Clindamycin

Clindamycin wird häufig zur Behandlung von bakteriellen Infektionen verwendet, die durch Clindamycin-empfindliche Erreger hervorgerufen werden. Es ist nach oraler, intravenöser oder topischer Anwendung wirksam gegen grampositive und bestimmte anaerobe Bakterien.

Clindamycin

Anwendung

Clindamycin hat je nach Darreichungsform unterschiedliche Indikationen:

Enteral

Akute und chronische bakterielle Infektionen durch Clindamycin-empfindliche Erreger:

  • Infektionen der Knochen und Gelenke
  • Infektionen des HNO-Bereich
  • Infektionen des Zahn- und Kieferbereichs
  • Infektionen der tiefen Atemwege
  • Infektionen des Becken- und Bauchraumes
  • Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane
  • Infektionen der Haut und Weichteile
  • Scharlach

Parenteral

Bei schweren Krankheitsbildern ist die parenterale der enteralen Therapie vorzuziehen.
Indikationen sind akute und chronische bakterielle Infektionen (Erkrankungen durch Ansteckung) durch Clindamycin-empfindliche Erreger wie:

  • Infektionen der Knochen und Gelenke
  • Infektionen des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs
  • Infektionen des Zahn- und Kieferbereichs
  • Infektionen der tiefen Atemwege
  • Infektionen des Becken- und Bauchraums
  • Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane
  • Infektionen der Haut und der Weichteile
  • Scharlach
  • Septikämie
  • Endokarditis

Topisch

Topische Behandlung der leichten bis mittelschweren Akne vulgaris, insbesondere mit entzündlichen Läsionen bei Erwachsenen und Jugendlichen >/= 12 Jahren

Urogenital

Behandlung einer bakteriellen Vaginose mit Clindamycin-empfindlichen Bakterien wie z.B.:

  • Gardnerella vaginalis
  • Mycoplasma hominis
  • Mobiluncus spp
  • Bacteroides spp
  • Peptostreptococcus spp

Anwendungsart

Clindamycin ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich und wird je nach Infektion und Schweregrad unterschiedlich angewendet:

  • Enteral: Clindamycin wird in Tabletten- oder Kapselform mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen. Die Einnahme sollte gleichmäßig über den Tag verteilt erfolgen.
  • Parenteral: Bei schweren Infektionen kann Clindamycin als Infusion oder Injektion verabreicht werden. Bei intramuskulärer Verabreichung sollte die Einzeldosis 600 mg Clindamycin nicht überschreiten. Vor einer intravenösen Infusion muss die Lösung so verdünnt werden, dass die Konzentration von Clindamycin nicht mehr als 12 mg/ml beträgt. Die Infusionsrate sollte maximal 30 mg Clindamycin pro Minute betragen, und bei einer Einzelinfusion sollten höchstens 1200 mg Clindamycin pro Stunde verabreicht werden.
  • Topisch: Bei Akne oder Hautinfektionen wird Clindamycin in Form von Lösungen, Gelen oder Cremes auf die betroffene Haut aufgetragen. Das Präparat sollte dünn auf die Haut aufgetragen werden, nachdem diese gründlich mit einer milden Seife gereinigt, abgespült und sanft trockengetupft wurde. Wenn das Präparat nicht vollständig einzieht, wurde zu viel verwendet. Nach der Anwendung die Hände sorgfältig waschen.
  • Urogenital: Bei gynäkologischen Infektionen kann Clindamycin als Vaginalcreme oder Vaginalzäpfchen intravaginal verabreicht werden.

Wirkmechanismus

Clindamycin gehört zur Gruppe der Lincosamid-Antibiotika und wirkt ähnlich wie Makrolid-Antibiotika, indem es an die 50S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms bindet und die Proteinbiosynthese der Bakterien hemmt. Dies führt in der Regel zu einer bakteriostatischen Wirkung, bei höheren Dosierungen kann jedoch auch eine bakterizide Wirkung erzielt werden.
Clindamycin dringt effektiv in tiefere Gewebeschichten ein und eignet sich daher besonders gut zur Behandlung von Infektionen der Knochen, Gelenke und Weichteile.
Es wirkt gegen aerobe grampositive Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken, anaerobe Bakterien sowie andere Mikroorganismen wie Chlamydien.

Pharmakokinetik

  • Je nach Arzneimittel liegt der Wirkstoff als Clindamycin-Derivat vor.
  • Dazu zählen Clindamycinhydrochlorid und Clindamycin-2-palmitathydrochlorid, welche nach der Resorption in die freie Base Clindamycin (aktive Wirkform) hydrolysiert werden.
  • Die Ester sind als Prodrugs anzusehen.

Resorption

Enteral

  • Clindamycinhydrochlorid und Clindamycin-2-palmitathydrochlorid werden nach oraler Gabe schnell und nahezu vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert.
  • Nahrung verzögert die Resorption geringfügig.
  • Maximale Serumkonzentrationen werden bei Nüchterneinnahme nach ca. 45-60 Minuten und nach einer Mahlzeit nach ca. zwei Stunden erreicht.
  • Serumkonzentrationen liegen nach 150 mg bzw. 300 mg oraler Gabe bei 1,9-3,9 µg/ml bzw. 2,8-3,4 µg/ml.

Parenteral

  • Nach intramuskulärer Injektion von 300 mg beträgt der maximale Serumspiegel nach ca. drei Stunden etwa 6 µg/ml.
  • Nach intravenöser Gabe von 300 mg werden nach einer Stunde mittlere Serumkonzentrationen von 4-6 µg/ml erreicht.
  • Clindamycin liegt nach Resorption und Spaltung der Ester als freie Base, also in seiner aktiven Wirkform, vor.

Topisch

  • Die systemische Aufnahme von Clindamycin bei topischer Anwendung ist vernachlässigbar. Nur etwa 0,043% der applizierten Dosis gelangt in den Blutkreislauf.

Urogenital

  • Bei einmal täglicher Gabe eines Vaginalzäpfchens mit 100 mg Clindamycin wurden am dritten Tag der Behandlung etwa 30% (Bereich: 6% bis 70%) resorbiert.
  • Die maximale Plasmakonzentration (Cmax) lag im Mittel bei 0,27 µg/ml (Bereich: 0,03 bis 0,67 µg/ml) und wurde ca. fünf Stunden nach Anwendung erreicht.
  • Die systemische Anreicherung bei Vagnalzäpfchen war im Durchschnitt etwa dreimal geringer als diejenige nach einer subtherapeutischen intravenösen Gabe von 100 mg Clindamycin.
  • Nach intravaginaler Anwendung von Vaginalcreme (entsprechend 100 mg Clindamycin) wurden bei gesunden Frauen durchschnittliche maximale Serumkonzentrationen von 20 ng/ml (Bereich: 3 bis 93 ng/ml) erreicht.
  • Etwa 3% der applizierten Dosis wurde resorbiert. Bei Frauen mit bakterieller Vaginose lag die Resorption bei etwa 4% der Dosis.

Verteilung

  • Clindamycin bindet konzentrationsabhängig zu 60-94% an Plasmaproteine.
  • Es verteilt sich gut im Gewebe, passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über.
  • Im Knochengewebe werden hohe Konzentrationen erreicht, während die Diffusion in den Liquorraum auch bei entzündeten Meningen unzureichend ist.

Metabolismus

  • Clindamycin wird vorwiegend in der Leber abgebaut.
  • Einige Metaboliten sind noch mikrobiologisch aktiv.
  • Die Metabolisierung erfolgt durch die Enzyme CYP3A4 und, in geringerem Umfang, durch CYP3A5 zu Clindamycinsulfoxid und N-Desmethylclindamycin.

Elimination

  • Clindamycin wird zu etwa zwei Dritteln über die Fäzes und zu einem Drittel über den Urin ausgeschieden.
  • Die Serumhalbwertszeit beträgt bei Erwachsenen ca. drei Stunden und bei Kindern ca. zwei Stunden.
  • Clindamycin ist nicht dialysierbar.

Besondere Patientengruppen

  • Adipöse Kinder und junge Erwachsene (2-20 Jahre): Clearance und Verteilungsvolumen von Clindamycin sind bei adipösen Patienten im Vergleich zu Normalgewichtigen vergleichbar.
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion und mittlerer bis schwerer Leberinsuffizienz verlängert sich die Halbwertszeit. Dies ist jedoch lediglich bei hohen Plasmakonzentrationen nach enteraler bzw. parenteraler Anwendung relevant.

Dosierung

Enteral

Erwachsene und Jugendliche (>14 Jahre)

  • Tagesdosis: 0,6-1,8 g Clindamycin, abhängig von der Art und Schwere der Infektion, aufgeteilt in zwei, drei oder vier Gaben.
  • Typische Dosierung: zwei bis drei Filmtabletten pro Tag (entsprechend 1,2-1,8 g Clindamycin).
  • Behandlungsdauer: Bei Verdacht oder Nachweis von ß-hämolysierenden Streptokokken: mindestens zehn Tage.
  • Bei Langzeittherapie (>10 Tage): Regelmäßige Kontrolle von Blutbild, Leber- und Nierenfunktion.

Kinder und Jugendliche (≤14 Jahre)

  • Arzneimittel mit geringerem Wirkstoffgehalt verwenden.
  • Die Dosierung erfolgt basierend auf dem Körpergewicht, unabhängig von Adipositas.
  • Die maximale Tagesdosis sollte die Dosis für Erwachsene nicht überschreiten.

Dosisanpassungen

Leberfunktion:

  • Bei eingeschränkter Leberfunktion: Vorsicht bei der Anwendung.
  • Mittelschwere bis schwere Lebererkrankung: Verlängerung der Eliminationshalbwertszeit, aber in der Regel keine Dosisreduktion erforderlich bei einer Dosierung alle acht Stunden.
  • Schwere Leberinsuffizienz: Überwachung der Clindamycin-Plasmaspiegel, mögliche Anpassung der Dosis oder Verlängerung des Dosierungsintervalls.

Nierenfunktion:

  • Bei leichter bis mäßiger Einschränkung der Nierenfunktion: Keine Dosisanpassung erforderlich.
  • Bei schwerer Niereninsuffizienz oder Anurie: Überwachung der Plasmaspiegel, ggf. Dosisreduktion oder Verlängerung des Dosierungsintervalls auf einmal alle zwölf Stunden.

Hämodialyse:

  • Clindamycin ist nicht hämodialysierbar. Keine zusätzliche Dosis vor oder nach der Dialyse erforderlich.

Parenteral

Basiseinheit:

  • 1 ml Injektionslösung enthält 150 mg Clindamycin.

Erwachsene und Jugendliche (>14 Jahre)

  • Mäßig schwere Infektionen: 8-12 ml Injektionslösung (entsprechend 1,2-1,8 g Clindamycin) pro Tag, verteilt auf zwei bis vier Einzeldosen.
  • Schwere Infektionen: 16-18 ml Injektionslösung (entsprechend 2,4-2,7 g Clindamycin) pro Tag, verteilt auf zwei bis vier Einzeldosen.
  • Maximale Tagesdosis: Bis zu 32 ml Injektionslösung (4,8 g Clindamycin) pro Tag, aufgeteilt in zwei bis vier Einzeldosen.

Säuglinge (>4 Wochen), Kinder und Jugendliche (bis 14 Jahre)

  • Dosierung abhängig von Infektionsort und -schwere: 20-40 mg Clindamycin pro kg Körpergewicht pro Tag, aufgeteilt in drei bis vier Einzeldosen.
  • Hinweis: Maximale Einzeldosis bei intramuskulärer Gabe beträgt 600 mg Clindamycin.

Dosisanpassungen

  • Siehe enterale Anwendung

Topisch

Basiseinheit:

  • 1 g Gel enthält 10 mg Clindamycin

Erwachsene und Jugendliche (> 12 Jahre)

  • Das Gel einmal täglich abends auf die betroffenen Hautpartien auftragen.

Hinweise

  • Eine übermäßige Anwendung des Gels verbessert nicht das Behandlungsergebnis, sondern erhöht lediglich das Risiko für Hautirritationen.
  • Bei übermäßiger Trockenheit oder Abschälen der Haut sollte die Häufigkeit der Anwendung verringert oder die Behandlung vorübergehend ausgesetzt werden.

Behandlungsdauer

  • Erste Ergebnisse, wie eine Verringerung entzündlicher und nichtentzündlicher Hautläsionen, können frühestens nach zwei bis fünf Wochen erwartet werden.
  • Das Gel sollte nicht länger als zwölf Wochen ununterbrochen angewendet werden.

Kinder (<12 Jahre)

  • Die Anwendung wird nicht empfohlen, da Sicherheit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe nicht erwiesen sind.

Urogenital

Erwachsene und Jugendliche (>16 Jahre)

  • Vaginalzäpfchen: ein Vaginalzäpfchen (entsprechend 100 mg Clindamycin) einmal täglich über drei aufeinanderfolgende Tage in die Vagina einführen.
  • Creme: eine Applikatorfüllung (5 g Vaginalcreme, entsprechend 100 mg Clindamycin) 1mal/Tag für drei aufeinanderfolgende Tage; bei Bedarf Ausdehnung auf bis zu sieben Tagen.

Überdosierung

Eine Überdosierung von Clindamycin wurde bisher nicht beobachtet. Bei einer versehentlichen Überdosierung durch orale Einnahme kann gegebenenfalls eine Magenspülung erwogen werden. Weder Hämodialyse noch Peritonealdialyse sind wirksam, um Clindamycin aus dem Blut zu entfernen. Ein spezifisches Antidot steht nicht zur Verfügung.
Eine übermäßige topische Anwendung kann zu starker Hautirritation führen. In solchen Fällen sollte die Anwendung vorübergehend unterbrochen werden, bis sich die Haut erholt hat. Bei zu hoher topischer Anwendung von Clindamycin kann genug Wirkstoff resorbiert werden, um systemische Effekte zu verursachen.

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Clindamycin je nach Applikationsform auftreten können, zählen:

Enteral

  • Pseudomembranöse Kolitis
  • Agranulozytose
  • Neutropenie
  • Thrombozytopenie
  • Leukopenie
  • Eosinophilie
  • Speiseröhrenreizungen
  • Ösophagitis
  • Stomatitis
  • Durchfall
  • abdominale Schmerzen
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Makulopapulöses Exanthem
  • masernähnliches Exanthem
  • Urtikaria

Parenteral

  • Weiche Stühle und Durchfälle, manchmal verbunden mit Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
  • Leichte, vorübergehende Erhöhung der Serumtransaminasen
  • Lokale Reizungen, Schmerzen am Applikationsort
  • Indurationen und sterile Abszesse an der Injektionsstelle nach intramuskulärer Injektion
  • Schmerzen und Thrombophlebitis nach intravenöser Applikation

Topisch

  • Erythem
  • Schälen der Haut
  • Austrocknen der Haut (im Allgemeinen „mild“ ausgeprägt)
  • Brennendes Hautgefühl

Urogenital (Vaginalzäpfchen)

  • Pilzinfektion, Candida-Infektion
  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Juckreiz (nicht an der Applikationsstelle)

Urogenital (Creme)

  • Pilzinfektion, Candida-Infektion
  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Geschmacksstörungen
  • Infektion der oberen Atemwege
  • Bauchschmerzen
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Juckreiz (nicht an der Applikationsstelle)
  • Hautausschlag
  • Rückenschmerzen
  • Harnwegsinfektion
  • Glykosurie
  • Proteinurie
  • Störung der Wehentätigkeit
  • Vulvovaginale Candidose
  • Vulvovaginitis
  • vulvovaginale Störungen
  • menstruelle Störungen
  • vulvovaginale Schmerzen
  • Metrorrhagie
  • Vaginaler Ausfluss

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Clindamycin zu beachten:

  • Antagonismus mit Erythromycin: Clindamycin und Erythromycin sollten nicht ohne Empfindlichkeitsprüfung kombiniert werden, da ein Antagonismus bestehen kann.
  • Kreuzresistenz mit Lincomycin: Es besteht eine Kreuzresistenz zwischen Clindamycin und Lincomycin.
  • Muskelrelaxanzien: Clindamycin kann die Wirkung von Muskelrelaxanzien (z. B. Tubocurarin) verstärken, was während Operationen zu Risiken führen kann.
  • Vitamin-K-Antagonisten: Bei gleichzeitiger Gabe von Clindamycin und Vitamin-K-Antagonisten wurden erhöhte Blutgerinnungswerte beobachtet. Eine engmaschige Kontrolle der Blutgerinnungswerte wird empfohlen.
  • Cytochrom-P450-Isoenzyme: Inhibitoren von CYP3A4 und CYP3A5 können die Clearance von Clindamycin reduzieren, Induktoren wie Rifampicin können sie erhöhen. Überwachung der Wirksamkeit wird empfohlen.
  • Keine Hemmung bestimmter Cytochrome: Clindamycin hemmt die Isoenzyme CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19, CYP2E1 und CYP2D6 nicht; Wechselwirkungen mit über diese Enzyme abgebauten Arzneistoffen sind unwahrscheinlich.

Kontraindikation

Die Anwendung von Clindamycin ist generell kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder Lincomycin
  • Vaginalcreme: bei Risikoschwangerschaften, Placenta praevia, Scheideninfektion mit Clindamycin-unempfindlichen Keimen (z. B. Trichomonas vaginalis, Candida albicans) oder bei einer durch Antibiotika hervorgerufenen Entzündung des Dickdarms (Kolitis) in der Vorgeschichte.

Schwangerschaft

Studien an Schwangeren, die während des ersten Schwangerschaftsdrittels Clindamycin einnahmen, zeigten keinen Anstieg von Missbildungen. Trotzdem ist die Datenlage zur Sicherheit von Clindamycin in der Schwangerschaft begrenzt. Tierstudien lassen keine Hinweise auf schädliche Auswirkungen auf die Schwangerschaft oder die Entwicklung des Fötus erkennen. Da Clindamycin die Plazenta passiert und therapeutische Konzentrationen im Fötus erreicht, sollte die Anwendung während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen.

Stillzeit

Clindamycin geht in die Muttermilch über. Dadurch können beim gestillten Säugling unerwünschte Effekte wie Durchfälle, Blut im Stuhl, Hautausschläge oder Pilzinfektionen der Schleimhäute auftreten. Aufgrund der möglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen sollte Clindamycin daher während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Clindamycin hat keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.

Anwendungshinweise

Bei der enteralen und parenteralen Anwendung von Clindamycin sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Clindamycin sollte mit Vorsicht angewendet werden bei: eingeschränkter Leberfunktion, Störungen der neuromuskulären Übertragung (z. B. Myasthenia gravis, Parkinson), früheren Magen-Darm-Erkrankungen, wie entzündlichen Darmerkrankungen, bestehender Atopie, Allergien oder Asthma
  • Clindamycin ist nicht geeignet für akute virale Infektionen der Atemwege.
  • Bei der Anwendung von Clindamycin wurde über schwere allergische Reaktionen berichtet, einschließlich Hautreaktionen wie das DRESS-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), toxisch-epidermale Nekrolyse (TEN) und akut generalisierendes pustulöses Exanthem (AGEP). Bei Auftreten solcher Reaktionen sollte die Behandlung abgebrochen und geeignete Maßnahmen ergriffen werden.
  • Bei Langzeittherapie von mehr als zehn Tagen sollte regelmäßig das Blutbild sowie die Leber- und Nierenfunktion überwacht werden.
  • Eine langfristige oder wiederholte Anwendung von Clindamycin kann das Risiko einer Superinfektion mit resistenten Keimen oder Sprosspilzen erhöhen.
  • Clindamycin und andere Antibiotika können das Risiko für Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) erhöhen, die von leichtem Durchfall bis hin zu einer tödlichen Kolitis reichen kann. Bei Auftreten einer solchen Diarrhö sollte die Therapie sofort beendet werden, und eine geeignete Behandlung muss eingeleitet werden. Peristaltikhemmer sind dabei kontraindiziert.
  • Clindamycin sollte nicht zur Behandlung von Meningitis verwendet werden, da es den Liquor cerebrospinalis nicht ausreichend durchdringt.
  • In seltenen Fällen kann es zu einer akuten Nierenschädigung kommen, insbesondere bei Patienten mit bestehender Nierenerkrankung oder gleichzeitiger Einnahme von nephrotoxischen Arzneimitteln. Eine Überwachung der Nierenfunktion kann erforderlich sein.
  • Clindamycin kann eine Alternative bei Penicillin-Allergie darstellen. Obwohl keine Kreuzallergie bekannt ist, wurden selten Fälle von Überempfindlichkeitsreaktionen bei Patienten mit Penicillin-Allergie berichtet. Dies sollte bei der Behandlung berücksichtigt werden.

Bei topischer Anwendung von Clindamycin sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Kontakt vermeiden: Kontakt mit Augen, Lippen, Mund und irritierter Haut vermeiden. Bei versehentlichem Kontakt mit Wasser spülen.
  • Empfindliche Haut: Vorsichtig auf empfindlichen Hautstellen anwenden, besonders bei Neurodermitis.
  • Vorerkrankungen: Bei Enteritis, Colitis ulcerosa oder Antibiotika-assoziierter Kolitis nur mit Vorsicht anwenden.
  • Hautreaktionen: Abschälen und Rötungen zu Beginn möglich. Anwendungshäufigkeit bei Bedarf reduzieren.
  • Kombination mit Aknemitteln: Gleichzeitige Anwendung anderer Aknemittel kann Hautreizungen verstärken.
  • Schwere Reizungen: Bei starker Rötung, Trockenheit oder Brennen Behandlung unterbrechen.
  • Durchfall und Kolitis: Bei langanhaltendem Durchfall oder Bauchkrämpfen Anwendung abbrechen.
  • Antibiotikaresistenz: Vorherige Anwendung von Clindamycin oder Erythromycin kann Resistenzen fördern.
  • Kreuzresistenzen: Kreuzresistenzen mit Lincomycin und Erythromycin sind möglich.

Bei urogenitaler Anwendung von Clindamycin sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Vor Beginn der Behandlung: Es kann notwendig sein, andere mögliche Infektionen (z. B. durch Trichomonas vaginalis, Candida albicans, Chlamydia trachomatis oder Gonokokken) mittels geeigneter Labortests auszuschließen.
  • Vermehrung nicht-empfindlicher Erreger: Unter der Anwendung von Clindamycin kann es zu einer starken Vermehrung von nicht-empfindlichen Erregern, insbesondere Hefen, kommen.
  • Pseudomembranöse Kolitis: Während oder nach der Behandlung können Symptome einer pseudomembranösen Kolitis auftreten. Diese kann im Zusammenhang mit fast allen Antibiotika, einschließlich Clindamycin, von leicht bis lebensbedrohlich sein. Bei Auftreten von Durchfall nach einer Antibiotikabehandlung sollte diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Bei mittelschweren Fällen kann das Absetzen des Arzneimittels eine Besserung bewirken. Die Behandlung mit einer Vaginalcreme sollte abgebrochen und eine geeignete antibakterielle Therapie eingeleitet werden. In solchen Fällen sind Peristaltikhemmer kontraindiziert.
  • Vorsicht bei Darmerkrankungen: Bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist Vorsicht geboten.
  • Geschlechtsverkehr während der Behandlung: Während der Behandlung wird vom Geschlechtsverkehr abgeraten.
  • Verwendung anderer Produkte: Die gleichzeitige Anwendung anderer vaginaler Produkte (wie Tampons und Duschen) während der Behandlung sollte vermieden werden.

Alternativen

Alternativen zu Clindamycin umfassen:

  • Penicilline: Bei Patienten ohne Penicillin-Allergie können Penicilline wie Amoxicillin bei ähnlichen Infektionen eingesetzt werden.
  • Makrolide: Erythromycin oder Azithromycin bieten eine Alternative bei Atemwegs- und Hautinfektionen.
  • Tetracycline: Doxycyclin kann als Alternative bei bestimmten Infektionen, wie Atemwegsinfektionen oder Akne, verwendet werden.
  • Metronidazol: Dieses Antibiotikum wird ebenfalls zur Behandlung anaerober Infektionen eingesetzt.
  • Clindamycin bleibt eine wichtige Option in der Behandlung von Infektionen, insbesondere bei Penicillin-Allergikern oder wenn anaerobe Erreger beteiligt sind.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
424.98 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 3.0 H
Q0-Wert:
0.8
Autor:
Stand:
12.11.2024
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Fachinformationen, Clindamycin-ratiopharm ® 600 mg Filmtabletten
  3. Fachinformationen, Clindamycin Hikma 150 mg/ml Injektionslösung
  4. Fachinformationen, Sobelin® Vaginalcreme
  5. Fachinformationen, Sobelin® 100 mg Vaginalzäpfchen
  6. Fachinformationen, DUAC Akne Gel
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