Chimäre Antigenrezeptor-T (CAR-T)-Zell-Therapien haben die Behandlung refraktärer hämatologischer Malignome revolutioniert und bieten Patienten mit ungünstiger Prognose neue Überlebenschancen. Gleichzeitig sind sie mit einem erheblichen Nebenwirkungsprofil assoziiert, welches die Lebensqualität in allen Krankheitsphasen beeinträchtigen kann. Typische Toxizitäten umfassen das Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS), das Immuneffektorzell-assoziierte Neurotoxizitätssyndrom (ICANS), Zytopenien sowie neurologische und psychische Störungen. Während klinische Studien diese Nebenwirkungen umfassend dokumentieren, ist die Perspektive von Betroffenen und ihren Angehörigen bislang wenig erforscht.
Zielsetzung und Studiendesign
Die aktuelle qualitative Untersuchung von Barata et al. (2025) verfolgte das Ziel, Erfahrungen von Patienten und deren Angehörigen im ersten Jahr nach CAR-T-Infusion zu erfassen. Im Fokus standen wahrgenommene Nebenwirkungen, deren Belastungsgrad sowie die Qualität der vorab erhaltenen Aufklärung. Dazu wurden zwischen November 2021 und März 2022 insgesamt 19 Patienten (medianes Alter: 68 Jahre) sowie 12 Angehörige befragt.
Emotionale Ambivalenz vor Beginn der Therapie
Die Aussicht auf CAR-T-Zell-Therapie löste bei Betroffenen sowohl Hoffnung als auch erhebliche Ängste aus. Viele betrachteten die Behandlung als letzte Option zur Lebensverlängerung. Angehörige berichteten zusätzlich von Sorgen hinsichtlich eigener Aufgaben in der häuslichen Versorgung. Der Informationsbedarf variierte stark: Während einige Probanden aktiv nach weiteren Quellen suchten, vertrauten andere ausschließlich auf die ärztliche Aufklärung.
Akute Nebenwirkungen nach Infusion
Nach der Zellinfusion traten überwiegend Fatigue, Schwäche, Fieber, Blutdruckschwankungen und kognitive Beeinträchtigungen auf. Ein Teil der Patienten entwickelte neurologische Symptome wie Aphasie, Halluzinationen oder Desorientierung, die von Angehörigen oft als besonders belastend wahrgenommen wurden. Einige Betroffene äußerten Verunsicherung, wenn sie keine Symptome verspürten, da dies von ihnen als mögliches Therapieversagen gedeutet wurde.
Persistierende Symptome in der Erholungsphase
Auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus hielten bei vielen Patienten Beschwerden wie Fatigue, gastrointestinale Symptome und kognitive Einschränkungen an. Angehörige beobachteten zudem Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen und Apathie. Diese Symptome beeinträchtigten die funktionelle Erholung erheblich und führten zu einem hohen Unterstützungsbedarf im Alltag.
Langzeitfolgen und Akzeptanz
Langzeitüberlebende berichteten häufig von persistierender Fatigue, Schmerzen, Konzentrationsstörungen und psychosozialem Stress. Trotz erheblicher Einschränkungen akzeptierten viele diese Nebenwirkungen als unvermeidlichen Preis für das Überleben. Dennoch waren einige überrascht von der Dauerhaftigkeit und Schwere der Symptome, was auf Lücken in der therapeutischen Vorbereitung hinweist.
Bewertung der Aufklärung
Die Mehrheit der Befragten fühlte sich grundsätzlich gut informiert. Defizite bestanden jedoch bei Informationen zu Langzeitfolgen, insbesondere zu Neurotoxizität, Immunrekonstitution und funktioneller Erholung. Vorgeschlagen wurden digitale Informationsplattformen, Patientenberichte sowie strukturierte Langzeitaufklärung durch das Behandlungsteam.
Empfehlungen und klinische Implikationen
Sowohl Patienten als auch Angehörige würden CAR-T-Zell-Therapien weiterhin empfehlen, wenngleich sie auf die intensive Belastung und den langen Erholungsprozess hinweisen. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Aufklärungs- und Unterstützungsangebote stärker individualisiert und über den gesamten Therapieverlauf hinweg ausgebaut werden sollten. Zudem ist eine engere Einbindung von Psychoonkologie, Rehabilitation und Palliativversorgung sinnvoll, um die Lebensqualität zu verbessern und finanzielle sowie psychosoziale Belastungen abzumildern.
Schlussfolgerung
Die Studie verdeutlicht, dass CAR-T-Zell-Therapien zwar neue Perspektiven für Patienten mit refraktären hämatologischen Malignomen eröffnen, jedoch erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Eine umfassendere und kontinuierliche Aufklärung, die auch Langzeitfolgen berücksichtigt, sowie eine verbesserte supportive Versorgung sind entscheidend, um Betroffene und Angehörige bestmöglich auf diese Therapie vorzubereiten.








