Mehr Autoimmunkrankheiten nach Covid-19

Nach Covid-19 steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln. In den ersten drei bis 15 Monaten nach einer SARS-CoV-2-Infektion erhöhte sich das Risiko im Vergleich zu Nichterkrankten um ca. 40%. Das ergab eine Auswertung der Daten von mehr als 640.000 gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland.

Schilddrüse Untersuchung

Hintergrund

Covid-19 wird bereits mit vielen Symptomen und Erkrankungen in Verbindung gebracht – scheinbar gehören auch Autoimmunreaktionen dazu. Einer deutschen Studie zufolge ist das Risiko für das Neuauftreten von Autoimmunkrankheiten in den ersten drei bis 15 Monaten nach einer SARS-CoV-2-Infektion um ca. 40% erhöht. Die Ergebnisse der Studie sind als Vorabpublikation auf MedRxiv erschienen [1].

Die Studie ist Teil des vom Robert Koch-Institut (RKI) geleiteten und vom Bundesgesundheitsministeriums (BMG) geförderten Projektes „Postakute gesundheitliche Folgen von COVID-19“.

Daten von mehr als 641.704 Covid-Patienten ausgewertet

Ein Team um Falko Tesch vom „Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung“ (ZEGV) am Universitätsklinikum in Dresden wertete die Daten von 38,9 Millionen gesetzlich Krankenversicherten aus. 641.704 Personen, die im Jahr 2020 eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2-Infektion hatten und sich im ersten Halbjahr 2021 nicht erneut mit dem Coronavirus infizierten, wurden bis Ende Juni 2021 nachbeobachtet. Jedem von ihnen wurden drei Versicherte mit ähnlichen Eckpunkten wie Alter, Geschlecht und Autoimmunanamnese gegenübergestellt.

Deutlich mehr Autoimmunerkrankungen nach Covid-19

In den drei bis 15 Monaten nach der akuten SARS-CoV-2-Infektion bzw. dem entsprechenden Indexdatum lag die Inzidenz von Autoimmunerkrankungen in der Covidgruppe bei 15,05 (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 14,69–15,42) pro 1.000 Personenjahre (PJ), in der Kontrollgruppe nur bei 10,55/1.000 PJ (95%-KI 10,25–10,86). Somit war das Inzidenzratenverhältnis (IRR) nach einer SARS-CoV-2-Infektion um 43% erhöht (IRR 1,43). In allen Berechnungen wurden Vorerkrankungen, die Häufigkeit von ärztlichen Konsultationen und der Coronaverlauf berücksichtigt.

Hashimoto-Thyreoiditis, M. Basedow, Psoriasis und rheumatoide Arthritis

Bei den CoronapatientInnen mit bekannter Autoimmunkrankheit traten in absoluten Zahlen mehr Neuerkrankungen auf als bei denjenigen ohne Autoimmunanamnese. Mit einer relativen Risikoerhöhung von 23% (IRR 1,23) fiel der Einfluss der SARS-CoV-2-Infektion auf das Erkrankungsrisiko jedoch schwächer aus.

Insgesamt wurden 64 Autoimmunerkrankungen detektiert. Weiter untersucht wurden 30 Krankheiten, die in der Covidgruppe in mindestens 20 Fällen auftraten. Mit geschätzten Risikozuwächsen zwischen 41–44% waren die häufigsten Autoimmundiagnosen:

Die größten Unterschiede waren bei den seltenen Vaskulitiden mit Autoimmungenese zu verzeichnen, zum Beispiel Morbus Wegener (IRR 2,51) und M. Behçet (IRR 2,42). Das Risiko einer Sarkoidose war nach Covid-19 mehr als doppelt so hoch (IRR 2,14).

Vor allem Ältere und Frauen sowie Erkrankte mit schwerem Covid-Verlauf betroffen

Aossoziationen zwischen der SARS-CoV-2-Infektion und Autoimmunerkrankung zeigten sich unabhängig von Alter und Geschlecht der Betroffenen. Absolut betrachtet waren jedoch Ältere und Frauen häufiger betroffen.

Überdies stieg die Wahrscheinlichkeit einer Autoimmundiagnose mit dem Schweregrad von Covid-19: bei Personen, die ambulant versorgt werden konnten, nur leicht um den Faktor 1,38, bei stationärer bzw. intensivstationärer Behandlung um den Faktor 1,75 bzw. 2,28.

Einschränkungen der Studie

Obschon eine Korrelation zwischen einer Coronainfektion und Autoimmundiagnose nachgewiesen wurde, ist eine Kausalität nicht abzuleiten. Das ist aus Beobachtungsdaten per se nicht möglich. Ferner kann eine Verzerrung infolge eines Detektionsbias nicht ausgeschlossen werden.

Um die Zusammenhänge zwischen einer SARS-CoV-2-Infektion und Autoimmunerkrankungen zu verstehen, sind weitere Studien notwendig, so Tesch und Mitforschende.

Autor:
Stand:
21.03.2023
Quelle:

Tesch, F. et al. (2023): Incident autoimmune diseases in association with a SARS-CoV-2 infection: A matched cohort study. DOI: 10.1101/2023.01.25.23285014.

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