Was tun bei Lichen planus am Nagel?

Chronische Entzündungen an den Nägeln nicht nur schmerzhaft, sie wirken auch oft entstellend. Patienten mit Lichen planus am Nagel droht obendrein der irreversible Nagelverlust. Doch die Therapiemöglichkeiten – z.B. schmerzhafte Steroid-Injektionen – sind eingeschränkt. Hoffnung bringen möglicherweise JAK-Hemmer.

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Chronische Entzündungen um und an den Nägeln werden zwar oft nur als minderschwere Begleiterscheinung anderer immunologische Erkrankungen betrachtet, aber sie setzen den Betroffen schwer zu. Jeder Handgriff kann schmerzen, splitternde Nägel bleiben an vielen Materialien wie Stoffen hängen, die Hände sehen ungepflegt aus.
Besonders unangenehm ist es für Betroffene, wenn der Nagel völlig zerstört ist, wie es bei Lichen planus mit Nagelbeteiligung (NLP) vorkommen kann. 

Die weltweite Prävalenz des Lichen planus (LP) wird auf 0,5 bis 1,0 % geschätzt, 10-15 % haben Nagelmanifestationen – besonders häufig findet sich die Nagelbeteiligung, wenn auch an der Mund- oder Genitalschleimhaut Lichen planus-Läsionen bestehen. Dagegen ist ein Nagel-Lichen planus ohne Haut-, Schleimhaut- oder Haarbeteiligung selten, berichtete Dr. Matilde Iorizzo aus Lugano auf dem Swiss Derma Day 2025 in Luzern.

Bei NLP sind überwiegend die Fingernägel betroffen – meist mehrere, durchschnittlich etwa sieben Fingernägel. 

Klinische Symptome:

  • verdünnte und verkürzte, häufig ausgefranste Nagelplatten mit Längsverwerfungen
  • partielle oder komplette Onychodystrophie
  • Aufrauhungen (Trachyonychie) der Nagelplatte
  • Längsriffelungen (nicht Lichen-planus-spezifisch, aber häufig beobachtet)
  • Tüpfelnägel
  • Erythronychie (rote Längsstreifungen)
  • rote oder „gesprenkelte“ Lunulae
  • distale Onycholyse
  • Pterygium unguium (strangförmige Synechien zwischen Nagelfalz und Nagelbett)

Irreversibler Nagelverlust droht

Derzeit gibt es jedoch keine Leitlinien für die Behandlung bei NLP, so Iorizzo. Wegen des generell hohen Vernarbungspotentials – auch am Nagel, was eine dauerhafte Zerstörung des Nagelapparates bedeuten kann –empfehlen viele Experten eine rasche und aggressive Behandlung. Zudem hat die Krankheit ein hohes Potenzial, erneut zu rezidivieren.

Der noch begrenzten Studienlage zufolge werden laut Iorizzo intraläsionale und intramuskuläre Triamcinolonacetonid-Injektionen als Erstlinientherapien empfohlen. Doch auch wenn Steroidinjektionen durch die Nagelplatte bei NLP effektiv sind, scheuen viele Ärzte davor zurück, weil sie unter anderem durch die nötige Leitungsanästhesie aufwändig sind. Ebenso werden systemische Medikamente nur ungern verordnet, wenn ausschließlich Nägel betroffen sind. Als Alternative kommen orale Retinoide oder Immunsuppressiva in Betracht. 

Vielversprechende JAK-Hemmer

Derzeit werden auch die Immuntherapeutika und hier besonders die Januskinase(JAK)-Inhibitoren als systemische Therapieoption bei NLP erforscht. Denn neueren Erkenntnissen zufolge ist der hochregulierte JAK1–STAT1 Signalweg eine der wesentlichen pathophysiologischen Ursachen bei LP.

Für die JAK-Hemmer Abrocitinib, Upadacitinib sowie Baricitinib wurden bei der Nagel-LP erste Erfolge verzeichnet, wie Iorizzo berichtete.

Und auch Tofacitinib wirkt offenbar bei NLP. Es hemmt den JAK1/3-STAT- Signalweg, was zur Unterdrückung des Interferon-γ-vermittelten Signals führt. Dies ist eine der Hauptkomponenten des LP-Entzündungsinfiltrats, das für die Keratinozyten-Apoptose des dermo-epidermalen Übergangs und die anschließende Gewebeschädigung verursacht. 

Erste Erfolge mit JAK-Hemmer-Creme

Ein Nachteil der oralen JAK-Hemmer in der Off-Label-Behandlung ist, dass sie hochpreisig sind. Daher suchte Iorizzo nach einer in einer kostengünstigen Alternative zur JAK-Hemmer-Therapie.

Zwar gilt die topische Behandlung bei NLP als wenig aussichtsreich und – wenn überhaupt – nur als kurzfristig wirksam. Dennoch entwickelte das Team um Iorizzo eine Creme mit 2 % Tofacitinib-Pulver und testete dies in einer kleinen Pilotstudie. Drei NLP-Patienten trugen zweimal täglich eine Creme aus 2 % Tofacitinib-Pulver, Phenoxyethanol und Cremebasis DAC in den periungualen Bereich und auf die Nagelplatte auf. Wichtig war, dass sich die Probanden danach mindestens vier Stunden lang nicht die Hände wuschen.

Nach 12 Wochen zeigten alle Patienten eine signifikante Verbesserung ihrer Nagelplatten, bei zweien waren nur noch geringe Nagelveränderungen sichtbar, ein Patient war völlig erscheinungsfrei. Die Patienten berichteten über eine gute Compliance ohne lokale und systemische Nebenwirkungen.

Autor:
Stand:
11.04.2025
Quelle:
  1. QueIorizzo M., Efficacy of topical tofacitinib 2% cream in the treatment of nail lichen planus. Indian J Dermatol Venereol Leprol. 2025. (in press), doi:10.25259/IJDVL_1443_2024
  2. Swiss Derma Day 2025, 16.01.2025, Luzern, Vortrag Von Dr. Matilde Iorizzo, Lugano: “algorithms for the treatment of inflammatory nail diseases”,
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