Die Atopische Dermatitis (AD) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die zu erheblichen körperlichen Symptomen, wie anhaltender Juckreiz und Schlafstörungen, führen kann. AD kann sich auch negativ auf die Lebensqualität und die psychische Gesundheit auswirken, wobei sowohl die körperlichen Aspekte der Krankheit als auch die soziale Stigmatisierung aufgrund der sichtbaren Läsionen die Stimmung beeinträchtigen. Bei manchen Betroffenen führt dies zu psychiatrischen Erkrankungen, wie z. B. Depressionen, Angststörungen oder auch Schizophrenie.
Atopische Dermatitis und Essstörungen
Vor Kurzem wurde in einer bevölkerungsbezogenen Kohortenstudie in Finnland ein Zusammenhang zwischen AD und Essstörungen (ED) nachgewiesen. Der stärkste Zusammenhang zwischen AD und ED wurde dabei bei Bulimia nervosa (BN) festgestellt, gefolgt von Binge-Eating-Störungen (BED). Bemerkenswert war außerdem, dass eine hohe Prävalenz von Nahrungsmittelallergien in der AD-Population das gemeinsame Auftreten von AD und ED nicht zu erklären schien. Die Autoren dieser Studie vermuteten, dass sowohl der negative Einfluss von AD auf die Psyche als auch eine Autoreaktivität zur Entwicklung von ED beitragen [1].
Essstörungen bei US-Amerikanern mit atopischer Dermatitis
Eine neuere Studie hat nun untersucht, ob sich ähnliche Zusammenhänge auch in US-amerikanischen Populationen finden lassen. Dazu wurde eine Querschnittsstudie an erwachsenen US-Bürgern durchgeführt, die für das All of Us Research Program (AoURP) rekrutiert wurden, ein Programm der National Institutes of Health mit unterschiedlichen demografischen und sozioökonomischen Merkmalen. Für die Analyse wurden Teilnehmer mit AD und den folgenden ED identifiziert: Anorexia nervosa (AN), BN, BED, nichtspezifizierte ED sowie andere spezifizierte ED. Diese Teilnehmer wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen.
Bei Personen mit AD war die Wahrscheinlichkeit, dass bei ihnen die getesteten EDs diagnostiziert wurden, deutlich höher als bei Personen ohne AD: AN 0,2% vs. 0,1%; BN 0,2% vs. 0,1%; BED 0,3% vs. 0,1%; nicht spezifizierte ED 1,4% vs. 0,4%; und andere spezifizierte ED 0,4% vs. 0,2%. Bei BED fand sich dabei die höchste multivariable Odds Ratio von 3,58. Und auch wenn die pathophysiologischen Mechanismen der ED-Entwicklung noch unbekannt sind, gehen auch diese Autoren von einem Zusammenhang zwischen AD und der psychischen Belastung aus [2].
Erklärungsversuche
Es ist bekannt, dass AD das Körperbild und die Lebensqualität negativ beeinflusst und Ängste hervorrufen kann, insbesondere die Sorge um Kontrollverlust und Unvorhersehbarkeit der Symptome. ED könnten in einigen Fällen als Bewältigungsstrategie dienen, um mit diesen Ängsten umzugehen. Zudem gibt es Hinweise auf gemeinsame Faktoren wie stille Entzündungen, die AD und ED verbinden und gegenseitig verstärken können. Weiterhin kann ED zu Mikronährstoffmangel, etwa an Zink und Eisen, führen, was AD verschärfen und so einen Teufelskreis erzeugen kann [1,2].
Fazit
ED korrelieren in hohem Maße mit Stimmungsstörungen. So wiesen z. B. in der amerikanischen Kohorte 83% der Patienten mit AN, 82% der Patienten mit BN und 85% der Patienten mit BED komorbide Depressionen oder Angstzustände auf. Die Erkenntnis, dass Stimmungsstörungen zu ED beitragen können, ist wichtig, um das erhöhte Risiko von ED bei Personen mit AD zu erkennen. Dermatologen sollten sich daher der zunehmenden Belege für die psychologischen Auswirkungen von AD bewusst sein, um gesunde Bewältigungsstrategien zu unterstützen und bei Bedarf eine angemessene psychiatrische Betreuung zu ermöglichen.









