Lungenkrebs: Neue Daten zum Einfluss stark verarbeiteter Lebensmittel

Neben dem Rauchen rücken weitere Risikofaktoren wie die Ernährung zunehmend in den Fokus der Lungenkrebsprävention. Eine US-amerikanische Kohortenstudie zeigt nun eine Assoziation zwischen dem Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel und dem Auftreten von NSCLC und SCLC.

ungesundes Essen

Der Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) steht im Verdacht, zur Entstehung zahlreicher chronischer Erkrankungen beizutragen. Eine aktuelle prospektive Analyse der „Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian (PLCO) Cancer Screening“-Kohorte legt nahe, dass ein hoher Verzehr von UPF mit einem signifikant erhöhten Risiko für Lungenkrebs assoziiert ist. Die Ergebnisse betreffen sowohl nicht-kleinzellige (NSCLC) als auch kleinzellige Lungenkarzinome (SCLC) und zeigen unabhängige Zusammenhänge selbst nach Berücksichtigung klassischer Risikofaktoren wie Rauchen oder Ernährungsmuster.

Wachsende Bedeutung der Ernährung in der Krebsprävention

Lungenkrebs zählt zu den häufigsten malignen Erkrankungen weltweit. Trotz rückläufiger Raucherquoten bleibt die Erkrankung führend in der Krebssterblichkeit. Während das inhalative Rauchen nach wie vor als Hauptrisikofaktor gilt, rücken zunehmend andere Lebensstilfaktoren wie Ernährung in den Fokus präventivmedizinischer Forschung.

Ultra-processed foods sind industriell stark verarbeitete Produkte, die häufig aus raffinierten Zutaten bestehen und zahlreiche Zusatzstoffe enthalten. Sie zeichnen sich durch lange Haltbarkeit, hohe Energiedichte und ein ungünstiges Nährstoffprofil aus. Beispiele umfassen Softdrinks, Fertiggerichte, Snacks, abgepackte Backwaren und Süßwaren.

Zusammenhang zwischen Ernährung und Lungenkrebs

Ziel der prospektiven Analyse war es, den Zusammenhang zwischen UPF-Konsum und dem Risiko für Lungenkrebs zu analysieren. Eingeschlossen wurden 101.732 Teilnehmer im Alter zwischen 55 und 74 Jahren aus der US-amerikanischen PLCO-Kohorte. Der Konsum von UPF wurde mithilfe eines validierten Fragebogens erfasst. Der Beobachtungszeitraum betrug im Median 12,2 Jahre, und Lungenkrebsfälle wurden histologisch gesichert sowie nach NSCLC und SCLC differenziert.

Erhöhte Inzidenz bei hohem UPF-Konsum

Während der Nachbeobachtungszeit wurden 1706 Lungenkrebserkrankungen dokumentiert, darunter 1473 Fälle von NSCLC und 233 Fälle von SCLC. Teilnehmer mit dem höchsten Konsum von UPF (≥3,7 Portionen/Tag) wiesen im Vergleich zu jenen mit dem niedrigsten Konsum (<1 Portion/Tag) eine deutlich erhöhte Inzidenz auf. In dieser Kohorte war das Risiko für Lungenkrebs insgesamt um 41 %, für NSCLC um 37 % und für SCLC um 44 % erhöht.

Diese Assoziationen blieben auch nach Energieadjustierung sowie in Subgruppenanalysen bestehen. In der Gesamtpopulation zeigte sich eine nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehung für Lungenkrebs und NSCLC, während beim SCLC ein linearer Zusammenhang bestand.

Mögliche pathophysiologische Mechanismen

Die Autoren diskutieren mehrere Hypothesen zur Erklärung der Ergebnisse. Neben dem ungünstigen Nährstoffprofil mit hohem Gehalt an Zucker, Salz, gesättigten Fettsäuren und Zusatzstoffen könnten proinflammatorische Effekte, hormonelle Dysbalancen und Störungen des Mikrobioms eine Rolle spielen. Zudem führen industrielle Verarbeitungsprozesse zur Bildung potenziell toxischer Substanzen wie Acrolein oder zu einer Kontamination mit Umweltgiften wie polychlorierten Biphenylen, die in präklinischen Modellen mit der Entstehung und Progression von Lungenkarzinomen in Verbindung gebracht wurden.

Bisherige Studienlage uneinig

Bisherige Studien zur Rolle der Ernährung bei Lungenkrebs liefern ein heterogenes Bild. Einige Kohortenanalysen konnten protektive Effekte von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten nachweisen. Die Rolle von verarbeitetem Fleisch war dagegen uneinheitlich. Die vorliegende Arbeit gehört zu den wenigen prospektiven Studien, die explizit den UPF-Konsum erfassen und dabei eine differenzierte Betrachtung von Tumorsubtypen und Dosis-Wirkungs-Beziehungen ermöglichen.

Die Aussagekraft wird durch die Größe der Kohorte, die lange Nachbeobachtungszeit sowie die sorgfältige Adjustierung relevanter Einflussgrößen gestützt. Einschränkend ist jedoch zu beachten, dass potenzielle Störfaktoren wie nicht erfasste passive Rauchexposition oder andere Umweltfaktoren bestehen bleiben und die Ernährung nur einmalig zu Studienbeginn erhoben wurde.

Gesunde Ernährung in der Lungenkrebsprävention

Die vorliegenden Studiendaten legen nahe, dass stark verarbeitete Lebensmittel das Risiko für Lungenkrebs unabhängig von bekannten Risikofaktoren erhöhen können. Die Beobachtungen sind durchgängig über verschiedene Subgruppen hinweg stabil und werden durch plausible biologische Mechanismen gestützt, was eine kritische Bewertung von UPF in präventivmedizinischen Empfehlungen nahelegt. Besonders bei Nichtrauchern könnten ernährungsbedingte Einflüsse einen vergleichsweise größeren Beitrag zum Gesamtrisiko leisten.

Künftige Studien sollten zusätzliche individuelle Risikofaktoren systematisch erfassen, um die Assoziation genauer einordnen zu können. Bis dahin liefern die Daten wertvolle Anhaltspunkte für gesundheitsorientierte Ernährungsempfehlungen im ärztlichen Kontext.

Autor:
Stand:
07.08.2025
Quelle:

Wang K, Zhao J, Yang D, et al. (2025): Association between ultra-processed food consumption and lung cancer risk: a population-based cohort study, Thorax; DOI: 10.1136/thorax-2024-222100

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