Testosteronbehandlung verbessert Knochenstruktur
Schwerer Hypogonadismus wurde bei Männern mit Prostatakrebs mit einem erhöhten Risiko für klinische Frakturen in Verbindung gebracht. Männer mit Prostatakrebs, die mit "superaktiven" Agonisten des Gonadotropin-Releasing-Hormons behandelt wurden und in der Folge einen schweren Hypogonadismus entwickelten, erlitten mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Fraktur als Männer mit Prostatakrebs, die diese Behandlung nicht erhielten.
Studiendaten zeigten, dass die Testosteronbehandlung bei Männern mit Hypogonadismus aufgrund einer Hypophysen- oder Hodenerkrankung die Knochendichte und -qualität verbesserte. Auch bei Männern mit altersbedingtem mäßigem Hypogonadismus erhöhte eine dreijährige Testosteronbehandlung die räumliche Knochenmineraldichte der Wirbelsäule.
Bisher fehlen Studien mit einer ausreichend großen Stichprobe und einer ausreichend langen Dauer, um die Wirkung von Testosteron auf die Häufigkeit von Frakturen zu bestimmen.
Senkt die Testosteronbehandlung auch das Risiko für Frakturen?
Dr. Peter Snyder von der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania in Philadelphia, USA, und Kollegen nutzten daher die Daten der TRAVERSE-Studie (NCT03518034) um herauszufinden, ob eine Testosteronbehandlung möglicherweise das Frakturrisiko verringern kann.
TRAVERSE war eine randomisierte, placebokontrollierte Phase-IV-Studie, in der geprüft wurde, ob eine Testosteronbehandlung bei Männern mittleren und höheren Alters mit Hypogonadismus die Inzidenz schwerwiegender unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse erhöhen würde [2].
Snyder und Kollegen untersuchten in einem Teilprojekt das Risiko für klinische Frakturen in einer Ereigniszeitanalyse. Die Population umfasste 5.204 Teilnehmer, 2.601 in der Testosterongruppe und 2.603 in der Placebogruppe. Bei den Männern im Alter von 45 bis 80 Jahren lagen bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung oder ein hohes Risiko dafür sowie ein oder mehrere Symptome eines Hypogonadismus (zwei morgendliche Testosteronkonzentrationen <300 ng/dL in Nüchternplasmaproben, die im Abstand von mindestens 48 Stunden entnommen worden waren) vor.
Die Männer hatten 1,62%iges Testosteron- oder ein Placebo-Gel für die tägliche Anwendung erhalten. Die mediane Serumtestosteronkonzentration in der Testosterongruppe war von 227 ng/dl zu Studienbeginn auf 368 ng/dl im sechsten Monat gestiegen und blieb bis zum dritten Jahr über dem Ausgangswert.
Unerwartet: Risiko für Frakturen in der Testosterongruppe erhöht
Während der Studie wurden 309 Frakturen bei 224 Teilnehmern berichtet, darunter 186 Frakturen in der Testosterongruppe und 123 in der Placebogruppe. Von diesen wurden 154 in der Testosterongruppe und 97 in der Placebogruppe als Frakturen bestätigt.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 3,19 Jahren war bei 91 Teilnehmern (3,50%) in der Testosterongruppe und bei 64 Teilnehmern (2,46%) in der Placebogruppe eine klinische Fraktur aufgetreten (Hazard Ratio 1,43). Die Frakturinzidenz schien auch für alle anderen Frakturendpunkte in der Testosterongruppe höher zu sein.
Für die Forscher waren diese Ergebnisse unerwartet, und die Studie war nicht so konzipiert, dass mögliche Mechanismen untersucht werden konnten, durch die Testosteron die Häufigkeit von Frakturen erhöhen könnte. Die Tatsache, dass Testosteron mit einem erhöhten Frakturrisiko bei Männern mittleren und höheren Alters mit Hypogonadismus verbunden war, sollte im Zusammenhang mit dem potenziellen Nutzen und anderen Risiken einer Testosteronbehandlung bei diesen Männern betrachtet werden, raten die Autoren.
Nutzen und Risiken der Testosteronbehandlung gut abwägen
Andere Studien zeigten, dass die Testosteronbehandlung bei älteren Männern die sexuelle Funktion und die Stimmung verbesserte und die Hämoglobinwerte erhöhte. In der vorliegenden TRAVERSE-Studie war Testosteron nicht mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse verbunden. Allerdings war das Risiko für Vorhofflimmern, Lungenembolie und akute Nierenschädigung erhöht [2-4]. Grossmann und Anawalt weisen in ihrem Leitartikel darauf hin, dass sich Testosteron aufgrund seines pleiotropen Effekts grundlegend von Osteoporose-Medikamenten unterscheidet, und dass daher eine weitere Untersuchung des beobachteten Effekts in gut konzipierten Studien angebracht sei [5].










