COPD-Exazerbationen: Risiko für die kardiovaskuläre Gesundheit

Häufige Exazerbationen bei COPD-Patienten stehen in direktem Zusammenhang mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko. Aktuelle Studien zeigen die Bedeutung einer intensiven Überwachung und effektiven Krankheitskontrolle, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden.

Herz-Lunge-Zusammenspiel

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (chronic obstructive pulmonary disease [COPD]) wird häufig durch Zigarettenrauchen verursacht. Allerdings erkranken nur 15-20% der Raucher im Laufe ihres Lebens an COPD. Warum manche Raucher an COPD erkranken und andere nicht, ist bislang unklar. In der COPDGene-Studie prüften Forscher, ob bestimmte genetische Faktoren das Risiko für COPD bei Rauchern erhöhen.

70% der COPD-Betroffenen leiden auch unter einer kardiovaskulären Erkrankung (cardiovascular disease [CVD]). In früheren Studien gab es Hinweise darauf, dass COPD-Exazerbationen nicht nur zum Fortschreiten der COPD beitragen, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnten.

Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen Exazerbationen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Han-Mo Yang publizierte kürzlich eine entsprechende Analyse von Daten aus der COPDGene-Studie.

Die Daten wurden von Probanden mit einem Durchschnittsalter von etwa 65 Jahren erhoben. Ihre Raucheranamnese lag bei durchschnittlich 48 Packungsjahren für fast 4.000 Probanden ohne kardiovaskuläre Erkrankungen und bei 57 Packungsjahren für über 1.000 Probanden mit bestehender CVD.

Im Rahmen der Studie hatten die Probanden 15 Jahre lang bis zu vier Visiten jährlich absolviert, in denen sie körperlich untersucht wurden und Fragebogen zu Lungensymptomen und Lebensqualität beantworteten.

Die Patienten wurden nach dem Schweregrad der COPD entsprechend der Kriterien der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) und dem PRISm (preserved ratio impaired spirometry)-Quotienten (erniedrigte Einsekundenkapazität bei gleichzeitig normal erhaltenem Tiffeneau-Index) klassifiziert.

Als Exazerbation der COPD wurde eine akute Verschlechterung der respiratorischen Symptome gewertet, wenn sie einer systemischen Behandlung mit systemischen Steroiden und/oder Antibiotika bedurften. Eine oder mehr Exazerbationen pro Jahr betrachteten die Forscher als häufig.

Der primäre zusammengesetzte Endpunkt für die CVD umfasste eine koronare Herzkrankheit, einen Schlaganfall, einen Myokardinfarkt, eine Koronararterien-Angioplastie, eine Koronararterien-Bypass-Operation und eine periphere Arterienerkrankung.

Analyse bestätigt: Exazerbationen sind mit CVD verbunden

In der Gesamtpopulation waren häufige Exazerbationen signifikant mit einem um etwa 80% erhöhten Risiko für das Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses verbunden. Das Vorliegen einer CVD zu Studienbeginn spielte dabei keine Rolle.

Auch nach einer Adjustierung für Kovariablen wie das Alter, den Raucherstatus, Begleiterkrankungen und Lungenwerte änderte sich das Ergebnis nicht wesentlich.

Ähnliche Ergebnisse erhielten die Forscher für Patienten mit mittelschwerer bis sehr schwerer COPD (GOLD 2-4) und für die PRISm-Gruppe.

Bei Patienten mit milder COPD (GOLD 1) zeigten häufige Exazerbationen einen Trend zu mehr kardiovaskulären Ereignissen. Statistisch signifikant war dies jedoch nicht.

Engmaschigere Überwachung bei häufigen Exazerbationen

Aufgrund der überzeugenden Evidenz für einen Zusammenhang zwischen COPD-Exazerbationen und darauffolgenden kardiovaskulären Ereignissen sollten Patienten mit häufig exazerbierender COPD sorgfältig überwacht werden, raten die Studienautoren. Es sei wichtig, die Exazerbationen optimal zu kontrollieren, um das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.

Außerdem sehen sie einen Bedarf an weiteren Studien, in denen die zugrundeliegenden Mechanismen untersucht und mögliche Strategien zur Minderung des Risikos kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit häufigen COPD-Exazerbationen entwickelt werden.

Autor:
Stand:
04.09.2024
Quelle:

Yang et al. (2024): Disease exacerbations increase the risk of subsequent cardiovascular events: A longitudinal analysis of the COPDGene study. Journal of the American Heart Association, DOI: 10.1161/JAHA.123.033882

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