Reduzierte BCG-Standarddosen wegen Mangellage empfohlen
Bei nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs (NMIBC) mit hohem Risiko ist Bacillus Calmette-Guèrin (BCG) mit einer anfänglichen Induktionsdosis von sechs wöchentlichen intravesikalen Instillationen, gefolgt von einer dreiwöchigen Erhaltungsdosis nach drei und nach sechs Monaten und dann alle sechs Monate für drei Jahre die Standardbehandlung nach einer transurethralen Resektion.
BCG ist seit 2011 weltweit Mangelware. Daher empfiehlt die American Urological Association (AUA), die Dosis um die Hälfte oder ein Drittel zu reduzieren. Außerdem soll die Erhaltungstherapie auf ein Jahr verkürzt und die Zystektomie früh durchgeführt werden.
Mehrere Studien zeigten schlechtere Ergebnisse bei Patienten mit Hochrisikoerkrankungen, die reduzierte BCG-Standarddosen erhalten hatten. Neuartige Ansätze wie intravesikale Chemotherapie, Immuntherapie sowie Gen- und Zytokintherapie haben sich zwar bei NMIBC mit mittlerem Risiko als vielversprechend erwiesen, diese zeigten jedoch bei der Hochrisikoerkrankung keine Überlegenheit gegenüber der BCG-Therapie.
Lässt sich mit einer zweiten Induktionsphase die Ansprechrate verbessern?
Wissenschaftler beobachteten, dass Patienten, die sechs Monate nach der Induktionstherapie eine Komplettremission (CR) zeigten, eine günstigere Prognose hatten als Patienten, deren Tumor nach sechs Monaten nicht auf die BCG-Induktion ansprach. Bei den Non-Respondern war das Risiko für ein Wiederauftreten und ein Fortschreiten der Erkrankung erhöht.
Die Forscher stellten daher die Hypothese auf, dass zwei aufeinanderfolgende intravesikale BCG-Induktionsbehandlungen die CR-Raten nach sechs Monaten verbessern und gleichzeitig möglicherweise den gesamten BCG-Verbrauch pro Patient reduzieren könnten. Sie untersuchten diese Hypothese in einer Phase-II-Studie (NCT02281383).
In diese prospektive Studie wurden Patienten mit primärem oder rezidivierendem NMIBC (hochgradige Ta-, T1-Tumoren, mit oder ohne Carcinoma in situ) aufgenommen und erhielten zwei Induktionsbehandlungen (12 intravesikale Instillationen) mit BCG ohne nachfolgende Erhaltungstherapie.
In der Analyse nach zwei Jahren Nachbeobachtungszeit fanden die Forscher, dass nach sechs Monaten 91% der Patienten komplett angesprochen hatten und 85% der Patienten nach dem Komplettansprechen zwei Jahre ohne Rezidiv überlebt hatte [1].
Positive Fünfjahres-Ergebnisse
In der aktuell im Fachblatt JAMA Oncology publizierten Arbeit berichtete das Forscherteam um Erstautor Dr. Andrew Katims vom Urology Service, Department of Surgery, des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York, USA, über die Ergebnisse nach einer fünfjährigen Nachbeobachtungsphase [2]. Für die Analyse waren Daten von 75 der 81 in die Studie aufgenommenen Patienten auswertbar. Die 65 Männer (84%) und 12 Frauen (16%) waren im Median 72 Jahre alt.
Zum Nachbeobachtungszeitpunkt nach fünf Jahren hatten 63 von 77 Patienten (82%) alle 12 Instillationen erhalten. 91% zeigten ein Komplettansprechen nach sechs Monaten.
Bei 21 Patienten kam es zu einem hochgradigen Rezidiv. Damit lag die Rate an Respondern, die nach fünf Jahren rezidivfrei waren bei 69%, die mediane Nachbeobachtungszeit für Patienten ohne Rezidiv bei 4,4 Jahren.
Drei Patienten starben an Blasenkrebs. Damit lag die Rate für das krebsspezifische Überleben bei 97%, die mediane Nachbeobachtungszeit für die Überlebenden entsprach 4,9 Jahren.
Einsparpotenzial bei BCG durch modifiziertes Behandlungsschema
Durch die Verwendung von zwei Induktionsbehandlungen, entsprechend zwölf BCG-Instillationen, konnte die pro Patient mit Hochrisiko-NMIBC benötigte BCG-Menge von 27 Fläschchen auf 12 Fläschchen reduziert werden. Gleichzeitig blieben die onkologischen Ergebnisse akzeptabel. Das rezidivfreie Überleben in der aktuellen Studie war mit dem in der Studie SWOG-8507 vergleichbar (69% vs. 60%), in der Patienten eine Induktions- und drei Jahre Erhaltungstherapie erhalten hatten.
Angesichts des anhaltenden BCG-Mangels könnte dieses modifizierte Regime für Patienten mit Hochrisiko-NMIBC eine geeignete Alternative zur Standardinduktion mit Erhaltungstherapie über drei Jahre darstellen, meinen die Autoren der Studienpublikation.










