Amlodipin
Amlodipin zählt zu den Dihydropyridin-Calciumkanalblockern und spielt eine zentrale Rolle in der Therapie von Bluthochdruck und Angina pectoris. Der Wirkstoff beeinflusst den Calciumeinstrom in Gefäßmuskelzellen und entfaltet so seine blutdrucksenkende Wirkung.
Amlodipin: Übersicht

Anwendung
Amlodipin wird angewendet bei:
- Arterieller Hypertonie (essenzielle und sekundäre Hypertonie)
- Chronisch stabiler Angina pectoris
- Vasospastischer (Prinzmetal-)Angina
- Als Monotherapie oder in Kombination mit anderen antihypertensiven bzw. antianginösen Arzneimitteln (z. B. Betablocker, ACE-Hemmer, Thiaziddiuretika)
Anwendungsart
Amlodipin wird als Tablette unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen. Die Einnahme kann unabhängig von Mahlzeiten erfolgen. Amlodipin wird einmal täglich eingenommen und gewährleistet aufgrund seiner langen Halbwertszeit eine kontinuierliche Wirkung über 24 Stunden.
Wirkmechanismus
Amlodipin ist ein Dihydropyridin-Calciumkanalblocker, der selektiv spannungsabhängige L-Typ-Calciumkanäle in vaskulären glatten Muskelzellen hemmt.
Durch die Blockade des transmembranösen Ca²⁺-Einstroms wird die intrazelluläre Calciumkonzentration reduziert, wodurch die Calcium-Calmodulin-abhängige Aktivierung der Myosin-Leichtketten-Kinase (MLCK) gehemmt wird. Infolgedessen nimmt die Phosphorylierung der regulatorischen Myosin-Leichtketten ab, was die Aktin-Myosin-Interaktion vermindert und zu einer Relaxation der Gefäßmuskulatur führt.
Die resultierende arterielle Vasodilatation senkt den peripheren Gefäßwiderstand und damit die Nachlast. Auf Ebene der Koronararterien bewirkt Amlodipin zusätzlich eine Dilatation epikardialer und intramuraler Gefäße, wodurch die myokardiale Sauerstoffversorgung verbessert wird.
Aufgrund seiner hohen Gefäßselektivität und langsamen Dissoziationskinetik zeigt Amlodipin nur geringe direkte negative Inotropie und keine ausgeprägte Beeinflussung der kardialen Erregungsleitung.

Pharmakokinetik
Resorption
- Gute orale Resorption nach Einnahme
- Maximale Plasmakonzentration (tmax) nach sechs bis zwölf Stunden
- Absolute Bioverfügbarkeit ca. 64–80 %
- Nahrungsaufnahme ohne relevanten Einfluss
Verteilung
- Großes Verteilungsvolumen (ca. 21 l/kg)
- Hohe Plasmaeiweißbindung (≈97,5 %)
Metabolismus
- Weitgehend hepatische Metabolisierung
- Bildung pharmakologisch inaktiver Metaboliten
- Metabolismus überwiegend über CYP3A4
Elimination
- Terminale Eliminationshalbwertszeit: 35–50 Stunden
- 10 % unverändert renal ausgeschieden
- Ca. 60 % als Metaboliten renal eliminiert
- Nicht dialysierbar
Dosierung
Dosierungsempfehlungen für Amlodipin laut Fachinformationen für unterschiedliche Patientengruppen:
Erwachsene
- Initialdosis: 5 mg einmal täglich
- Maximaldosis: 10 mg einmal täglich
Kinder und Jugendliche (6–17 Jahre, Hypertonie)
- Initialdosis: 2,5 mg einmal täglich
- Steigerung: auf 5 mg einmal täglich möglich
- Maximal untersuchte Dosis: 5 mg täglich
- Keine Daten für Kinder unter 6 Jahre
Leberfunktionsstörung
- Beginn mit niedriger Dosis
- Langsame Titration empfohlen
- Keine festen Dosierungsempfehlungen bei schwerer Leberinsuffizienz
Nierenfunktionsstörung
- Keine Dosisanpassung erforderlich
- Nicht dialysierbar
Nebenwirkungen
Die häufigsten (≥10 %) Nebenwirkungen bei Amlodipin sind:
- Periphere Ödeme (insbesondere Knöchelödeme)
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Amlodipin zu beachten:
- CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Clarithromycin, Erythromycin, Azol-Antimykotika, Proteasehemmer, Verapamil, Diltiazem): Hemmung des hepatischen Abbaus → Anstieg der Amlodipin-Plasmaspiegel → erhöhtes Risiko für ausgeprägte Hypotonie
- CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Johanniskraut): Beschleunigter Metabolismus → verminderte Wirkstoffspiegel → Abschwächung der antihypertensiven Wirkung möglich
- Grapefruit bzw. Grapefruitsaft: Hemmung des intestinalen CYP3A4 → erhöhte Bioverfügbarkeit → verstärkte Blutdrucksenkung möglich
- Simvastatin: Amlodipin erhöht die Simvastatin-Exposition um ca. 77 % → Simvastatin-Dosis sollte 20 mg/Tag nicht überschreiten (erhöhtes Risiko für Myopathie/Rhabdomyolyse)
- Tacrolimus: Erhöhung der Tacrolimus-Spiegel möglich → Risiko nephrotoxischer Effekte
- Ciclosporin: Anstieg der Ciclosporin-Talspiegel insbesondere bei Transplantationspatienten möglich
- mTOR-Inhibitoren (z. B. Sirolimus, Everolimus, Temsirolimus): Erhöhte Exposition durch CYP3A4-Interaktion möglich
- Andere Antihypertensiva: Additive blutdrucksenkende Effekte → verstärkte Hypotonie möglich
- Dantrolen (i.v.): Risiko schwerer Arrhythmien und Kreislaufkollaps (Hinweise aus Tiermodellen mit Verapamil und Dantrolen); die Kombination mit Calciumkanalblockern sollte vermieden werden.
- Fixkombinationen mit Atorvastatin – PRAC-Hinweis: Bei Patienten unter Amlodipin/Atorvastatin-Fixkombinationen ist bei gleichzeitiger Daptomycin-Gabe das Myopathie- und Rhabdomyolyserisiko durch die Statin-Komponente erhöht. In diesem Fall sollte eine vorübergehende Unterbrechung der Statintherapie erwogen und die CK-Werte kontrolliert werden.
Kontraindikationen
Amlodipin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Dihydropyridine und/oder Amlodipin
- schwerer Hypotonie
- Schock (einschließlich kardiogenem Schock)
- Obstruktion des linksventrikulären Ausflusstrakts (etwa bei höhergradiger Aortenstenose)
- hämodynamisch instabiler Herzinsuffizienz nach akutem Myokardinfarkt
Stillzeit
Amlodipin geht in die Muttermilch über (ca. 3–15 % der mütterlichen Dosis). Bei der Entscheidung über Fortführung der Therapie oder Stillen ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
Fertilität
Unter Calciumkanalblockern wurden reversible Veränderungen an Spermatozoen beschrieben. Tierexperimentell zeigten sich Effekte auf die männliche Fertilität, klinische Daten beim Menschen sind begrenzt.
Verkehrstüchtigkeit
Amlodipin kann geringe bis mäßige Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben. Insbesondere zu Beginn der Therapie oder bei Auftreten von Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Übelkeit kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Amlodipin zu beachten:
- Hypertensive Krise: Sicherheit und Wirksamkeit sind in dieser Situation nicht ausreichend belegt; Amlodipin ist nicht zur Akuttherapie geeignet.
- Herzinsuffizienz: Bei dekompensierter Herzinsuffizienz ist Vorsicht geboten, da ein erhöhtes Risiko für Lungenödeme beschrieben wurde.
- Schwere Herzinsuffizienz (NYHA III–IV): Klinische Überwachung empfohlen, da in Studien vermehrt pulmonale Ödeme beobachtet wurden.
- Leberfunktionsstörung: Verminderte Clearance und verlängerte Halbwertszeit möglich; Therapiebeginn niedrig dosiert und vorsichtige Titration erforderlich.
- Ältere Patienten: Erhöhte systemische Exposition möglich; Dosiserhöhungen sollten zurückhaltend erfolgen.
- Nierenfunktionsstörung: Keine Dosisanpassung erforderlich, jedoch ist Amlodipin nicht dialysierbar.
- Gingivahyperplasie: Die Calciumkanalblockade kann die Fibroblastenaktivität in der Gingiva steigern und zu vermehrter extrazellulärer Matrixbildung führen. Plaque und vorbestehende Gingivitis wirken begünstigend; regelmäßige Zahnarztkontrollen sind empfehlenswert.
- Hypotonierisiko: Insbesondere bei Kombination mit anderen Antihypertensiva kann es zu additiver Blutdrucksenkung kommen; klinische Kontrolle empfohlen.
Alternativen
Mögliche pharmakologische Alternativen:
Alle genannten Wirkstoffe sind Dihydropyridin-Calciumkanalblocker und wirken primär vasodilatierend durch Blockade von L-Typ-Calciumkanälen in der Gefäßmuskulatur. Sie werden vor allem zur Behandlung der arteriellen Hypertonie eingesetzt, teilweise auch bei Angina pectoris.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Amlodipin-ratiopharm 10 mg N Tabletten(2022). Ratiopharm GmbH. Ulm. (Aufgerufen am 25.02.2026)
- Fachinformation Amlodigamma® TOP 10 mg Tabletten(2022). Wörwag Pharma GmbH & Co. KG. Böblingen. (Aufgerufen am 25.02.2026)
- Reifferscheid (2026). Amlodipin/Atorvastatin: Produktinformationen um Warnhinweis bei gleichzeitiger Gabe mit Daptomycin ergänzt. Gelbe Liste Pharmaindex. (Aufgerufen am 22.02.2026)
Abbildung: Created with BioRender.com
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