Kinderarzneimittel-Mangel hält an

Eine Umfrage unter den Mitgliedern des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) zeigt, dass weiterhin Arzneimittelengpässe bei Kinderarzneimitteln bestehen. Die Pädiater berichteten von negativen Auswirkungen auf die Versorgung ihrer Patienten.

Arzt empoert

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) befragte seine Mitglieder zu Lieferengpässen. Das Ergebnis zeigt, dass Kinderarzneimittel weiterhin knapp sind. Die Pädiater sahen zum Zeitpunkt der Umfrage die Qualität der Versorgung gefährdet und beklagten den zeitlichen Mehraufwand.

Dem entgegensteht eine Mitteilung der Expertenkommission des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). Diese hatte Ende Februar erklärt, dass sich die Versorgungslage bei Kinderarzneimitteln verbessert habe.

Keine Entspannung

Dr. Michael Hubmann, Präsident des BVKJ erklärte in einer Stellungnahme, dass die Ärzte keine Entwarnung bezüglich des Mangels bei Kinderarzneimitteln geben könnten. Die Entscheidungsträger in der Gesundheitspolitik hätten zwar beteuert, dass sie alles in ihrer Macht Stehende getan hätten, um den Engpass zu beseitigen. Und auch die Kassen versicherten, dass sich die Lage entspannt habe und weitere politische, kostenverursachende Maßnahmen nicht notwendig seien. „Die Realität in unseren Praxen sieht leider anders aus, wie unsere Umfrage zeigt“, sagte Hubmann.

Eine leitliniengerechte Behandlung sei unter diesen Bedingungen nicht möglich. „Die im ALBVVG [Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz] ergriffenen Maßnahmen können nur erste Schritte gewesen sein. Ausgehend von den sehr niedrigen Festbeträgen waren die angesetzten Steigerungen noch nicht ausreichend. Wir brauchen Strukturveränderungen, sodass es sich für Unternehmen wieder lohnt, in Europa zu produzieren“, sagte der Präsident des BVKJ. Weiterhin sei es dringend erforderlich, dass Prüfverfahren beim Einsatz von Off-Label-Medikamenten entfielen, um Kinder und Jugendliche versorgen zu können.

Antibiotika fehlen am häufigsten

Gemäß der Umfrage mit über 1.300 teilnehmenden Mitgliedern bestehen bei mehreren Medikamenten deutschlandweit große Lieferprobleme. Am meisten betroffen sind weiterhin Antibiotika. Von den Umfrageteilnehmern berichteten 99% von einem diesbezüglichen Mangel. Am häufigsten fehlen demnach Penicillin V (79,7%) und Amoxicillin (51,3%).

Der Mangel ist weder auf Antibiotika noch lokal begrenzt. So beschrieben deutschlandweit 67,8% der Befragten auch Lieferprobleme bei Salbutamol, 58,2% bei inhalativen Steroiden und 25,0% bei ADHS-Medikamenten.

Beeinträchtigte Versorgung

Wegen den fehlenden Medikamenten sahen 35,0% der Umfrageteilnehmer die Behandlungsqualität gefährdet. Schwerwiegende Risiken für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stellten 5% fest. An keinen oder einen nur geringen Einfluss auf die Behandlungsqualität glaubten nur 8,2%.

Der Arzneimittelmangel wirkt sich laut den befragten Ärzten noch in weiterer Hinsicht negativ auf die Versorgung aus. So erklärte ein großer Teil (42,5%), dass monatlich ein Zeitaufwand von zwei bis fünf Stunden für die Neuausstellung von Ersatzverordnungen anfalle. Fast einer von fünf der Umfrageteilnehmer (18,7%) berichtete von einem Mehraufwand von sogar mehr als fünf Stunden pro Monat. Die Zeit fehlt den Pädiatern für die Versorgung ihrer Patienten.

Autor:
Stand:
27.03.2024
Quelle:
  1. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ), Pressemitteilung: Engpässe bei Kinderarzneimitteln bestehen weiter: BVKJ-Umfrage zeigt anhaltenden Mangel und bedrohte Versorgungsqualität, 19.03.2024
  2. Redaktionsnetzwerk Deutschland GmbH (RND), Bericht von Expertenkommission. Versorgungslage bei Kinderarzneimitteln entspannt sich – aber weiter einzelne Lieferengpässe, 26.02.2024
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