Hintergrund
Vor etwa zwei Jahren kamen die ersten Covid-19-Impfstoffe auf den Markt. Kurz darauf wurde über ein erhöhtes Risiko für Sinusvenenthrombosen nach der Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff, der in Deutschland nicht mehr eingesetzt wird, berichtet. Ferner gab es Meldungen über Augenerkrankungen nach einer Covid-19-Vakzinierung, insbesondere über die anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION) und retinale vaskuläre Verschlusskrankheit (RVOD).
Eine Umfrage unter 50 Augenkliniken in Deutschland ergab keinen Anhalt auf ein erhöhtes Risiko dieser Pathologien im Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung, heißt es in einer Pressemitteilung über den Kongress der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) [1]. Auch andere Studien fanden keinen Kausalzusammenhang [2–4].
Studie untersucht Zusammenhang zwischen Corona-Impfung und retinalen Verschlusskrankheiten
Um festzustellen, ob es eine ungewöhnliche Anzahl einer retinalen vaskulären Verschlusskrankheit gibt und ob möglicherweise ein kausaler Zusammenhang mit einer Coronaimpfung besteht, lud die Retinologische Gesellschaft 50 deutsche Ophthalmologie-Zentren ein, an einer retrospektiven Studie über PatientInnen mit RVOD und AION mitzuwirken [2].
In die Studie aufgenommen wurden 421 Probanden:
- 121 mit retinalem Zentralvenenverschluss (central retinal vein occlusion [CRVO])
- 75 mit Astvenenthrombose (branch retinal vein occlusion [BRVO])
- 56 mit zentralem Netzhautarterienverschluss (central retinal artery occlusion [CRAO])
- 65 mit Astarterienverschluss (branch retinal artery occlusion [BRAO])
- 104 mit AION
332 (78,9%) PatientInnen waren vor dem Auftreten der retinalen Verschlusskrankheit mit einem Covid-19-Impfstoff geimpft worden [2].
Erhebliches kardiovaskuläres Risikoprofil, kein Zusammenhang mit Covid-19-Impfung
In der Kohorte wurde ein erhebliches kardiovaskuläres Risikoprofil ermittelt, dass sich wie folgt zusammensetzte:
- Hypertonie: 64,5%
- Diabetes: 18,0%
- Adipositas: 14,3%
- Nikotinabusus (aktuell oder früher): 12,3%
- Karotisstenose: 18,4%
- Vorhofflimmern: 11,7%
Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von retinalen Gefäßverschlüssen nach einer Covid-19-Impfung ließen sich nicht feststellen (Odds Ratio [OR] 0,93; 95%-Konfidenzintervall [95%-KI]: 0,60–1,45, p=0,75).
Weitere Studien zeigen: Covid-19-Impfung verursacht keine Augenschäden
Diese Schlussfolgerung wird durch eine Vergleichsanalyse der Umfrageergebnisse mit Daten der Gutenberg-Covid-19-Studie der Universität Mainz, einer der größten Bevölkerungsstudien in Deutschland im Bereich der Pandemieforschung, gestützt. Auch hier ergab eine retrospektive Analyse keine ungewöhnliche Häufung von retinalen Gefäßverschlüssen nach einer Covid-19-Impfung [3].
Ebenso wenig konnten Forschende einer japanischen Studie einen Zusammenhang für Augenschäden aufgrund einer Coronaimpfung erkennen [4]. Die Forschenden nutzten eine bevölkerungsbezogene Datenbank mit Angaben zu medizinischen Leistungen und Impfungen in einer japanischen Großstadt.
In der gematchten Kohortenstudie untersuchten sie, ob es nach der Impfung vermehrt zu Fällen von Uveitis, Skleritis, Gefäßverschlüssen und Sehnervenentzündungen kam. Der Vergleich von knapp 100.000 geimpften und ebenso vielen nicht geimpften Personen deutet darauf hin, dass eine Covid-19-Impfung das Risiko für unerwünschte Augenereignisse nicht kausal erhöht.









