Das German Asthma Net (GAN) umfasst derzeit fast 4.000 Patienten mit schwerem Asthma bronchiale, die an 116 deutschen, zwölf österreichischen und 48 schweizerischen Zentren erfasst wurden, berichtete Professor Dr. Stephanie Korn von der Thoraxklinik Heidelberg und dem Institut für Klinische Forschung (IKF) Pneumologie Mainz. Damit dürfte das Register, das 2009/2010 initiiert wurde, mittlerweile das größte Register für Patienten mit schwerem Asthma weltweit sein, sagte sie anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Mannheim stolz. Allerdings gibt es im Norden und Osten Deutschlands noch Regionen, die kaum vertreten sind. Korn lud alle interessierten Zentren und Praxen ein, sich am Register zu beteiligen, damit es noch repräsentativer werden kann. Das GAN umfasst eine vollständige Dokumentation der Patienten im Register Schweres Asthma und kürzere Versionen für die Register der einzelnen Biologika.
Transitionslücke entdeckt
Die Altersstruktur der Patienten im Register zeigt eine Lücke in der Transitionsphase. Während die pädiatrischen Zentren Patienten einschließen und dokumentieren, gibt es kaum Meldungen von Patienten im Alter rund um 20 Jahre. Wahrscheinlich sehen diese Patienten in der Transitionsphase weder einen pädiatrischen noch einen pneumologischen Facharzt, befürchtete Korn.
Asthmabeginn weist auf unterschiedliche Typen hin
Bei einem Asthma, das im Kindes- und Jugendalter begonnen hat (Early-onset-Asthma), zeigen sich im Register deutliche Unterschiede im Vergleich zu Patienten, die im Erwachsenenalter ein Asthma entwickelt haben (Adult-onset-Asthma). Bei einem Adult-onset-Asthma ist die Lungenfunktion eher schlechter als bei früher Erkrankung, die Biomarker Eosinophile im Blut und fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid (FeNO) sind höher und 50% der im Erwachsenenalter Betroffenen haben Komorbiditäten wie chronische Rhinosinusitis oder Polyposis nasi. Das verweist auf die Bedeutung einer interdisziplinären Zusammenarbeit zur Versorgung dieser Patienten, findet Korn.
Exazerbations-Biomarker bestätigt
Wie in Studien ließ sich auch im GAN-Register der Wert der Eosinophilen und des FeNO für die Prädiktion von Exazerbationen belegen. Patienten mit zwei und mehr Exzerbationen im Jahr wiesen zum Registereinschluss signifikant höhere Werte dieser Biomarker auf als diejenigen mit weniger Exazerbationen im Jahr zuvor. Das zeigt, dass diese Biomarker gemessen werden sollten, meinte Korn und betonte, sie hätten einen Wert, um den Patienten einschätzen und adäquat therapieren zu können.
Oft keine Reversibilität
In klinischen Studien wird für den Einschluss von Patienten mit schwerem Asthma meist die Reversibilität durch einen Bronchodilator gefordert. Damit wären 68,5% der Patienten im GAN-Register von Studien ausgeschlossen, berichtete Korn. Nur 31,5% weisen im Register eine solche Reversibilität auf.
Auch Raucher werden aus Asthma-Studien ausgeschlossen, scheinen aber nach den Registerdaten durchaus von Biologika profitieren zu können [5]. Die Therapie von Rauchern mit Biologika ist allerdings eine individuelle Entscheidung und sicher die Ausnahme. Korn berichtete von zwei Patienten, die versprachen, wenn es ihnen mit den Biologika besser ginge, würden sie mit dem Rauchen aufhören und mehr Sport machen – und sie haben Wort gehalten.
Remission ist möglich
Das ehrgeizige Ziel einer Asthma-Remission kann mit Biologika eher erreicht werden als mit den übrigen Therapien. Im GAN hatten in der Gruppe ohne Biologika 17,2% weder Symptome, noch Exazerbationen oder nahmen orale Kortikosteroide ein. In der Gruppe mit Biologika war der Anteil dieser Patienten mit 37,6% signifikant höher (p<0,0001).
Nach einer Umfrage unter den Zentren des Registers setzten die überwiegende Mehrheit der Antwortenden bei allergischen Asthma Omalizumab ein, bei kombiniertem allergischem und eosinophilem Asthma mit FeNO-Werten >25 ppb eher Dupilumab und bei nicht allergischem eosinophilem Asthma am häufigsten Benralizumab ein. „Es geht nicht darum, was ist besser“, betonte Korn. „Es geht darum, dem Patienten ein Geschenk zu machen, dass er irgendwann sagt, er fühle sich wie neugeboren.“









