Oxcarbazepin
Oxcarbazepin ist ein Antiepileptikum, das zur Behandlung von fokalen Anfällen mit oder ohne sekundär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen angewendet wird.
Oxcarbazepin: Übersicht

Anwendung
Oxcarbazepin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antiepileptika. Er ist indiziert zur Behandlung von fokalen Anfällen mit oder ohne sekundär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus von Oxcarbazepin beruht auf seiner Fähigkeit, die Aktivität von Natriumkanälen zu modulieren. Durch die Hemmung der Natriumkanäle in den Zellmembranen von Neuronen wird die Erregbarkeit von Nervenzellen reduziert, was zu einer Verringerung der epileptischen Aktivität führt. Zusätzlich kann eine erhöhte Durchlässigkeit der Zellmembran für Kalium und eine Modulation von spannungsaktivierten Kalziumkanälen zu der antikonvulsiven Wirkung beitragen.
Pharmakokinetik
Resorption
- Oxcarbazepin wird nach oraler Gabe vollständig resorbiert und zum aktiven Metaboliten MHD metabolisiert.
- Die Resorption von Oxcarbazepin wird nicht durch Nahrung beeinflusst.
- Das scheinbare Verteilungsvolumen von MHD beträgt 49 Liter.
- MHD wird zu ca. 40% an Serum-Proteine, vorwiegend Albumin, gebunden.
Biotransformation
- Oxcarbazepin wird in der Leber rasch zu MHD reduziert.
- MHD wird durch Konjugation mit Glukuronsäure weiter metabolisiert.
- Geringe Anteile (4% der Dosis) werden zu dem pharmakologisch inaktiven Metaboliten DHD oxidiert.
Elimination
- Oxcarbazepin wird hauptsächlich in Form von Metaboliten ausgeschieden, die vorwiegend über die Nieren ausgeschieden werden.
- Über 95% der Dosis erscheinen im Urin, wovon weniger als 1% unverändertes Oxcarbazepin ist.
- Die scheinbare Halbwertszeit von MHD beträgt durchschnittlich 9,3 ± 1,8 Stunden.
- Die Pharmakokinetik von MHD im Steady state ist linear und zeigt im Dosisbereich von 300-2.400 mg Oxcarbazepin/Tag Dosisproportionalität.
Dosierung
Monotherapie
- Empfohlene Anfangsdosis bei Monotherapie: Tagesdosis von 600 mg (8-10 mg Oxcarbazepin/kg Körpergewicht/Tag), verteilt auf 2 Einzeldosen
- Erhaltungsdosis bei Monotherapie: Zwischen 600 mg und 2.400 mg Oxcarbazepin/Tag, je nach klinischer Wirksamkeit
- Empfohlene Maximaldosis bei Monotherapie: Tagesdosis von 2.400 mg Oxcarbazepin
Kombinationstherapie
- Empfohlene Anfangsdosis bei Kombinationstherapie: Tagesdosis von 600 mg (8-10 mg Oxcarbazepin/kg Körpergewicht/Tag), verteilt auf 2 Einzeldosen
- Erhaltungsdosis bei Kombinationstherapie: Zwischen 600 mg und 2.400 mg Oxcarbazepin/Tag, je nach klinischer Wirksamkeit
- Empfohlene Maximaldosis bei Kombinationstherapie: Tagesdosis von 2.400 mg Oxcarbazepin, allerdings kann diese Dosis von den meisten Patienten nicht ohne eine Dosisverringerung der anderen gleichzeitig gegebenen Antiepileptika toleriert werden.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen von Oxcarbazepin sind Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit oder Schwindel, Doppeltsehen, Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit. Diese Nebenwirkungen treten bei mehr als 10% der Patienten auf.
Wechselwirkungen
- Oxcarbazepin und MHD können die Enzyme CYP3A4 und CYP3A5 induzieren, was zu einer Senkung des Plasmaspiegels anderer Arzneimittel wie Immunsuppressiva, Calciumkanal-Antagonisten und oralen Kontrazeptiva führen kann.
- Oxcarbazepin und MHD können einen schwachen induzierenden Effekt auf die Metabolisierung von Arzneimitteln haben, die durch die UDP-Glukuronyltransferase eliminiert werden.
- Die gleichzeitige Anwendung von Oxcarbazepin und hormonalen Kontrazeptiva kann die Verhütungswirksamkeit reduzieren.
- Oxcarbazepin und MHD hemmen CYP2C19, was bei hoher Dosierung zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln führen kann, die durch CYP2C19 metabolisiert werden. Eine Dosisreduktion kann notwendig sein.
Kontraindikationen
Oxcarbazepin darf nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.
Schwangerschaft
Für Oxcarbazepin gibt es nur begrenzte Erfahrungen mit schwangeren Frauen (300-1000 Schwangerschaftsausgänge), und obwohl es keine erhöhte Rate an angeborenen Fehlbildungen gibt, kann ein mäßig erhöhtes teratogenes Risiko nicht ausgeschlossen werden. Daher sollte während der Schwangerschaft oder bei geplanter Schwangerschaft eine sorgfältige Abwägung erfolgen, und die niedrigste anfallskontrollierende Dosis von Oxcarbazepin angewendet werden, zumindest in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten.
Es wird empfohlen, eine ergänzende Gabe von Folsäure vor und während der Schwangerschaft zu geben, um einem Folsäuremangel vorzubeugen, der ein möglicher Faktor für fetale Missbildungen sein kann. Außerdem sollten die MHD-Plasmaspiegel von Frauen, die Oxcarbazepin während der Schwangerschaft einnehmen, sorgfältig überwacht werden, um eine adäquate Anfallskontrolle sicherzustellen.
Stillzeit
Oxcarbazepin und sein aktiver Metabolit (MHD) können in die Muttermilch übergehen. Es wurde ein Konzentrationsverhältnis von 0,5 zwischen Milch und Plasma gefunden. Da die Auswirkungen auf den Säugling nicht bekannt sind, wird während der Behandlung mit Oxcarbazepin vom Stillen abgeraten.
Verkehrstüchtigkeit
Nebenwirkungen wie Schwindel, Schläfrigkeit, Ataxie, Doppeltsehen, Verschwommensehen, Sehstörungen, Hyponatriämie und Bewusstseinstrübung; die insbesondere zu Behandlungsbeginn oder bei Dosisanpassungen auftreten, können die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen.
Anwendungshinweise
- Oxcarbazepin kann lebensbedrohliche Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom und Toxisch epidermaler Nekrolyse) auslösen.
- Das Risiko für Hautreaktionen ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten.
- Bei Anzeichen oder Symptomen einer Hautreaktion muss die Behandlung mit Oxcarbazepin beendet werden.
- Das Vorliegen bestimmter HLA-Allele erhöht das Risiko für Hautreaktionen bei der Behandlung mit Carbamazepin oder verwandten Wirkstoffen.
- Das Allel HLA-A*3101 ist bei europäischer und japanischer Abstammung mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen assoziiert.
- Das Allel HLA-B*1502 ist bei Han-Chinesen, Thailändern und anderen asiatischen Bevölkerungsgruppen mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen assoziiert.
- Patienten sollten vor Beginn der Therapie auf das Vorliegen dieser Allele getestet werden.
- Oxcarbazepin kann bei Kindern und Erwachsenen eine Exazerbation von Krampfanfällen auslösen, in diesem Fall sollte das Medikament abgesetzt werden.
- Hyponatriämie, die bei bis zu 2,7% der Patienten beobachtet werden kann, insbesondere bei älteren Patienten oder bei vorbestehenden Nierenerkrankungen. Eine Überwachung der Serum-Natrium-Konzentration wird empfohlen, besonders bei Patienten, die mit Natrium-Konzentration senkenden Arzneimitteln behandelt werden.
- Hypothyreose ist eine mögliche Nebenwirkung, insbesondere bei Kindern wird eine Überwachung der Schilddrüsenfunktion empfohlen.
- Bei Verdacht auf Leberschädigung sollten Leberfunktionstests durchgeführt und das Absetzen von Oxcarbazepin in Betracht gezogen werden.
- Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten während der Behandlung mit Oxcarbazepin besonders vorsichtig sein, und eine Überwachung der MHD-Plasmaspiegel kann erwogen werden.
- In sehr seltenen Fällen kann es zu hämatologischen Störungen wie Agranulozytose, aplastischer Anämie und Panzytopenie kommen.
- Über suizidale Gedanken und Verhaltensweisen wurde bei Patienten, die mit Antiepileptika behandelt wurden, berichtet. Eine Überwachung und geeignete Behandlung sollte in Erwägung gezogen werden.
- Frauen im gebärfähigen Alter sollten darüber informiert werden, dass Oxcarbazepin die Wirksamkeit von hormonellen Kontrazeptiva beeinträchtigen kann, daher werden zusätzliche, nicht-hormonale Verhütungsmethoden empfohlen.
- Alkohol sollte während der Einnahme von Oxcarbazepin vermieden werden, da die sedativen Wirkungen verstärkt werden können.
- Oxcarbazepin sollte langsam abgesetzt werden, um das Risiko eines Wiederauftretens von Anfällen zu minimieren.
- Eine Überwachung der Plasmaspiegel von Oxcarbazepin kann in bestimmten Situationen nützlich sein, wie z.B. bei Veränderungen der Nierenfunktion, in der Schwangerschaft oder bei gleichzeitiger Anwendung von leberenzyminduzierenden Arzneimitteln.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Oxcarbazepin Ratiopharm
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Apydan® extent 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung
Desitin Arzneimittel GmbH
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Apydan® extent 300 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung
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Apydan® extent 600 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung
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Oxcarbazepin - 1 A Pharma® 60 mg/ml Suspension zum Einnehmen
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Oxcarbazepin - 1 A Pharma® 150 mg Filmtabletten
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Oxcarbazepin - 1 A Pharma® 300 mg Filmtabletten
1 A Pharma GmbH
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Oxcarbazepin - 1 A Pharma® 600 mg Filmtabletten
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Trileptal 60 mg/ml kohlpharma Suspension zum Einnehmen
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Trileptal® 60 mg/ml Suspension zum Einnehmen
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Trileptal 300 mg kohlpharma Filmtabletten
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