Koloskopische Nachsorge bei kolorektalen Adenomen

Koloskopien können die Inzidenz und Mortalität von kolorektalen Tumoren reduzieren. Beim Auffinden von Adenomen werden regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen empfohlen. Eine Studie hat untersucht, bis zu welchem Alter und bei welchen Diagnosen eine koloskopische Nachsorge sinnvoll ist und welche Ergebnisse sie erbringt.

Koloskopie Darm

Die Koloskopie wird durch die Entfernung von Adenomen mit einer geringeren Inzidenz des kolorektalen Karzinoms (CRC) in Verbindung gebracht. Außerdem führt sie durch die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Krebs auch zu einer geringeren Mortalität. Adenome werden in den USA bei fast 40% der Screening-Koloskopien gefunden. Nach koloskopischer Polypektomie wird in den Leitlinien empfohlen, dass sich die Patienten regelmäßig einer koloskopischen Nachsorge unterziehen.

Wann überwiegen die Risiken dem Nutzen?

Die Leitlinien geben jedoch kaum Hinweise, ab welchem Alter diese Vorsorge wahrscheinlich keinen wesentlichen Nutzen mehr bringt und beendet werden könnte. Die Risiken der Koloskopie nehmen insbesondere bei Personen ab 75 Jahren zu und umfassen z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Perforation. Und auch aufgrund der geringeren Lebenserwartung kann der Nutzen einer Vorsorgeuntersuchung bei älteren Menschen geringer sein. Daher wurde in einer Studie die Effektivität von Koloskopien bei der Entdeckung von CRC und fortgeschrittenen Neoplasien bei Patienten im Alter von 70 bis 85 Jahren untersucht, die bereits früher Adenome aufwiesen [1].

Ausbeute der Koloskopie nicht altersabhängig

Zu den Outcomes zählten CRC und fortgeschrittene Adenome bzw. Neoplasien. Von 2017 bis 2019 wurden bei den 9.601 Teilnehmern insgesamt 9.740 Koloskopien durchgeführt. Dabei gab es folgende Altersaufteilung:

  • 5.738 Koloskopien (58,9%) bei Patienten im Alter von 70 bis 74 Jahren
  • 3.225 Koloskopien (33,1%) bei Patienten im Alter von 75 bis 79 Jahren
  • 777 Koloskopien (8.0%) bei Patienten im Alter von 80 bis 85 Jahren

Bei insgesamt 28 Patienten (0,3%) war ein kolorektales Karzinom (CRC) der am weitesten fortgeschrittene Befund. Ein fortgeschrittenes Adenom fand sich bei 1.141 Patienten (11,7%) und eine fortgeschrittene Neoplasie bei 1.169 Patienten (12,0%). Die Anzahl positiver Befunde bei koloskopischer Nachsorge erhöhte sich mit dem Alter nicht signifikant:

  • 70- bis 74-Jährige: CRC: 0,2%, fortgeschrittenes Adenom: 11,8%, fortgeschrittene Neoplasie: 12,0%
  • 75- bis 79-Jährige: CRC: 0,4%, fortgeschrittenes Adenom: 11,3%, fortgeschrittene Neoplasie: 11,7%
  • 80- bis 85-Jährige: CRC: 0,4%, fortgeschrittenes Adenom: 12,6%, fortgeschrittene Neoplasie: 13,0%

Faktoren im Zusammenhang mit dem Nachweis fortgeschrittener Neoplasien

In einer multivariablen Analyse waren folgende Faktoren mit der Entdeckung einer fortgeschrittenen Neoplasie bei der koloskopischen Nachsorge verbunden: das Vorliegen eines früheren fortgeschrittenen Adenoms, ein Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder höher im Vergleich zu einem BMI unter 25, sowie Rauchen. Patienten aus Asien oder dem pazifischen Raum wiesen im Vergleich zu weißen Patienten seltener fortgeschrittene Neoplasien auf. Das Zeitintervall zwischen den Koloskopien zeigte keine signifikante Korrelation mit der Entdeckung fortgeschrittener Neoplasien und hatte keinen Einfluss auf die Risikoschätzungen für andere Faktoren.

Fazit

In dieser Studie wurde ein CRC insgesamt selten diagnostiziert, während die Entdeckungsrate für fortgeschrittene Neoplasien bei 12,0% lag. Die Entdeckungsrate war bei Personen mit einem früheren fortgeschrittenen Adenom höher als bei denen mit nicht fortgeschrittenen Adenomen, jedoch stieg diese mit dem Alter nicht signifikant an. Diese Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, unter welchen Umständen eine koloskopische Nachsorge bei älteren Patienten fortgesetzt werden sollte.

Autor:
Stand:
05.06.2024
Quelle:

Lee et al. (2024): Surveillance Colonoscopy Findings in Older Adults With a History of Colorectal Adenomas. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.4611.

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