Hintergrund
Das Ziel einer Impfung gegen das humane Papillomavirus (HPV) ist es, Infektionen mit den wichtigsten onkogenen HPV-Typen und in der Folge das Auftreten von invasiven Zervixkarzinomen zu verhindern. In Schweden wurde die HPV-Impfung im Jahr 2006 zugelassen. Seitdem wurde fast ausschließlich der quadrivalente Impfstoff, der die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 abdeckt, verwendet.
Die Wirksamkeit des quadrivalenten Impfstoffs zur Vorbeugung einer HPV- Infektion von Genitalwarzen und hochgradiger zervikaler Läsionen wurde bereits belegt. Allerdings lagen noch keine Analysen des Zusammenhangs zwischen einer Impfung mit dem quadrivalenten HPV-Impfstoff und dem anschließenden Risiko für die Entwicklung eines invasiven Zervixkarzinoms vor.
Zielsetzung
Aufgrund des langen Zeitintervalls zwischen der HPV-Infektion bis zur klinischen Erkennung eines Zervixkarzinoms und aufgrund des geringen Risikos für das Auftreten zervikaler Läsionen nach der Impfung kann die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen die Bildung eines invasiven Zervixkarzinoms nicht mittels randomisierter, kontrollierter Studien ermittelt werden. Daher wählten die Wissenschaftler um Dr. Jiayao Lei vom Department of Medical Epidemiology and Biostatistics am schwedischen Karolinska-Institut eine Registerstudie, um den Zusammenhang zwischen HPV-Impfung und dem Risiko für die Erkrankung an einem invasiven Zervixkarzinom zu untersuchen [1].
Methodik
Die Wissenschaftler werteten landesweite schwedische Demografie- und Gesundheitsregister mit einer Population von 1.672.983 Mädchen und Frauen im Alter von 10 bis 30 Jahren über die Jahre 2006 bis 2017 aus. Die Forscher ermittelten, bei wie vielen Mädchen und Frauen vor ihrem 31. Geburtstag innerhalb des Beobachtungszeitraums ein Zervixkarzinom auftrat.
Sie analysierten den Zusammenhang zwischen HPV-Impfung und dem Risiko für die Erkrankung an einem invasiven Zervixkarzinom unter Berücksichtigung der Parameter Alter bei der Nachuntersuchung, Kalenderjahr, Wohnbezirk und elterliche Merkmale, einschließlich Bildung, Haushaltseinkommen, Geburtsland der Mutter und Krankheitsgeschichte der Mutter.
Ergebnisse
527.871 Mädchen und Frauen erhielten mindestens eine Dosis eines HPV-Impfstoffs. 438.939 (83,2%) Mädchen und Frauen erhielten den Impfstoff im Alter von unter 17 Jahren. Bei 19 Mädchen und Frauen unter 31 Jahren, die den quadrivalenten HPV-Impfstoff erhalten hatten, und bei 538 Frauen, die den Impfstoff nicht erhalten hatten, wurde innerhalb des Beobachtungszeitraums ein Zervixkarzinom diagnostiziert.
Die Forscher ermittelten eine kumulative Inzidenz eines Zervixkarzinoms von 47 Fällen pro 100.000 Personen bei geimpften Frauen und von 94 Fällen pro 100.000 Personen bei nicht geimpften Frauen im Alter bis 30 Jahre. Bei Frauen, die im Alter von 17 bis 30 Jahren mit der Impfung begonnen hatten, betrug die kumulative Inzidenz im Alter von 30 Jahren 54 Fälle pro 100.000 Personen, bei Frauen, die die Impfung vor dem Alter von 17 Jahren begonnen hatten, betrug die kumulative Inzidenz im Alter von 28 Jahren 4 Fälle pro 100.000 Personen.
Nach der Adjustierung für das Alter zum Zeitpunkt der Ereignisbeobachtung lag das Verhältnis der Inzidenzraten der nicht geimpften und der geimpften Population bei 0,51 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,32 bis 0,82). Nach der zusätzlichen Adjustierung für andere Kovariablen betrug das Verhältnis der Inzidenzraten 0,37 (95%-KI 0,21 bis 0,57).
Nach der Adjustierung für alle Kovariablen betrug das Verhältnis der Inzidenzraten 0,12 (95%-KI, 0,00 bis 0,34) für Frauen, die im Alter von unter 17 Jahren geimpft worden waren, und 0,47 (95%-KI, 0,27 bis 0,75) für Frauen, die im Alter von 17 bis 30 Jahren geimpft worden waren.
Fazit
Die Forscher konnten in einer großen landesweiten Studie belegen, dass bei schwedischen Mädchen und Frauen im Alter von 10 bis 30 Jahren die Impfung mit einem quadrivalenten HPV-Impfstoff mit einem wesentlich reduzierten Risiko für die Erkrankung an einem invasiven Zervixkarzinom assoziiert war. Bei Mädchen, die vor dem Alter von 17 Jahren mit der Impfung begonnen hatten, war das Risiko für die Erkrankung an einem Zervixkarzinom um 88% niedriger als bei denen, die nicht geimpft worden waren.
Die Autoren schlussfolgern, dass ihre Ergebnisse die Empfehlung stützen, einen quadrivalenten HPV-Impfstoff vor der Exposition gegenüber einer HPV-Infektion zu verabreichen, um einen möglichst großen Nutzen aus der Impfung zu ziehen, denn der Impfstoff besitzt keine therapeutische Wirkung, wenn eine HPV-Infektion bereits stattgefunden hat.
Die Studie wurde unter anderem von der Swedish Foundation for Strategic Research finanziert.











