Stigmatisierung beginnt oft früh
„Iiihh, der hat ja die Krätze!“ – solche Bemerkungen erleben viele Betroffene schon im Kindesalter. Sichtbare Hautveränderungen führen oft zu sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung, was schwerwiegende psychische Folgen haben kann. Nicht selten überwiegt bei chronischen Hauterkrankungen die psychische Belastung sogar die somatische.
Jeder zweite Vitiligo-Patient leidet an Depressionen
Am Beispiel von Vitiligo ist die psychische Belastung besonders gut dokumentiert. Die globale VALIANT-Studie untersuchte die mentale Gesundheit von Betroffenen. Demnach zeigen fast 50 % der Vitiligo-Patienten in Europa depressive Symptome, in Deutschland sind es sogar 64,8 %. Besonders betroffen sind Menschen mit dunklerem Hauttyp sowie jene mit sichtbaren Läsionen an Händen oder Gesicht.
Aufmerksamkeit für psychische Komorbiditäten schärfen
Trotz der hohen Prävalenz psychischer Beschwerden werden diese im dermatologischen Alltag häufig unterschätzt. Das zeigte eine Analyse von 3.635 Konsultationen, die PD Dr. Rachel Sommer (Hamburg) präsentierte: Nur 44 % der Depressionen und 35,6 % der Angststörungen wurden erkannt. Die Studienautoren fordern eine bessere Schulung von Dermatologen im Erkennen psychischer Belastungen.
Digitale Tools für das Screening in der Praxis
Da die Zeit für ausführliche psychologische Anamnesen im Praxisalltag meist fehlt, können elektronische Fragebögen ein wertvolles Instrument sein. Über die Plattform dermavalue.com lassen sich krankheitsspezifische Tools zur Erfassung von Lebensqualität und psychischer Belastung herunterladen – unter anderem für Akne, Psoriasis oder Vitiligo.
Verfügbare Fragebögen sind u. a.:
- EFLQA (electronic Freiburg Life Quality Assessment)
- EDLQI (electronic Dermatology Life Quality Index)
- eWHO-5 (electronic WHO (Five) Well-Being Index)
- eDermCLCI-r / eDermCLCI-p (elektronischer Fragebogen zur kumulativen Lebensbeeinträchtigung bei Hauterkrankungen, retro-/prospektiv)
Die Plattform wurde unter Leitung von Prof. Matthias Augustin (UKE Hamburg) entwickelt und ermöglicht den personalisierten Zugang zu standardisierten Outcome-Instrumenten – webbasiert und per App.
Hilfe zur Selbsthilfe: Unterstützungsangebote für Patienten
Dermatologen können nicht alle psychischen Belastungen allein auffangen – müssen sie aber auch nicht. Auf DermaValue finden sich unter der Rubrik „Solutions“ konkrete Hinweise auf Selbsthilfeorganisationen, etwa den Deutschen Vitiligo-Bund e. V., der psychologische Unterstützung anbietet. Auch das Portal hautkompass.de listet weiterführende Angebote für Betroffene.
PD Dr. Sommer betonte in ihrem Fazit, wie wichtig ein frühzeitiges Screening auf psychische Komorbiditäten bei chronischen Hauterkrankungen ist. Ziel sei es, Patienten frühzeitig psychosoziale Unterstützung anzubieten und so die Krankheitslast langfristig zu reduzieren.








