Bewegung und weniger Sitzen als fester Bestandteil der Rheumatherapie

Körperliche Aktivität und weniger Sitzzeiten sollten nach den aktualisierten EULAR-Empfehlungen fester Bestandteil der Behandlung von Patienten mit entzündlicher Arthritis oder Arthrose sein. Neue Evidenz betrifft auch digitale Unterstützungsangebote und Verhaltensstrategien.

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Patienten mit entzündlicher Arthritis oder Arthrose profitieren nachweislich von regelmäßiger körperlicher Aktivität. Dennoch bewegen sich viele Betroffene weniger als die Allgemeinbevölkerung. Vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der aktualisierten Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) ihre Empfehlungen zur körperlichen Aktivität überarbeitet.

Die Aktualisierung wurde von einem internationalen Expertengremium unter Leitung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in der Schweiz erarbeitet und in den 'Annals of the Rheumatic Diseases' veröffentlicht.

Aktualisierung auf Basis neuer Evidenz

Die bisherigen EULAR-Empfehlungen stammen aus dem Jahr 2018. Seitdem wurden zahlreiche Studien veröffentlicht, insbesondere zu digitalen Interventionen sowie zu verhaltens- und edukationsbasierten Strategien zur Förderung körperlicher Aktivität und zur Reduktion von Sitzzeiten. Für die Überarbeitung wertete eine multidisziplinäre Task Force die Literatur bis August 2024 aus. Grundlage waren mehr als 50 systematische Reviews, über 30 randomisierte Studien sowie qualitative Untersuchungen. Die Empfehlungen richten sich an Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA), Spondyloarthritis sowie Hüft oder Kniearthrose. Das aktualisierte Dokument umfasst vier übergeordnete Prinzipien und elf Empfehlungen. Eine zentrale Neuerung ist die stärkere Berücksichtigung sedentären Verhaltens. Demnach kann die Verringerung langer Sitzphasen gesundheitliche Vorteile bieten, unabhängig davon, wie aktiv eine Person insgesamt ist.

Bewegung als fester Bestandteil der Versorgung

Die Experten empfehlen, die Förderung körperlicher Aktivität während des gesamten Krankheitsverlaufs als festen Bestandteil der Regelversorgung zu verankern. Dabei sollen alle an der Versorgung beteiligten Gesundheitsberufe eingebunden werden. Die Empfehlungen orientieren sich an den WHO-Leitlinien und umfassen Ausdauertraining, Muskelkräftigung, Beweglichkeit sowie neuromotorisches Training. Diese Bewegungsformen werden für Patienten mit entzündlicher Arthritis und Arthrose als sicher und praktikabel eingestuft. Besonders zielführend sind individuell angepasste Bewegungsprogramme. Berücksichtigt werden sollen unter anderem Krankheitsaktivität, Schmerzen, funktionelle Einschränkungen, persönliche Präferenzen sowie soziale und Umweltfaktoren.

Digitale Hilfsmittel und Verhaltensstrategien stärker berücksichtigt

Neu aufgenommen wurde eine Empfehlung zum Einsatz digitaler Technologien. Aktivitätstracker, Wearables und andere digitale Anwendungen können demnach bei der Förderung körperlicher Aktivität unterstützend eingesetzt werden. Voraussetzung ist, dass digitale Kompetenzen und der Zugang zu entsprechenden Technologien berücksichtigt werden. Darüber hinaus wird die Bedeutung verhaltensbezogener Strategien hervorgehoben. Dazu zählen beispielsweise Zielvereinbarungen, Selbstbeobachtung, Handlungsplanung, Feedback und strukturierte Problemlösungsansätze. Die Wahl der Maßnahmen soll sich an den individuellen Bedürfnissen der Patienten orientieren.

Fazit: Weniger Sitzen als zusätzliches Therapieziel

Laut den aktualisierten EULAR-Empfehlungen sind Bewegung und verringerte Sitzzeiten wichtige Bausteine in der Versorgung von Patienten mit entzündlicher Arthritis und Arthrose. Bereits kurze Aktivitätsphasen können dazu beitragen, langen Sitzphasen zu unterbrechen und deren ungünstige gesundheitliche Effekte zu reduzieren. Gleichzeitig wird auf bestehende Forschungslücken hingewiesen, insbesondere zur langfristigen Wirksamkeit digitaler Interventionen sowie zu Strategien, mit denen sich bewegungsarmes Verhalten nachhaltig reduzieren lässt. Weitere Studien sollen helfen, die Empfehlungen künftig präzisier auf einzelne Patientengruppen auszurichten. 

Autor:
Stand:
15.06.2026
Quelle:
  1. Rausch Osthoff, A.K. et al. (2026): EULAR recommendations for physical activity in people with inflammatory arthritis and osteoarthritis: 2025 update. Annals of the Rheumatic Diseases, DOI: 10.1016/j.ard.2026.03.006.
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