Es gibt verschiedene Ursachen, die eine Assoziation von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und kolorektalen Karzinomen (engl. colorectal cancer, CRC) erklären können, erläuterte Dr. Josefine Scharday von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität in München anlässlich des Deutschen Koloproktologen-Kongresses 2022 [1]:
- die Entzündungsaktivität der CED
- die Dauer der CED
- eine Assoziation mit familiären CRC
- eine öfter koexistente primär sklerosierende Cholangitis.
Studien zur Prognose von Patienten mit CED und CRC im Vergleich zu der von Menschen mit CRC ohne CED lieferten bislang widersprüchliche Ergebnisse. Daher führte Schardey zusammen mit Münchener Kollegen eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse durch [2]. Identifiziert werden konnten 25 Studien, die zwischen 1998 und 2020 Überlebensdaten von 8.034 Patienten mit CED und CRC sowie von 810.525 CRC-Patienten ohne CED untersucht hatten.
Höheres Sterberisiko bei CED-CRC
Im Radom-Effects-Modell zeigte sich laut Schardey für Patienten mit CED-CRC ein signifikant verkürztes Gesamtüberleben (engl. Overall Survival, OS) gegenüber Patienten mit CRC ohne CED (Hazard Ratio [HR] 1,33; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,20–1,47). Noch deutlich war die schlechtere Prognose der von CED-CRC Betroffenen bei Auswertung des krankheitsspezifischen Überlebens (HR 2,17; 95% KI 1,68–2,78; p<0,0001). Kein signifikanter Unterschied ergab sich hinsichtlich des krankheitsfreien Überlebens bei CRC mit und ohne CED (HR 1,23; 95% KI 0,74–2,04).
CRC-Prognose besonders schlecht bei Morbus Crohn
In einer Subgruppenanalyse ergab sich sowohl für Patienten mit Colitis ulcerosa als auch für Betroffene mit Morbus Crohn ein schlechteres OS, wenn sie an einem CRC erkrankten, als für Patienten mit CRC ohne CED (HR 1,35 bzw. 1,32). Der Vergleich der Prognose von Patienten mit Colitis ulcerosa und mit Morbus Crohn zeigte einen Unterschied: Patienten mit Colitis ulcerosa hatten ein signifikant längeres OS als Patienten mit Morbus Crohn, wenn sie ein CRC entwickelten (HR 0,79; 95% KI 0,72–0,87).
CRC bei CED ist biologisch anders
Die Münchener Arbeitsgruppe hatte in ihrer Metaanalyse auch Tumorcharakteristika von Patienten mit CRC mit und ohne CED analysiert. Verglichen mit CRC von Patienten ohne CED wiesen CRC von Menschen mit CED doppelt so häufig eine geringe Differenzierung auf (Odds Ratio [OR] 2,02; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,57–2,61) und es handelte sich mehr als doppelt so häufig um muzinöse oder Siegelringzellkarzinome (OR 2,43; 95% KI 1,34–4,42). Auch waren synchrone Tumoren (OR 3,18; 95% KI 2,26–4,47) und rechtsseitige CRC (OR 1,62; 95% KI 1,05–2,05) häufiger. Der Anteil von Männern mit CED-CRC war größer als bei Patienten mit CRC ohne CED. Zudem fand sich eine geringere R0-Resektionsrate bei CED-CRC (OR 0,60; 95% KI 0,44–0,82) – möglicherweise weil ein multifokales Auftreten von Tumoren häufiger war und im entzündeten Gewebe die Diskriminierung von Tumor- und nicht entartetem Gewebe schwieriger ist, mutmaßte Schardey.
Die Studie ist im „International prospective register of systematic reviews“ (PROSPERO) unter der Nummer CRD42021261513 registriert.












