Kardiovaskuläres Risiko bei Lupus: Herausforderungen in Ländern mit mittlerem Einkommen

Patienten mit systemischem Lupus erythematodes weisen häufig kardiovaskuläre Risikofaktoren auf, vor allem aber in Ländern mit mittlerem Einkommen und bei gleichzeitigem Antiphospholipid-Syndrom.

Herzerkrankung Risiko

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) geht mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Todesfälle einher. Eine aktuelle Studie hat die Häufigkeit der kardiovaskulären Risikofaktoren und deren Kontrolle in einer großen, multiethnischen Gruppe von SLE-Patienten untersucht. Besonders auffällig war die hohe Prävalenz kardiovaskulärer Risikofaktoren und das unzureichende Krankheitsmanagement bei Patienten aus Ländern mit mittlerem Einkommen im Vergleich zu solchen aus einkommensstarken Ländern sowie bei Patienten mit gleichzeitigem Antiphospholipid-Syndrom (APS). Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift »The Lancet Rheumatology« veröffentlicht.

Querschnittsstudie mit 3.401 SLE-Patienten aus 24 Ländern

In der multizentrischen, internationalen Querschnittsstudie wurden Daten zu kardiovaskulären Risikofaktoren aus den medizinischen Akten von erwachsenen Patienten (≥18 Jahre) mit SLE gesammelt, die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 1. Januar 2020 in 24 Ländern auf fünf Kontinenten behandelt wurden. Zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos wurde der Systemic Coronary Risk Evaluation-Algorithmus verwendet. Die Bewertung der Krankheitskontrolle basierte auf den Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie.

In die Studie wurden 3.401 Patienten mit SLE aufgenommen. Das mediane Alter betrug 43 Jahre (IQR 33–54). Von 3.396 Patienten waren 3.047 (89,7%) Frauen und 349 (10,3%) Männer; 1.629 (48,1%) von 3.390 Teilnehmenden waren Weiße. Ein APS hatten 556 (20,7%) von 2.681 Patienten.

Patienten in einkommensschwächeren Ländern besonders gefährdet

In dieser Studie zeigte sich insgesamt eine hohe Diagnose-Prävalenz beeinflussbarer kardiometabolischer Erkrankungen. Bluthochdruck lag bei 1.210 (35,6%) von 3.398 Patienten vor, Adipositas bei 751 (23,7%) von 3.169 Patienten und Hyperlipidämie bei 650 (19,8%) von 3.279 Teilnehmenden. Eine suboptimale Kontrolle der modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren (Blutdruck [Zielwert <130/80 mm Hg], Body-Mass-Index [BMI] und Lipide) war in der gesamten SLE-Gruppe festzustellen.

Bemerkenswert war, dass Patienten aus Ländern mit hohem Einkommen häufiger kardiovaskuläre Risikofaktoren aufwiesen, aber besser eingestellte Blutdruck- und Lipidwerte hatten als Patienten aus Ländern mit mittlerem Einkommen:

  • Bessere Blutdruckkontrolle (54,9% [1.170 von 2.132 Patienten] vs. 46,8% [519 von 1.109 Patienten], p<0,0001) 
  • Bessere HDL-Kontrolle (75,0% [895 von 1.194 Patienten] vs. 51,4% [386 von 751 Patienten], p<0,0001) 
  • Bessere Non-HDL-Cholesterin-Werte 66,4% [769 von 1.158 Patienten] vs. 60,8% [453 von 745 Patienten], p=0,013) 
  • Bessere Triglycerid-Werte 80,9% [1.017 von 1.257 Patienten] vs. 61,4% [486 von 792 Patienten], p<0,0001) 

SLE und Antiphospholipid-Syndrom

Patienten mit SLE und Antiphospholipid-Syndrom hatten eine höhere Prävalenz modifizierbarer kardiovaskulärer Risikofaktoren und signifikant geringere Raten beim Erreichen der BMI- und Lipid-Zielwerte (für LDL und Non-HDL) als Patienten mit SLE ohne Antiphospholipid-Syndrom.

Sensibilisierung für kardiovaskuläres Risiko bei Lupus-Patienten

Diese Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit einer verstärkten Sensibilisierung für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes, insbesondere in den identifizierten Untergruppen, so die Forschenden. Eine gezielte Aufklärung und präventive Maßnahmen sind essenziell, um die Gesundheitsprognose dieser Patienten zu verbessern.

Autor:
Stand:
29.07.2024
Quelle:

Bolla, E. et al. (2024): Prevalence and target attainment of traditional cardiovascular risk factors in patients with systemic lupus erythematosus: a cross-sectional study including 3401 individuals from 24 countries. Lancet Rheumatology, DOI: 10.1016/S2665-9913(24)00090-0.

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