DDG Derma 2025: Psychische Last chronischer Hauterkrankungen oft unterschätzt

Chronische Hauterkrankungen wie Vitiligo führen häufig zu psychischen Komorbiditäten. Wie Dermatologen psychische Belastungen erkennen und digitale Fragebögen nutzen können, war Thema auf der DDG-Jahrestagung.

Vitiligo Weissfleckenkrankheit

Stigmatisierung beginnt oft früh

„Iiihh, der hat ja die Krätze!“ – solche Bemerkungen erleben viele Betroffene schon im Kindesalter. Sichtbare Hautveränderungen führen oft zu sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung, was schwerwiegende psychische Folgen haben kann. Nicht selten überwiegt bei chronischen Hauterkrankungen die psychische Belastung sogar die somatische. 

Jeder zweite Vitiligo-Patient leidet an Depressionen

Am Beispiel von Vitiligo ist die psychische Belastung besonders gut dokumentiert. Die globale VALIANT-Studie untersuchte die mentale Gesundheit von Betroffenen. Demnach zeigen fast 50 % der Vitiligo-Patienten in Europa depressive Symptome, in Deutschland sind es sogar 64,8 %. Besonders betroffen sind Menschen mit dunklerem Hauttyp sowie jene mit sichtbaren Läsionen an Händen oder Gesicht.

Aufmerksamkeit für psychische Komorbiditäten schärfen

Trotz der hohen Prävalenz psychischer Beschwerden werden diese im dermatologischen Alltag häufig unterschätzt. Das zeigte eine Analyse von 3.635 Konsultationen, die PD Dr. Rachel Sommer (Hamburg) präsentierte: Nur 44 % der Depressionen und 35,6 % der Angststörungen wurden erkannt. Die Studienautoren fordern eine bessere Schulung von Dermatologen im Erkennen psychischer Belastungen.

Digitale Tools für das Screening in der Praxis

Da die Zeit für ausführliche psychologische Anamnesen im Praxisalltag meist fehlt, können elektronische Fragebögen ein wertvolles Instrument sein. Über die Plattform dermavalue.com lassen sich krankheitsspezifische Tools zur Erfassung von Lebensqualität und psychischer Belastung herunterladen – unter anderem für Akne, Psoriasis oder Vitiligo.

Verfügbare Fragebögen sind u. a.:

  • EFLQA (electronic Freiburg Life Quality Assessment)
  • EDLQI (electronic Dermatology Life Quality Index)
  • eWHO-5 (electronic WHO (Five) Well-Being Index)
  • eDermCLCI-r / eDermCLCI-p (elektronischer Fragebogen zur kumulativen Lebensbeeinträchtigung bei Hauterkrankungen, retro-/prospektiv)

Die Plattform wurde unter Leitung von Prof. Matthias Augustin (UKE Hamburg) entwickelt und ermöglicht den personalisierten Zugang zu standardisierten Outcome-Instrumenten – webbasiert und per App.

Hilfe zur Selbsthilfe: Unterstützungsangebote für Patienten

Dermatologen können nicht alle psychischen Belastungen allein auffangen – müssen sie aber auch nicht. Auf DermaValue finden sich unter der Rubrik „Solutions“ konkrete Hinweise auf Selbsthilfeorganisationen, etwa den Deutschen Vitiligo-Bund e. V., der psychologische Unterstützung anbietet. Auch das Portal hautkompass.de listet weiterführende Angebote für Betroffene.

PD Dr. Sommer betonte in ihrem Fazit, wie wichtig ein frühzeitiges Screening auf psychische Komorbiditäten bei chronischen Hauterkrankungen ist. Ziel sei es, Patienten frühzeitig psychosoziale Unterstützung anzubieten und so die Krankheitslast langfristig zu reduzieren.

Autor:
Stand:
12.05.2025
Quelle:
  1. Bibeau K et al. (2023): Mental Health and Psychosocial Quality-of-Life Burden Among Patients With Vitiligo: Findings From the Global VALIANT Study, JAMA Dermatol. 2023;159(10):1124-1128. doi:10.1001/jamadermatol.2023.2787.
    [published correction appears in JAMA Dermatol. 2024 Jan 1;160(1):118. doi: 10.1001/jamadermatol.2023.4958.
  2. Dalgard FJ et al. (2018): Dermatologists across Europe underestimate depression and anxiety: results from 3635 dermatological consultations. Br J Dermatol. 2018;179(2):464-470. doi:10.1111/bjd.16250.
  3. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2025, Satellitensymposium “Vitiligo im Dialog – die Plenumsdiskussion”, Vortrag von PD Dr. Rachel Sommer, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und Pflegeberufe (IVDP), UKE Hamburg.
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