Abatacept ist ein Immunsuppressivum, das zur Behandlung bei rheumatoider Arthritis (RA) eingesetzt wird. Es zählt zu den sogenannten krankheitsmodifizierenden Arzneimitteln (disease-modifying anti-rheumatic drugs, DMARD). Das Biologikum wird derzeit als wirksame Zweit- oder Drittlinientherapie für Menschen mit etablierter rheumatoider Arthritis eingesetzt und wöchentlich intravenös appliziert.
Ergebnisse einer klinischen Phase-IIb-Studie mit Abatacept geben nun RA-Patienten Hoffnung. In einer im Fachjournal »The Lancet« veröffentlichten Studie wurde gezeigt, dass das biologische Arzneimittel das Fortschreiten dieser schmerzhaften chronisch entzündlichen Erkrankung reduziert [1].
In Deutschland haben circa 0,8–1,2% der erwachsenen Bevölkerung die Diagnose RA. Das entspricht etwa 560.000 bis 830.000 Menschen [2]. Die Krankheit manifestiert sich meist im mittleren Alter, kann jedoch auch deutlich jüngere Altersgruppen betreffen. Bisher gibt es keine Heilung oder vorbeugende Maßnahmen.
Studiendesign und Teilnehmerauswahl
Forschende des King‘s College London rekrutierten für ihre Studie 213 erwachsene Patienten mit hohem Krankheitsrisiko. Ziel der Studie war es herauszufinden, ob eine einjährige Behandlung mit Abatacept das Fortschreiten der rheumatoiden Arthritis verhindern kann.
Zwischen dem 22. Dezember 2014 und dem 14. Januar 2019 wurden 280 Personen auf ihre Eignung untersucht und anschließend 213 Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip entweder Abatacept und Placebo zugewiesen. Die Hälfte von ihnen (n=110) erhielt ein Jahr lang jede Woche Abatacept, die andere Hälfte (n=103) ein Placebo. Nach Absetzen der Behandlung wurden die Studienteilnehmer weitere zwölf Monate lang beobachtet.
Auswirkungen der Abatacept-Therapie auf die rheumatoide Arthritis
Nach der zwölfmonatigen Therapie hatten 6% der mit Abatacept behandelten Patienten eine rheumatoide Arthritis entwickelt, verglichen mit 29% in der Placebo-Gruppe. Zum Zeitpunkt von 24 Monaten nach Studienbeginn waren die Unterschiede mit insgesamt 25% der Patienten vs. 37% immer noch signifikant. Zusätzlich zeigte sich, dass die Behandlung mit Abatacept im Vergleich zu Placebo mit einer Verbesserung der Schmerzwahrnehmung, des funktionellen Wohlbefindens und der Lebensqualität einherging, sowie mit niedrigen Werten für subklinische Synovitis im Ultraschall.
Nach den 24 Monaten waren die Symptombelastung, einschließlich der Bewertungen zur Lebensqualität und Schmerzen, sowie die subklinischen Entzündungen in beiden Gruppen ähnlich. Dies deutet darauf hin, dass die Effekte der T-Zell-Kostimulationsmodulation mit Abatacept nicht nachhaltig sind, so die Studienautoren.
Vorbeugung von rheumatoider Arthritis bei Risikopersonen
Professor Andrew Cope, Professor für Rheumatologie an der School of Immunology & Microbial Sciences, fasst die Studie wie folgt zusammen: „Dies ist die bisher größte Präventionsstudie zur rheumatoiden Arthritis und die erste, die zeigt, dass eine für die Behandlung von etablierter rheumatoider Arthritis zugelassene Therapie auch wirksam ist, um den Ausbruch der Krankheit bei Risikopersonen zu verhindern. Diese ersten Ergebnisse könnten eine gute Nachricht für Menschen sein, die von Arthritis bedroht sind, da gezeigt wird, dass das Arzneimittel nicht nur den Ausbruch der Krankheit während der Behandlungsphase verhindert, sondern auch Symptome wie Schmerzen und Müdigkeit lindert.“









