Koinzidenz von Takayasu-Arteriitis und Spondylarthritiden

Neue Erkenntnisse erhärten den Verdacht einer pathogenetischen Verknüpfung der Takayasu-Arteriitis und Spondylarthritiden. Forscher quantifizierten die Koinzidenz dieser Erkrankungen und untersuchten deren Einfluss auf die klinische Manifestation der Takayasu-Arteriitis.

Anteil

Genetische Faktoren bei Takayasu-Arteriitis

Die Takayasu-Arteriitis (TAK) ist eine seltene, granulomatöse Vaskulitis der großen Gefäße und geht u. a. mit Gefäßstenosen, Gefäßverschlüssen und Aneurysmen einher. Die genaue Ätiologie der Erkrankung ist bislang nicht vollständig geklärt (Stand 2024), jedoch scheinen genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentwicklung zu spielen. Zum Beispiel sind das HLA-B52-Gen aus der HLA-Klasse-I-Region und IL12B-Gen mit TAK assoziiert, sie finden sich jedoch auch bei anderen Erkrankungen aus dem Spektrum der Spondylarthritiden, wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED).

Koinzidenz mit Spondylarthritiden

Spondylarthritiden (SpA) umfassen eine Gruppe von Erkrankungen, die meist eine Assoziation zu HLA-B27 aufweisen. Zu dieser Gruppe zählen u. a. Spondylitis ankolysans (axiale SpA), enteropathische SpA bei CED und Psoriasis-Arthritis. Die Koinzidenz von TAK und CED oder axialer SpA wurde in der Vergangenheit in zahlreichen Fallberichten dokumentiert. TAK-Patienten mit gleichzeitiger CED zeigten dabei eine signifikant höhere Anreicherung von HLA-B52.01 im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Die bisherige Studienlage legt nahe, dass dies möglicherweise ein Teil der neu beschriebenen "MHC-I-Opathien", und keine zufällige Koinzidenz der Erkrankungen ist.

Studie untersucht gleichzeitiges Auftreten von TAK und Spondylarthrititden

Das Ziel eines türkischen Forschungsteams war daher, die Häufigkeit von axialer SpA, CED und Psoriasis bei Patienten mit TAK zu quantifizieren und den Einfluss dieser Erkrankungen auf die klinische Manifestation der TAK zu untersuchen.

In die Studie wurden insgesamt 350 TAK-Patienten aus verschiedenen Versorgungszentren der Türkei eingeschlossen und anhand der ACR-Kriterien (American College of Rheumatology; 1990) klassifiziert. Alle Daten wurden retrospektiv aus den Patientenakten erhoben.

Die Lokalisation der vaskulären Manifestationen der TAK wurde mithilfe der Hata angiographic classification beschrieben. Die Krankheitsaktivität wurde anhand des Indian Takayasu’s Arteritis Activity Score (ITAS) und das Ausmaß der Gefäßschädigung durch den Vasculitis Damage Index (VDI) quantifiziert.

TAK-Patienten mit zusätzlicher SpA, Psoriasis, oder CED-Diagnose wurden in eine TAK-SpA-Gruppe eingeteilt. Bei axialer Beteiligung dienten der Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI) and Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index (BASFI) zur Beurteilung der Krankheitsaktivität und Funktion. Wenn vorhanden, wurden CT- und MRT-Befunde sowie der HLA-B27-Status in die Analysen miteinbezogen.

Häufigerer Einsatz von Biologika in der TAK-SpA-Gruppe

Eine begleitende SpA konnte in 31 der 350 der TAK-Fälle festgestellt werden (8,8%). Davon war die Mehrheit der Patienten von axialer SpA betroffen. In über 50% der Patienten aus der TAK-SpA-Gruppe, waren die Initialsymptome der TAK durch die SpA geprägt.  Zudem war der therapeutische Einsatz von Biologika in der TAK-SpA Gruppe signifikant höher (70,9%) als bei TAK-Patienten ohne SpA (27,9%).

Auffällig war zudem, dass bei Patienten mit TAK und SpA Symptome der TAK ca. 6 Jahre früher auftraten als bei TAK-Patienten ohne SpA (p=0,041).

Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit vergangenen Studien und weisen auf eine Wechselwirkung der Erkrankungen hin.

Niedrige HLA-27-Positivität bei axialer SpA

TAK-SpA Patienten mit Spondylitis ankolysans wiesen nur in 25% der Fälle HLA-27 auf. Davon waren 80% der Patienten weiblich. In Übereinstimmung mit vorherigen Studienergebnissen legt diese Beobachtung die Beteiligung anderer genetischer Faktoren nahe.

Limitationen der aktuellen Studie

Das retrospektive Studiendesign stellt eine Hauptlimitation der Studie dar. Insbesondere die Anzahl der Patienten in der TAK-SpA-Gruppe war gering. Die Maß der Krankheitsaktivität wurde nur für die TAK und axiale SpA erhoben, nicht jedoch für Psoriasis, CED und periphere Arthritis. Zudem könnte die immunsuppressive Behandlung klinische Befunde maskiert haben.

Implikationen für weitere Studien

Diese Studie unterstützt den Verdacht, dass die Takayasu-Arteriitis und SpA pathogenetisch in engerer Verbindung stehen, als bisher vermutet. Das Vorhandensein von SpA scheint mit einem früheren Krankheitsbeginn und einem aggressiveren Verlauf der Takayasu-Arteriitis assoziiert zu sein. Weitere Studien zu gemeinsamen genetischen und immunologischen Komponenten sind indiziert, um gemeinsame Pathomechanismen aufzuklären.

Autor:
Stand:
06.05.2024
Quelle:
  1. Abacar et al. (2024): Frequency and the effects of spondyloarthritis-spectrum disorders on the clinical course and management of Takayasu arteritis: an observational retrospective study. Clinical rheumatology, DOI: 10.1007/s10067-024-06939-y
  2. Dougados (2011): Spondyloarthritis. Lancet, DOI: 10.1016/S0140-6736(11)60071-8
  3. Terao et al. (2015): Takayasu arteritis and ulcerative colitis: high rate of co-occurrence and genetic overlap. Arthritis & rheumatology, DOI: 10.1002/art.39157
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