Das Rome-Proposal empfiehlt, Atemnot, Atemfrequenz, Herzrate, Sauerstoffsättigung und C-reaktives Protein (CRP) sowie bei schwer Erkrankten auch die Blutgase zu messen und die Schwere einer Exazerbation nicht nur auf Basis der patientenberichteten Symptome einzuschätzen, erläuterte Professor Dr. Claus F. Vogelmeier, Direktor der Universitätsklinik für Pneumologie in Marburg. Die resultierende Einteilung in drei Risikoklassen war allerdings bislang nicht evidenzbasiert, sagte er anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Mannheim. Jetzt wurde das Rome Proposal in einer Kohorte in Korea prospektiv evaluiert.
Prognostische Relevanz des Rome Proposals
Untersucht wurden 740 Patienten mit COPD, die wegen einer akuten Exazerbation eine Notaufnahme aufsuchten oder stationär behandelt werden mussten. Es wurden unterschiedliche Risikoscores eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit verschiedener klinischer Parameter vorherzusagen. Mit dem Rome Proposal konnte mit hoher Genauigkeit die Wahrscheinlichkeit einer intensivmedizinischen Behandlung und die Notwendigkeit einer nichtinvasiven oder mechanischen Beatmung vorhergesagt werden. Auch die Krankenhausmortalität wurde mit einer akzeptablen Zuverlässigkeit vorhergesagt. „Das Rome Proposal ist sehr effektiv“, betonte Vogelmeier.
Therapie der schweren COPD-Exazerbation
Die gängige Praxis, die Patienten bei einer akuten Exazerbation einer COPD mit Steroiden zu versorgen, führt dazu, dass sie bei Entlassung aus dem Krankenhaus oft schlechter dran sind als bei Aufnahme, sagte Vogelmeier. Die Nichtunterlegenheitsstudie STARR2 aus Großbritannien prüfte einen Steroideinsatz nur bei einem Anteil von Bluteosinophilen ≥2%. Es zeigte sich die Nichtunterlegenheit dieses Vorgehens und ein zumindest numerischer Vorteil. Allerdings hatte die Studie viele Schwächen. So bekamen beispielsweise alle Patienten Antibiotika, ein Vorgehen, dass weder die britischen noch die deutschen Leitlinien empfehlen und für das es keine Daten gibt, erläuterte Vogelmeier.
Extrakorporale CO2-Entfernung hilft nicht
Nicht immer genügt eine nichtinvasive Beatmung bei Patienten mit schwerer COPD-Exazerbation und bei einigen, die mechanisch beatmet werden, gelingt das Weaning nicht. Eine einfache Form der extrakorporalen CO2-Entfernung (veno-venöse ECCO2R) erreichte in der VENT-AVOID-Studie bei dieser Patientengruppe aber keine Verbesserung der ventilationsfreien Tage. Schlimmer noch, bei den Patienten mit ungenügendem Erfolg der nicht-invasiven Beatmung war die 60-Tage-Mortalität bei Einsatz der extrakorporalen Beatmung erhöht.
Besser präventiv impfen
Die Impfung gegen Atemwegsinfektionen kann Exazerbationen einer COPD verhindern und wird Patienten daher als Präventionsmaßnahme empfohlen. Aktuell wurden zwei Impfstoffe gegen Infektionen mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) zugelassen. Für den Impfstoff RSVPreF3 OA gibt es auch Ergebnisse aus einer randomisiert-kontrollierten Studie zu Patienten in höherem Alter (≥60 Jahre) mit und ohne kardiorespiratorische oder endokrine/metabolische Erkrankungen. Nach 6,7 Monaten medianer Beobachtungszeit waren in der Gruppe der geimpften Patienten mit kardiorespiratorischen Erkrankungen deutlich weniger schwere RSV-Infektionen aufgetreten als im Placeboarm der Studie, die Effektivität lag bei 92,1%. „Das funktioniert bei unseren Patienten!“ betonte Vogelmeier.
Kardiale Gefahr nach der Exazerbation
Großer Handlungsbedarf besteht für die Zeit nach einer akuten Exazerbation einer COPD. In der SUMMIT-Studie hatte sich ein hohes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse in den ersten Wochen nach einer akuten COPD-Exazerbation gezeigt, das bei einer Exazerbation, die stationär behandelt wurde, bis zu zehnfach erhöht war. Ein ähnliche deutliche Risikoerhöhung für kardiovaskläre Ereignisse nach akuten Exazerbationen eine COPD fand Vogelmeier mit der Exacos-Cv-Studiengruppe anhand von Registerdaten. „Wir müssen uns da etwas einfallen lassen“, sagte er. „Wir können die Patienten nach stationärer Behandlung im Krankenhaus wegen einer akuten Exazerbation der COPD nicht unkontrolliert entlassen.“








