch schwerwiegende neurologische Symptome wie Gangstörungen, Inkontinenz oder Lähmungen besserten sich bei mehreren Teilnehmenden.
Die mediane Überlebenszeit lag bei 20,6 Monaten – deutlich über der üblichen Überlebenszeit. Zwei Patienten lebten zum Zeitpunkt des Daten-Cut-offs (Dezember 2023) bereits über 30 Monate nach Diagnosestellung.
Gute Verträglichkeit intrazerebraler Infusionen
Während die intravenöse Applikation bei höherer Dosierung teils schwere Zytokinfreisetzungssyndrome (CRS) auslöste, erwies sich die intrazerebrale Gabe als deutlich besser verträglich. Immunologisch bedingte neurotoxische Effekte traten in fast allen Fällen auf, waren jedoch reversibel und kontrollierbar.
Aufgrund der besseren Verträglichkeit und Wirksamkeit werden in Folgestudien nun ICV-Infusionen von Beginn an eingesetzt.
Perspektiven der CAR-T-Zell-Therapie bei Hirntumoren
Die Ergebnisse markieren einen Paradigmenwechsel in der Behandlung hochmaligner pädiatrischer Hirntumoren. Dennoch bleibt die Therapieentwicklung herausfordernd: Die individuelle Variabilität der Immunantwort, die suppressive Tumorumgebung und die Frage nach der Dauerhaftigkeit des Ansprechens bedürfen weiterer Forschung.
Zukünftige Studien sollen klären, wie sich die Funktion von CAR-T-Zellen optimieren lässt – etwa durch Kombination mit wachstumshemmenden Substanzen oder gezielter Immunsuppression im Tumormilieu.








