Die Behandlung von Krebs hat in den letzten Jahren dank neuer Ansätze wie der CAR-T-Zelltherapie bedeutende Fortschritte gemacht. Auf dem ESMO-Kongress 2023 in Madrid präsentierte BioNTech aktuelle Daten aus einer laufenden klinischen Phase-I/II-Studie zu ihrem CAR-T-Zelltherapiekandidaten BNT211 bei soliden Tumoren.
Die Studie dient der Prüfung der Sicherheit und Wirksamkeit des innovativen Therapieansatzes, der eine autologe CAR-T-Zelltherapie mit einem onkofetalen Antigen Claudin-6 (CLDN6) als Zielstruktur und dem CAR-T-Zellen-verstärkenden RNA-Impfstoff CARVac kombiniert.
Herausforderungen bei der CAR-T-Therapie für solide Tumoren
Während CAR-T-Zelltherapien bereits bei hämatologischen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden, gestaltet sich ihr Einsatz bei soliden Tumoren schwieriger. Geeignete Zielstrukturen auf der Oberfläche von Krebszellen fehlen oft und die Beständigkeit der CAR-T-Zellen ist begrenzt. Diese Herausforderungen will BioNTech mit dem neuen Therapieansatz überwinden.
„Unser Ziel ist es, das Potenzial von CAR-T-Therapien für solide Tumore zu erschließen und dazu beizutragen, das Behandlungsergebnis für eine Reihe von Tumoren zu verbessern, für die die Möglichkeiten gegenwertig noch sehr begrenzt sind“, erklärte Prof. Dr. Özlem Türeci, Mitbegründerin und Chief Medical Officer bei BioNTech. Dazu hat das Unternehmen eine CLDN6-spezifische autologe CAR-T-Zelltherapie entwickelt, die mit dem mRNA-basierten Impfstoff CARVac kombiniert wird.
BNT211 als vielversprechender Ansatz
BNT211 ist eine CAR-T-Zelltherapie, die spezifisch auf das onkofetale Antigen CLDN6 abzielt. CLDN6 wird auf verschiedenen soliden Tumorarten exprimiert, darunter Eierstockkrebs, Sarkome, Hodenkrebs, Gebärmutterkrebs und Magenkrebs, und spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Tight Junction-Zellverbindungen. Durch die Kombination von BNT211 mit CARVac soll die Aktivität der verabreichten CAR-T-Zellen weiter gesteigert werden.
Auf dem ESMO-Kongress wurden die Daten von 44 Patienten mit CLDN6-positiven rezidivierten oder refraktären fortgeschrittenen soliden Tumoren vorgestellt. Diese umfassten 16 Patienten mit Keimzelltumoren, 17 mit Eierstockkrebs und 11 mit anderen soliden Tumorindikationen. Die Studienteilnehmer erhielten CLDN6-gerichtete CAR-T-Zellen in vier Dosisstufen entweder als Monotherapie oder in Kombination mit CARVac.
Positive Ergebnisse in Bezug auf Wirksamkeit
Die Auswertung der Wirksamkeitsdaten von insgesamt 38 Patienten zeigte eine Gesamtansprechrate von 45% und eine Rate der Krankheitskontrolle (Disease Control Rate [DCR]) von 74%. 27 Patienten wurden in der Dosisstufe 2 mit einer Dosis von 1x10^8 CAR-T-Zellen mit oder ohne CARVac behandelt. Diese Gruppe wies eine Gesamtansprechrate von 59% und eine DCR von 95% auf. Die Patienten in dieser Gruppe, die CARVac erhielten, zeigten zudem eine längere Beständigkeit der CAR-T-Zellen.
In Bezug auf die Sicherheit der Therapie wurden dosisabhängige unerwünschte Ereignisse beobachtet, darunter das Zytokinfreisetzungssyndrom bei 23 der 44 Patienten. Die meisten dieser Ereignisse waren jedoch mild bis mäßig ausgeprägt, und schwerwiegende Nebenwirkungen traten selten auf.
BioNTech plant weitere Phase-II-Studie
BioNTech plant angesichts der vielversprechenden Daten zu BNT211 weitere Untersuchungen in einer Phase-II-Studie. Die aktuell laufende Studie soll auch dazu dienen, die empfohlene Dosis für eine potenziell zulassungsrelevante Phase-II-Studie bei Patienten mit Keimzelltumoren im kommenden Jahr festzulegen.









