Neue Therapieoptionen für seltene molekulare Zielstrukturen
Die Behandlung von Tumoren mit NTRK-Fusionen und ROS1-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) stellt nach wie vor eine therapeutische Herausforderung dar. Während NTRK-Fusionen in verschiedenen soliden Tumoren vorkommen, sind sie insgesamt selten. ROS1-positive Tumoren, die etwa 1–2% der NSCLC-Fälle ausmachen, werden überdurchschnittlich häufig bei jüngeren Patienten ohne oder mit geringer Raucheranamnese diagnostiziert. Beide genetischen Veränderungen spielen eine zentrale Rolle als treibende Faktoren für das Tumorwachstum und gelten daher als vielversprechende Zielstrukturen.
Empfehlung der bedingten Zulassung für Repotrectinib
Am 14. November 2024 hat der CHMP der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine positive Empfehlung für die bedingte Marktzulassung von Repotrectinib ausgesprochen. Repotrectinib, vermarktet unter dem Handelsnamen Augtyro, ist ein Tropomyosin-Rezeptor-Kinase-(TRK)-Inhibitor, der gezielt die durch Genfusionen aktivierten TRK-Proteine sowie den ROS1-Signalweg hemmt.
Die Empfehlung umfasst:
- ROS1-positives fortgeschrittenes NSCLC für Erwachsene
- NTRK-Fusionstumoren: Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren, die entweder bereits mit einem NTRK-Inhibitor behandelt wurden, oder keine anderen Behandlungsoptionen mit klinischem Nutzen haben.
Die bedingte Zulassung bedeutet, dass Repotrectinib frühzeitig verfügbar gemacht werden kann, obwohl ergänzende Daten zur langfristigen Wirksamkeit und Sicherheit noch ausstehen.
Klinische Ergebnisse und Wirksamkeit
Die Empfehlung der EMA basiert auf den Ergebnissen einer klinischen Studie, die das Medikament bei NTRK-Fusionstumoren und ROS1-positivem NSCLC untersuchte. Bei Tumoren mit NTRK-Fusionen zeigte Repotrectinib eine hohe Ansprechrate, unabhängig davon, ob die Betroffenen zuvor bereits mit einem NTRK-Inhibitor behandelt wurden. Im Fall von ROS1-positivem NSCLC wurden klinisch bedeutsame Tumorregressionen und eine verlängerte Ansprechdauer beobachtet.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Schwindel, Geschmacksveränderungen, Verstopfung, Parästhesien, Anämie und Atemnot. Diese Nebenwirkungen sind typisch für TRK-Inhibitoren und wurden überwiegend als handhabbar eingestuft.
Nächste Schritte
Der nächste Schritt besteht nun in der finalen Entscheidung der Europäischen Kommission über die Zulassung, die in der Regel innerhalb von drei Monaten nach der Empfehlung des CHMP erfolgt. Parallel dazu wird der Hersteller weitere klinische Daten zur Langzeitsicherheit und Wirksamkeit vorlegen müssen, um die bedingte Zulassung zu bestätigen und eine mögliche vollständige Zulassung zu erreichen.








