Streptokokken-Meningitis im Säuglingsalter erhöht Epilepsie-Risiko

Eine kürzlich im JAMA Network Open veröffentlichte dänische Studie, hat Daten von Kindern, die von 1997 bis 2017 in Dänemark geboren wurden, ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Säuglinge, die während der ersten drei Lebensmonate an invasiver Gruppe-B-Streptokokken-Meningitis (iGBS) erkranken, im späteren Kindesalter ein erhöhtes Epilepsierisiko aufweisen.

Neugeborenes Untersuchung

Die invasive Streptokokken-Erkrankung der Gruppe B (iGBS) ist nach wie vor weltweit eine der Hauptursachen für die Sterblichkeit von Neugeborenen und Kleinkindern. Schätzungen zufolge hatten im Jahr 2020 etwa 20 Millionen schwangere Frauen eine rektovaginale Besiedelung mit Streptokokken der Gruppe B (GBS). Die iGBS-Erkrankungen sind mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden, darunter mütterlicher Tod, Totgeburten und Todesfälle bei Neugeborenen. Darüber hinaus sind neurologische Entwicklungsstörungen, Schlaganfälle bei Neugeborenen, Enzephalopathie, Zerebralparese oder intellektuelle und/oder motorische Beeinträchtigungen sowie Seh- oder Hörstörungen möglich.

Bisherige Erkenntnisse

Studien zu diesen neurologischen Folgen konzentrierten sich bisher hauptsächlich auf Meningitis und waren oftmals klein angelegt. Aus diesem Grund machte es sich ein dänisches Forscherteam zur Aufgabe das Epilepsierisiko bei Säuglingen zu untersuchen, die eine iGBS-Sepsis oder Meningitis, während der ersten 3 Lebensmonate erlitten. Datüber hinaus analysierten sie, ob das Geschlecht des Kindes, Frühgeburtlichkeit und die sozioökonomische Position (SEP) der Mutter Einfluss auf das Epilepsierisiko nach einer iGBS-Erkrankung hatten.

Kumulative Risiken und Risikofaktoren

Die Forscher prüften hierzu Fälle von im Krankenhaus diagnostizierter iGBS-Infektion bei 1432 Kindern mit iGBS-Erkrankung (1264 mit Sepsis und 168 mit Meningitis) innerhalb der ersten 89 Tage nach der Geburt und verglichen diese mit einer Kontrollgruppe von 14.211 Kindern ohne iGBS-Erkrankung.

Das kumulative Risiko (CR) für die Entwicklung einer Epilepsie im späteren Kindesalter betrug hierbei insgesamt 3,6% bei Kindern mit einer iGBS-Erkrankung, während es in der Kontrollgruppe bei 2,3% lag. Bei Säuglingen mit iGBS-Meningitis stieg das CR sogar auf 15,1%, bei iGBS-Sepsis lag es hingegen bei 2,2%. Als Risikofaktoren wurden das männliche Geschlecht, Frühgeburten und eine niedrige SEP der Mutter identifiziert.

Bedeutung der Ergebnisse

Die Kohortenstudie ergab, dass die iGBS-Erkrankung, insbesondere verbunden mit einer Meningitis, zu einem erhöhten Epilepsierisiko in der späteren Kindheit führte. Frühgeburten, Geschlecht und eine geringe sozioökonomische Position der Mutter beeinflussten diese Risikofaktoren zusätzlich.

Die Autoren schlussfolgern, dass die Ergebnisse wichtig für die Einschätzung der weltweiten Auswirkungen von iGBS sind und bei der Beurteilung der Kosteneffizienz von Maßnahmen wie Antibiotikaprophylaxe während der Geburt und Impfungen für werdende Mütter berücksichtigt werden sollten. Darüber hinaus unterstreichen die Daten die Bedeutung einer verbesserten langfristigen Betreuung und Nachsorge von iGBS-Betroffenen.

Quelle:

Lykke MR, Sørensen HT, Lawn JE, Horváth-Puhó E. Long-term Risk of Epilepsy Following Invasive Group B Streptococcus Disease in Neonates in Denmark. JAMA Netw Open. 2023;6(4):e239507. doi:10.1001/jamanetworkopen.2023.9507

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