Ziprasidon

Ziprasidon ist ein atypisches Neuroleptikum (Antipsychotikum), das vor allem zur Behandlung der Schizophrenie sowie manischen Episoden angewendet wird. Der Wirkstoff blockiert u.a. postsynaptische Dopamin-D2-Rezeptoren, Serotonin-Rezeptoren und a1-Rezeptoren.

Ziprasidon

Anwendung

Ziprasidon wird angewendet zur Behandlung von Schizophrenie und manischen oder gemischten Episoden bis zu einem mäßigen Schweregrad bei bipolaren Störungen.

Anwendungsform

Ziprasidon ist als Suspension zum Einnehmen, als Hartkapseln und als Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung auf dem deutschen Markt verfügbar.

Wirkmechanismus

Ziprasidon hat eine hohe Affinität zu Dopamin-Typ-D2-Rezeptoren und eine noch wesentlich höhere Affinität zu Serotonin-Typ-2A-(5HT2A)-Rezeptoren.

Der Wirkstoff zeigt eine mäßig ausgeprägte Affinität zu neuronalen Serotonin- und Noradrenalintransportern sowie Histamin-H1 und α1 Rezeptoren.

Pharmakokinetik

  • Nach oraler Mehrfachgabe von Ziprasidon zusammen mit Nahrung werden maximale Serumkonzentrationen typischerweise 6 bis 8 Stunden nach der Einnahme beobachtet.
  • Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt bei Einnahme zusammen mit Nahrung 60 Prozent.
  • Pharmakokinetische Studien haben gezeigt, dass die Bioverfügbarkeit von Ziprasidon bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme um bis zu 100 Prozent steigt.
  • Es wird deshalb empfohlen, Ziprasidon zusammen mit Nahrung einzunehmen.
  • Ziprasidon wird im Serum zu über 99 Prozent an Proteine gebunden.
  • Die mittlere terminale Halbwertszeit nach oraler Anwendung beträgt 6,6 Stunden.
  • Eine in-vivo-Studie lässt vermuten, dass die Umwandlung in S-Methyldihydroziprasidon den hauptsächlichen Metabolisierungsweg von Ziprasidon darstellt.
  • Eine oxidative Metabolisierung, die im Wesentlichen über CYP3A4 unter möglicher Beteiligung von CYP1A2 verläuft, ist ebenfalls beteiligt.
  • Die Elimination von S-Methyldihydroziprasidon erfolgt im Wesentlichen über die Faeces durch biliäre Sekretion und zu einem geringeren Anteil über einen durch CYP3A4 katalysierten Metabolismus.
  • Ziprasidonsulfoxid wird mittels renaler Sekretion und sekundärer Verstoffwechselung durch CYP3A4 ausgeschieden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen bei schizophrenen Patienten sind Sedierung und Akathisie. Bei Patienten mit bipolarer Manie sind die häufigsten Nebenwirkungen Sedierung, Akathisie, extrapyramidale Störungen und Schwindelgefühl.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Ziprasidon zu beachten:

  • Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern: Nicht zusammen mit Arzneimitteln anwenden, die das QT-Intervall verlängern können (z.B. Antiarrhythmika der Klassen IA und III, bestimmte Antibiotika und Antimalariamittel), da ein additiver Effekt nicht ausgeschlossen werden kann.
  • Zentral wirksame Arzneimittel/Alkohol: Vorsicht bei Kombination mit anderen zentralnervös wirksamen Medikamenten oder Alkohol.
  • CYP2D6- und CYP3A4-Substrate: Ziprasidon ist ein moderater Inhibitor dieser Enzyme, aber klinisch relevante Wechselwirkungen sind unwahrscheinlich.
  • Orale Kontrazeptiva: Keine signifikanten Veränderungen der Pharmakokinetik von Östrogen- oder Progestogenderivaten.
  • Lithium: Veränderungen der kardialen Reizleitung: Risiko pharmakodynamischer Interaktionen einschließlich Herzrhythmusstörungen.
  • CYP3A4-Hemmstoffe: Starke Hemmstoffe wie Ketoconazol können die Serumkonzentration von Ziprasidon leicht erhöhen, jedoch ist keine Dosisanpassung notwendig.
  • CYP3A4- und P-GP-Induktoren: Können die Plasmakonzentration von Ziprasidon erniedrigen. Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung mit Carbamazepin, Rifampicin und Johanniskraut.
  • P-Glykoprotein-Hemmstoffe wie Verapamil, Makrolidantibiotika, Chinidin, Itraconazol und Ritonavir: Plasmakonzentration von Ziprasidon kann erhöht werden.
  • Antazida und Cimetidin: Beeinflussen die Pharmakokinetik von Ziprasidon nicht signifikant.
  • Serotonerge Arzneimittel: Vorsicht bei Kombination mit anderen serotonergen Medikamenten wie SSRI wegen des Risikos eines Serotonin-Syndroms.
  • Proteinbindung: In vitro wurde keine Veränderung der Plasmaproteinbindung von Ziprasidon durch andere stark an Plasmaproteine bindende Arzneimittel beobachtet, daher ist eine Wechselwirkung durch Verdrängungsreaktionen unwahrscheinlich.

Kontraindikation

Ziprasidon darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • bekannter QT-Intervall-Verlängerung
  • angeborenem QT-Syndrom
  • kürzlich vorangegangener akuter Myokardinfarkt
  • nicht kompensierte Herzinsuffizienz
  • Herzrhythmusstörungen, die mit Antiarrhythmika der Klassen IA und III behandelt werden
  • gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, wie Antiarrhythmika der Klassen IA und III, Arsentrioxid, Halofantrin, Levomethadylacetat, Mesoridazin, Thioridazin, Pimozid, Sparfloxacin, Gatifloxacin, Moxifloxacin, Dolasetronmesilat, Mefloquin, Sertindol oder Cisaprid

Schwangerschaft

Es liegen keine Studien bei schwangeren Frauen vor. Frauen im gebärfähigen Alter müssen daher angehalten werden, Ziprasidon nur unter ausreichendem Konzeptionsschutz einzunehmen. Neugeborene, die während des dritten Trimenons der Schwangerschaft gegenüber Antipsychotika (einschließlich Ziprasidon) exponiert waren, sind durch Nebenwirkungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinungen gefährdet, deren Schwere und Dauer nach der Entbindung variieren können.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Ziprasidon in die Muttermilch übergeht. Patientinnen dürfen nicht stillen, wenn sie Ziprasidon einnehmen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Ziprasidon zu beachten:

  • QT-Intervall: Dosisabhängige Verlängerung möglich; Vorsicht bei bestehender Bradykardie, Elektrolytstörungen wie Hypokaliämie und Hypomagnesiämie, die korrigiert werden müssen. EKG-Kontrolle vor Behandlungsbeginn erwägen.
  • Kinder und Jugendliche: Sicherheit und Wirksamkeit bei Schizophrenie in dieser Altersgruppe nicht erwiesen.
  • Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS): Potenziell lebensbedrohlicher Zustand, der ein sofortiges Absetzen erfordert.
  • Schwere Hautreaktionen: DRESS-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom und andere ernste Hautnebenwirkungen berichtet. Bei Auftreten schwerer Hautreaktionen Behandlung abbrechen.
  • Tardive Dyskinesie: Risiko bei Langzeitbehandlung, insbesondere bei älteren Patienten und Patienten mit bipolaren Störungen.
  • Stürze: Ziprasidon kann Somnolenz, Schwindel und orthostatische Hypotonie verursachen, was das Sturzrisiko erhöht.
  • Krampfanfälle: Vorsicht bei Patienten mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte.
  • Eingeschränkte Leberfunktion: Vorsicht bei schwerer Leberinsuffizienz; Datenlage unzureichend.
  • Zerebrovaskuläre Ereignisse und erhöhte Mortalität bei älteren Personen mit Demenz: Vorsicht bei Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko oder Demenz.
  • Thromboembolie-Risiko: Fälle von venösen Thromboembolien berichtet; Risikofaktoren identifizieren und präventive Maßnahmen ergreifen.
  • Priapismus: Fälle im Zusammenhang mit Antipsychotika berichtet; nicht dosis- oder dauerabhängig.
  • Hyperprolaktinämie: Kann Prolaktinspiegel erhöhen und zu Beeinträchtigungen führen; langanhaltende Hyperprolaktinämie kann Knochendichte verringern.

Alternativen

Alternativen zu Ziprasidon umfassen z.B.:

Atypische Antipsychotika

Typische Antipsychotika

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
412.94 g·mol-1
Autor:
Stand:
29.03.2017
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