HPV-bedingte Krebserkrankungen bei Männern – Ein unterschätztes Risiko?

HPV-Infektionen sind nicht nur bei Frauen mit Gebärmutterhalskrebs assoziiert, sondern können bei Männern genauso bösartige Tumoren verursachen. Besonders Oropharynx-, Anus- und Peniskarzinome stehen im Zusammenhang mit Hochrisiko-HPV-Typen.

HPV

Humane Papillomviren (HPV) sind weit verbreitet und können persistierende Infektionen hervorrufen, die zu malignen Entartungen führen. Während der Fokus der HPV-Forschung lange auf dem Gebärmutterhalskrebs lag, zeigen neuere epidemiologische Daten, dass auch Männer häufig betroffen sind. Vor allem Oropharynx-, Anus- und Peniskarzinome weisen eine hohe Assoziation mit Hochrisiko-HPV-Typen auf. 

Eine aktuelle Analyse schätzt, dass in Deutschland jährlich fast 2.900 Männer an HPV-bedingten bösartigen Tumoren erkranken. Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit der HPV-Impfung bleibt die Impfquote bei jungen Männern häufig sehr niedrig, wobei es hier große regionale Unterschiede gibt. 

HPV-assoziierte Tumoren bei Männern nehmen zu

Während die Inzidenz des Zervixkarzinoms durch HPV-Impfprogramme rückläufig ist, steigt die Anzahl HPV-assoziierter Tumoren bei Männern. Aktuelle Studien zeigen, dass in Europa circa 20 % der männlichen Bevölkerung ab 15 Jahre mit einem oder mehr HPV-Hochrisikotypen infiziert sind. 

Aktuelle Erhebungen zeigen auch, dass jährlich rund 1.900 Männer ein HPV-induziertes Oropharynxkarzinom entwickeln. Im Anogenitalbereich sind etwa 1.000 neue Fälle pro Jahr zu verzeichnen. Auffällig ist, dass Plattenepithelkarzinome des Anus mit schätzungsweise 88 % zum größten Teil HPV-induziert sind.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass HPV-bedingte Tumoren nicht länger nur als ein Problem der weiblichen Bevölkerung betrachtet werden sollten.

Prävention durch HPV-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 2018 die HPV-Impfung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Studien belegen eine hohe Effektivität der Impfung in der Prävention von HPV-assoziierten Karzinomen. Dennoch sind die Impfquoten in Deutschland alarmierend niedrig: Lediglich ein Drittel der 15-jährigen Jungen ist vollständig geimpft. Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede, mit Quoten von bis zu 72 % in Sachsen-Anhalt, während in Bayern nur 9 % der Jungen geimpft sind. 

Im internationalen Vergleich sind die Impfquoten für Mädchen und Jungen im Jahr 2023, mit durchschnittlich unter 40 % bei Jungen und unter 60 % bei Mädchen, eher gering. Andere Länder, wie Dänemark und Canada, geben im selben Jahr Impfquoten für Mädchen und Jungen von über 80 % an.

Um solche Quoten zu erreichen ist eine erfolgreiche Impfstrategieerforderlich. Ein Standbein dieser Strategie kann eine aktive Aufklärung durch medizinisches Personal sein. In Deutschland erhalten jedoch weniger als die Hälfte der Eltern eine explizite Impfempfehlung vom Arzt. Eine verstärkte Sensibilisierung und gezielte Maßnahmen könnten die Impfquoten signifikant verbessern und damit langfristig das Risiko für HPV-bedingte Krebserkrankungen bei Männern reduzieren.

Fallbeispiel

Im Kreis Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt zeigt sich ein anderes Bild: Hier sind 81 % der Mädchen und 72 % der Jungen gegen HPV geimpft – ein hoher Wert im innerdeutschen Vergleich. 

Diese Werte nähern sich der, von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Europäischen Kommission, empfohlenen Impfquote von mindestens 90 % bei Mädchen an. Das Beispiel verdeutlicht, wie erfolgreiche Aufklärung und Impfprogramme zu einer hohen Akzeptanz beitragen und die Gesundheit von Männern und Frauen verbessern können.

Autor:
Stand:
10.02.2025
Quelle:

Kraywinkel K, Takla A: Zum Weltkrebstag 2025: HPV-bedingte Krebserkrankungen bei Männern – ein unterschätztes Risiko. Epidemiologisches Bulletin 6/2025, Robert Koch-Institut.

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