Neue prognostische Biomarker für Larynxkarzinom notwendig
Das Larynxkarzinom ist der zweithäufigste Kopf-Hals-Tumor. Die kurativen Therapieansätze umfassen insbesondere die Operation und/oder Radiochemotherapie in Abhängigkeit von der anatomischen Lokalisation und des TNM-Stadiums. Die Prognose der Patienten hat sich in den letzten Dekaden kaum verbessert.
Daher zeigt sich die Notwendigkeit, prognostische Biomarker und neue Therapeutika zu finden. Hierdurch könnten Patienten identifiziert werden, die von einer weniger invasiven Behandlung, die die Larynxfunktion erhält, profitieren könnten. Ebenso könnte auch besser vorhergesagt werden, welche Patienten eine radikalere Therapie erhalten sollten, um ihr Überleben zu verbessern.
Biomarker ALCAM
Ein möglicher Biomarker hierfür wäre das Activated leukocyte cell adhesion molecule (ALCAM). Dies ist ein transmembranöses Glykoprotein, welches in der Zell-Zell-Adhäsion agiert. Unter physiologischen Bedingungen ist es an der Regulation von angiogenetischen Prozessen und der Immunantwort beteiligt.
ALCAM mit schlechterer Prognose assoziiert
Unter neoplastischem Stress wäre es denkbar, dass ALCAM die Tumorzellmigration, Invasion und den Metastasierungsprozess beschleunigen könnte. So zeigte eine Studie mit Xenograft-Tumoren, dass ALCAM-positive Zellen ein schnelleres und aggressiveres Wachstum im Vergleich mit Tumoren mit negativer ALCAM-Expression aufwiesen.
Zudem demonstrierten Studien, dass eine ALCAM-Proteinüberexpression mit einer Lymphknotenmetastasierung bei verschiedenen Tumoren wie beispielsweise dem Melanom, Magenkarzinom und Prostatakarzinom assoziiert war. Weitere Studien wiesen beispielswiese beim Pankreaskarzinom, hepatozellulärem Karzinom oder Glioblastom Assoziationen zwischen einer schlechteren Prognose und einer ALCAM-Überexpression nach.
ALCAM beim Larynxkarzinom
Die Arbeitsgruppe einer aktuellen Studie identifizierte eine Überexpression des ALCAM-Gens und -Proteins als Biomarker für eine schlechte Prognose beim Larynxkarzinom. Die Studie schloss jedoch sowohl supraglottische als auch subglottische und glottische Larynxkarzinome ein. Die Studienautoren entschieden daher, eine neue Studie mit einem homogeneren Patientengut zu starten.
Sie untersuchten daher kürzlich in einer retrospektiven Studie den prognostischen Wert von ALCAM bei 263 Patienten mit einem chirurgisch behandelten glottischen Larynxkarzinom. Die Patienten wurden mit kurativer Intention mit oder ohne adjuvanter Radiatio behandelt.
Patientencharakteristika
91,3% der Patienten waren Männer mit einem medianen Alter von 61 Jahren.
Die Mehrheit von ihnen rauchte (87,5%) und litt an einem Alkoholabusus (72,6%). 77,6% der Patienten befanden sich in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium (cTNM III-IV). Die meisten Patienten wurden chirurgisch mit adjuvanter Radiatio behandelt. Bei 84% waren die Ränder tumorfrei.
ALCAM-Expression unabhängiger prognostischer Faktor fürs Überleben
ALCAM war bei 48,7% der Karzinome exprimiert und bei 36,5% von ihnen überexprimiert. Eine hohe ALCAM-Expression war mit einem schlechteren Gesamtüberleben (p=0,0411) und krankheitsfreien Überleben (p=0,0375) assoziiert.
Dazu passend zeigten multivariate Analysen, dass eine ALCAM-Expression ein unabhängiger prognostischer Faktor für das Gesamtüberleben (p=0,025) und krankheitsfreie Überleben (p=0,018) war.
ALCAM-Überexpression mit Aggressivität beim Larynxkarzinom assoziiert
Durch weitere Analysen zeigten die Studienautoren, dass hohe ALCAM-Level mit Aggressivitätsmarkern beim glottischen Larynxkarzinom assoziiert waren, wie einer lymphovaskulären Beteiligung (p=0,0002), dem Vorliegen von high-grade Tumoren (p=0,025) und dem Auftreten von Tumorrezidiven (p=0,043).
ALCAM-Überexpression mit Lymphknotenmetastasierung assoziiert
Zudem war die ALCAM-Überexpression mit einer Lymphknotenmetastasierung (p=0,030) bei den Larynxkarzinompatienten assoziiert. Vor dem Hintergrund, dass bei 20-30% der Patienten ohne klinische Lymphknotenmetastasen (cN0) dennoch Lymphknotenmetastasen vorhanden sind, könnte eine ALCAM-Expressionsbestimmung auch für die Therapiewahl dieser Patienten hilfreich sein.









